Mais, so weit das Auge reicht: Auch diese Familie hat Spaß im Labyrinth Foto: Frank Eppler

Seit 21 Jahren mäht der Alfdorfer Bauer Günther Kolb einen Irrgarten in sein Maisfeld. Die Besucher müssen insgesamt sechs Stationen finden und Quizfragen beantworten – wir haben das Labyrinth getestet.

Alfdorf - Übermannsgroße Maispflanzen überall. Plötzlich gabelt sich der schmale Pfad vor uns: „Wir müssen uns aufteilen“, schlägt das fünfjährige Töchterchen vor. „Du gehst da lang, ich und Mama hier.“ Gesagt, getan. Kurze Zeit später tönen Rufe des Triumphs durch das Maisfeld: „Hier ist ein Stempel!“

Seit 21 Jahren mähen Günther Kolb und seine Familie jedes Jahr ein Labyrinth ins Maisfeld neben ihrem Hof im Alfdorfer Teilort Bonholz. Die Besucher ziehen am Eingang eine Stempelkarte und müssen in dem Irrgarten sechs Stempelstationen entdecken, an denen ihnen ein Zettel je ein Rätsel stellt. Zum Schluss gibt es eine Verlosung. Der Preis: Eintrittskarten für den nahen Schwaben-Park. „Wobei daran alle Zettel teilnehmen, die eingeworfen werden. So todernst nehmen wir das nicht“, erklärt Kolb augenzwinkernd.

Die Besucher werfen den Eintrittspreis in eine Kasse am Eingang

Mit einfachen Mitteln, aber viel Liebe zum Detail hat die Familie am Rande ihres Hofes eine kleine Erlebniswelt erschaffen. Eine Sonnenblumen-Allee inmitten des Labyrinths taugt gut als Fixpunkt. Der ist wichtig: Die Orientierung auf den sich ständig windenden Wegen hat es in sich. An allen Ecken gibt es etwas zu entdecken – sei es eine Vogelscheuche, ein freches Schild oder eine Trommel, die dem Abenteurer signalisieren, dass er sich in einer Sackgasse befindet.

Aber nicht nur das: Am Eingang finden Kinder eine Höhle aus Strohballen, einen Bauern-Aufsteller für Selfies – und ein Maistelefon, dessen anderes Ende erst einmal im Labyrinth gefunden werden muss. Quer durch das Feld kann man sich dann durch das Rohr in Zimmerlautstärke unterhalten.

Jedes Jahr kommen – das kann Kolb anhand der abgegebenen Stempelkarten grob nachvollziehen – mehrere tausend Menschen ins Labyrinth. Eine Einlasskontrolle gibt es nicht, die Besucher werfen das Eintrittsgeld einfach von sich aus in ein am Eingang aufgehängtes Kässchen. „In 95 Prozent der Fälle klappt das auch“, sagt Kolb. Für den kleinen Familienbetrieb in Bonholz ist das Labyrinth ein willkommener Zuverdienst.

Neben dem Irrgarten ist ein Platz für Bauerngolf

Doch ein Selbstläufer ist es nicht. Jeden Sommer ist das Labyrinth auf einem anderen Feld – wegen der Fruchtfolge. Jedes Jahr denkt sich die Familie ein neues Wegenetz aus. „Zuerst säen wir das Feld mit Längs- und Querreihen ein. Dann bringen wir alles zu Papier und jeder in der Familie darf sich mal hinsetzen.“ Die Gänge entstehen dann mit der Motorsense – und Hirnschmalz, denn auch die Macher dürfen die Orientierung nicht verlieren. Reihe für Reihe zählen sie beim Mähen ab, um am Ende das geplante Muster zu erzeugen. Wenn sich am Ende ein paar wenige Leute beklagten, das Labyrinth sei zu anspruchsvoll gewesen, sei der Schwierigkeitsgrad genau richtig, sagt Günther Kolb. Ein bisschen Herausforderung müsse schon sein.

Seit einigen Jahren gibt es gegenüber dem Labyrinth auch einen Platz für „Bauerngolf“ – man kann es sich als eine Offroad-Variante des Sports mit größeren Bällen und Löchern vorstellen.

Wer während des schweißtreibenden Sports oder auf dem Irrweg Durst bekommt und Schatten oder eine Beratungspause braucht, muss nicht lange suchen. In dem Pavillon, den die Kolbs aufgestellt haben, finden sich Bierbänke und – gegen einen fairen Preis ins Selbstbedienungskässle – kühle Erfrischungen.

Ach ja: Wer nur ein wenig Abenteurer-Ehre in sich trägt, unterlässt es im Labyrinth natürlich,sich per Smartphone Satellitenaufnahmen zu besorgen. Die Mogelei wäre übrigens auch sinnlos: Zumindest derzeit zeigt Google Maps nämlich eine Aufnahme aus dem Frühjahr. Ganz ohne Mais.

Das sollten Besucher des Maislabyrinths beachten:

Maislabyrinth Der Hof der Familie Kolb mit Labyrinth und Bauerngolf befindet sich im Bonholz 5, Alfdorf. Der Eintritt ins Labyrinth kostet für Erwachsene drei, für Kinder zwei Euro. Die gleichen Preise gelten auch für das Ausleihen der Ausrüstung für das Bauerngolf. Ist die Wetterlage unklar, sollten Besucher sich vorher unter der Telefonnummer 0 71 72/35 04 erkundigen, ob das Labyrinth geöffnet hat. Der Mais bleibt noch bis Ende September stehen – im kommenden Jahr öffnet das Labyrinth dann mit dem Beginn der Sommerferien wieder.

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