Sitzt nicht mehr auf der VfB-Trainerbank: Jos Luhukay. Foto: dpa

Für Trainer Jos Luhukay und den VfB Stuttgart gilt womöglich: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende, kommentiert Dirk Preiß.

Stuttgart - Der Wagen mit dem Initialen des bisherigen Trainers auf dem Nummernschild stand am Donnerstagmittag noch auf dem Parkplatz des VfB-Geländes an der Stuttgarter Mercedesstraße. Derjenige, der ihn und die Mannschaft des VfB Stuttgart in den vergangenen Wochen gelenkt hat, war zu diesem Zeitpunkt allerdings schon längst nicht mehr da. Denn da war schon klar: Jos Luhukay geht als weiteres großes Missverständnis in die Geschichte des einst so ruhmreichen Clubs vom Cannstatter Wasen ein.

Der Niederländer sollte den VfB als Aufstiegsexperte zurück in die Bundesliga führen. Für die Verpflichtung erntete der Notvorstand kurz nach dem Abstieg viel Lob – doch schon wenig später stolperten alle Beteiligten an der besonderen Arithmetik der Nach-Abstiegsphase.

Statt die Positionen von oben herab zu besetzen, war der Verein gezwungen umgekehrt vorzugehen. So bekam der Coach zunächst alle Macht, auch was die Zusammenstellung der Mannschaft anging. Durch die Verpflichtung des Sportvorstands Jan Schindelmeiser wurde sie jäh beschnitten, als dann der Zoff um die Spielertransfers eskalierte, fehlte ein noch nicht neu gewählter Präsident, um den störrisch gewordenen Trainer frühzeitig in die Schranken zu weisen und den Konflikt zu moderieren. Dass Luhukay diese Art der Reaktion nicht fremd ist, hätten die Verantwortlichen aber auch wissen können. Eine Nachfrage in Berlin hätte womöglich gereicht.

So steht der Club nach vier Spieltagen der neuen Saison mal wieder ohne Cheftrainer da, kann die verheerende öffentliche Wahrnehmung weiter nicht nachhaltig korrigieren, und die Mission Wiederaufstieg ist vom angedachten Weg erst einmal weit abgekommen. Andererseits: Der Zoff zwischen Schindelmeiser und Luhukay hätte trotz (und wegen) des jüngsten Machtworts des Aufsichtsrats pro Sportvorstand weiter geschwelt – mit ungewissem Ausgang. Und so gilt womöglich das Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken, als Schrecken ohne Ende. Schlimm nur, dass es überhaupt wieder so weit kommen musste.

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