Markus Söder hat bei der Jungen Union seinen Machtanspruch klar gemacht. Foto: dpa

Markus Söder führt jetzt die Regie in der CSU. Der Aufstand der Jungen Union war ein weiterer Baustein auf dem Weg zur Machtübernahme.

München - Horst Seehofer ist desertiert, auch Parteigeneralsekretär Andreas Scheuer hat in letzter Minute lieber abgesagt. Bei der Landesversammlung der Jungen Union in Bayern hatte damit also Markus Söder freie Bahn, und was er am Sonntag dort mit seiner programmatischen Rede inszeniert hat, das war eine Machtübernahme nach allen Regeln der Kunst: In der CSU ist Söder nun der starke Mann. Seehofer mag die Jamaikaverhandlungen in Berlin ruhig weiterführen; die Regie daheim aber, die führt jetzt ein anderer.

Wenn Söder darüber reden will, „was die beste Formation für die Landtagswahl 2018“ sei, und wenn er das einen Tag nach der ausdrücklichen JU-Forderung sagt, Seehofer solle den Weg für eine Erneuerung der Partei frei machen – dann macht er deutlich, wer diese Gespräche organisieren wird. Und wenn ihn die (meisten) Delegierten frenetisch bejubeln, steht schon sechs Wochen vor dem offiziellen Parteitag fest, wen die CSU-Jugend als Erneuerer sieht.

In Berlin empört sich Seehofer völlig zu Recht: Es ist unfair und widersinnig, von einem Chefverhandler stärkstmögliche Interessenvertretung zu erwarten und ihm gleichzeitig den Stuhl daheim wegzuziehen. Andererseits: Wenn einer vor lauter Selbstverliebtheit und Taktiererei die Chance auf einen anständigen Machtübergang verspielt hat, ist er selbst es.

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