Das Mannheimer Schloss Foto: dpa

Migranten spielen beim Stadtmarketing in Mannheim bisher keine Rolle. Das soll anders werden.

Mannheim -Musiker Xavier Naidoo und Comedian Bülent Ceylan sind zurzeit Mannheims berühmteste Einwohner mit Migrationshintergrund. Doch einer Studie des Ludwigshafener Medien-Instituts zufolge leben in der Quadratestadt über 120.000 Menschen mit nichtdeutscher Abstammung. Diese "vergessene Zielgruppe", fast 25 Prozent sind türkischer Abstammung, spielte beim Stadtmarketing bislang keine Rolle. Das soll jetzt anders werden. "Wir werden als die wohl erste Kommune Deutschlands das Ethno-Marketing in unser Programm aufnehmen", versprach Geschäftsführer Johann Wagner beim ersten Stadtmarketing-Forum seiner Gesellschaft.

Da sich laut einer Umfrage über 80 Prozent der Migranten in der Metropolregion Rhein-Neckar wohlfühlen und nur ein Drittel Rückkehrabsichten bekundet, will Wagner das Instrument Stadtmarketing nutzen, diese bislang unberücksichtigte Gesellschaftsgruppe enger an Mannheim zu binden. Fernziel: der engagierte Bürger, der seine ethnische Eigenständigkeit bewahrt und sich dennoch als "Mannemer" fühlt.

Neben den Türken stellen Polen, Italiener, Rumänen und Russen den Löwenanteil der Migranten Mannheims. Insgesamt sind 160 verschiedene Nationalitäten in Baden-Württembergs zweitgrößter Stadt offiziell gemeldet. "Diese Leute auszuklammern ist ein gewaltiger Fehler", glaubt Andreas Vlasic, Geschäftsführer der Ludwigshafener Trendforscher. Er wies in seinem Vortrag darauf hin, dass gerade diese Bevölkerungsgruppe überproportional wachse.

Mannheim als Testmarkt

Das Zusammenführen dieser unterschiedlichen Kulturen und deren Integration geschehe allerdings nicht zwangsläufig, wie die vergangenen Jahrzehnte - nicht nur in Mannheim - gezeigt hätten. Hand in Hand mit dem demografischen Wandel gehen laut Andreas Vlasic auch die fehlende schulische Qualifikation und die daraus resultierende Erwerbslosigkeit der Migrantenjugend. Mit dem bisher ungenutzten Instrument des Stadtmarketings könne ein Hebel angesetzt werden, die Eingliederung der bislang Außenstehenden voranzubringen.

Erste Erfolge der Wirtschaft sollen Mut machen. So bietet die Deutsche Bank inzwischen eigene Finanzdienste für Türken unter dem Label "Bankamiz" an. Und Süßwarenhersteller Haribo verkauft "Halal-Süßwaren" aus Zutaten, die nach islamischem Recht gestattet sind.

Nach Meinung von Trendforscher Vlasic bietet sich Mannheim als Stadt mit einer der höchsten Migrantenquoten Deutschlands geradezu als Testmarkt für solche Produkte an. Die Kaufkraft allein der türkischstämmigen Bevölkerung Mannheims wird auf mindestens 150 Millionen Euro jährlich geschätzt.

Um eine Kommunikation zu den Migranten aufzubauen und diese zu pflegen, muss das Mannheimer Stadtmarketing nun neue Wege gehen. Da sich die Zielgruppe hauptsächlich heimatsprachlicher Medien bedient, seien sie über Fernsehen, Radio und Printprodukte nur schwer zu erreichen. Einen Ausweg bietet das Internet, das besonders von jugendlichen Migranten verstärkt genutzt wird.

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