Biene fliegt Blume an: Das Maislabyrinth in Remseck-Neckarrems zeigt Remsi, das Maskottchen der Remstal-Gartenschau. Foto: Stadt Remseck

Remseck präsentiert zur Halbzeit der Remstal-Gartenschau ein Maislabyrinth. In Ditzingen feiert der Irrgarten der Familie Siegle bereits sein 20-jähriges Bestehen. Die Besucher können einiges lernen.

Remseck/Ditzingen - Der Wald aus Mais, der beinahe drei Meter hoch ragt, scheint undurchdringlich. In dem Gewirr aus Gängen verliert man schnell den Überblick. Links oder rechts? Hier waren wir doch schon mal! Pünktlich zu den Sommerferien und zur Halbzeit der Remstal-Gartenschau hat sich Remseck eine neue Attraktion für Familien und Kinder zugelegt: ein Maislabyrinth.

Zwei Landwirte haben die Flächen für das Bürgerprojekt zur Verfügung gestellt. Wolfgang Eckstein säte 225 000 Maiskörner auf einer Fläche von 2,5 Hektar, der Obmann der Remsecker Landwirte, Hans Kurz, mähte die Wege frei. Sie ergeben ein Motiv, das aus der Luft erkennbar ist: Das Gartenschau-Maskottchen Remsi schnuppert an einer Blume, in deren Mitte ist eine Picknickfläche angelegt.

Wer den Irrgarten durchlaufen hat, kann viel lernen. Auf einem Grünstreifen wurden eher unbekannte Kulturen wie Buchweizen, Wicke und Lupinen angepflanzt. „Wir wollen den Leuten diese Pflanzen ein bisschen näher bringen“, sagt Eckstein. Ob es nach der Remstal-Gartenschau ein weiteres Maislabyrinth geben wird? Das müsse man erst einmal abwarten, heißt es aus der Verwaltung.

Die Idee stammt aus den USA

Andere sind da ausdauernder. Die Ditzinger Anja und Gerhard Siegle haben ihr Maislabyrinth am Samstag zum 20. Mal eröffnet. 1999 hatte Gerhard Sigle in einer Fachzeitschrift von den Labyrinthen aus Mais gelesen. Die ersten wurden in den USA in den 90er Jahren erdacht. „Da haben wir gesagt: Das könnten wir doch auch mal machen“, erinnert sich seine Frau Anja. Seitdem kommen jeden Sommer Tausende Besucher auf den Hof. Wie viele genau, wissen die Landwirte nicht, sie führen keine Statistik.

Für die Ditzinger ist das Labyrinth ein „zusätzlicher Betriebszweig“ zu ihren Milchkühen. Die drei Kinder packen jedes Jahr trotz eigener Berufe mit an. Vor allem, wenn die Wege mit Holzschnitzeln ausgelegt werden, braucht es viele helfende Hände. 25 Personen haben in diesem Jahr Schubkarre um Schubkarre ins Feld geschoben, weitere zehn Helfer haben die Holzspäne, die dafür sorgen, dass der Boden bei Nässe nicht matschig wird, auf dem 2,5 Kilometer langen Weg verteilt. Auf den 25 000 Quadratmetern der Siegles stehen 400 000 Maispflanzen.

Acht Jahre lange spukte Mais Maze durch den Irrgarten

Über die Jahre haben die Ditzinger viel dazu gelernt: Vom klassischen Labyrinth mit einem Ziel in der Mitte sind sie zum Beispiel schnell abgerückt. „Die Leute wollen lieber einen Irrgarten“, sagt Anja Siegle. Seit der zweiten Saison setzen die Mais-Architekten auf ein Motto. „Wir wollen mit dem Muster auch immer den Zeitgeist treffen“, sagt die Chefin. In diesem Jahr lag das Bild auf der Hand: Das 20-jährige Bestehen sollte mit dem Motiv gefeiert werden. Nun tanzt das hauseigene Maskottchen „Mister Lab“ an der Seite von „Misses Lab“ durch das Feld.

In früheren Jahren zeigte das Muster auch mal eine Baustelle, weil im angrenzenden Industriegebiet gebaut wurde, wilde Zebras und Elefanten streunten schon durch den Mais – und eine Show, bei der das Labyrinth zum wahren Gruselkabinett wurde, gab es auch. Acht Jahre lang spukte die Gruppe Mais Maze durch das Feld. Die Künstler sind inzwischen in den Freizeitpark Tripsdrill abgewandert. „Das war auch immer ein riesen Aufwand“, erinnert sich Anja Siegle.

Probleme haben die Siegles über all die Jahre kaum gehabt, weder mit den angrenzenden Unternehmen, noch mit den Gästen. „Am Anfang gab es ein paar Jugendliche, die nachts über den Zaun geklettert sind und ihre private Party veranstaltet haben“, sagt Gerhard Siegle. Die Lösung: Der Irrgarten ist nun an Samstagen bis in die Nacht geöffnet. Viele Landwirte tun sich die zusätzliche Arbeit mit einem Maislabyrinth nicht an. Sie setzen eher auf einen Hofladen, verkaufen Erdbeeren oder Spargel. Im Kreis Ludwigsburg gab es bis 2008 in Eberdingen regelmäßig ein Labyrinth, zwischen Murr und Pleidelsheim organisierten Landwirte zwei Jahre lang (1999 und 2000) den Sommerferienspaß, dann war Schluss. In Renningen (Kreis Leonberg) gibt es aktuell ein weiteres Maislabyrinth.

Im Labyrinth kann man auch etwas lernen

Wie in Remseck können die Besucher auch in Ditzingen etwas lernen. Zum Beispiel, wie viel Hektar Mais es braucht, um den CO2-Ausstoß von 60 000 Autokilometern zu kompensieren. Ideen wie das Maisquiz hat die Familie Siegle noch viele auf Lager – auch was neue Motive angeht. Ob es ihren Irrgarten noch weitere 20 Jahre geben wird, wollen sie aber nicht versprechen. Sie entscheiden von Jahr zu Jahr, ob sie weitermachen.

Drei Maislabyrinthe können erobert werden

Remseck
Das Labyrinth befindet sich oberhalb des Lützelhaldenwegs etwas außerhalb von Neckarrems. Geparkt werden kann im angrenzenden Wohngebiet oder direkt am Feld. Der Eintritt ist frei, an den Ein- und Ausgängen stehen Blumenkassen für eine freiwillige Spende.

Ditzingen
Das Labyrinth, Adresse: Im Hülben 1, ist bis zum 8. September sonntags bis freitags von 11 bis 19 Uhr geöffnet, samstags bis 23 Uhr. Erwachsene zahlen vier Euro Eintritt, Kinder (6 bis 16 Jahre) drei, Kleinkinder (3 bis 5 Jahre) zwei Euro. Die Anfahrt ist ausgeschildert.

Renningen
„Vor der Hart“ ist die Adresse des Renninger Irrgartens (Kreis Böblingen) nahe der Bahnstrecke zwischen Leonberg und Renningen. Er hat täglich von 11 bis 19 Uhr geöffnet. Geparkt werden kann direkt am Feld. Erwachsene zahlen 3,50 Euro Eintritt, Kinder 2,50.

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