Auch wenn keine Besucher kommen, die Pflanzen im Blühenden Barock brauchen Wasser. Foto: factum/Simon Granville

Wegen der Corona-Krise ist das Blühende Barock geschlossen. Gastronomen und Ausstellungsmacher leiden in Ludwigsburg schon jetzt, spätestens im Mai wird für alle das Geld knapp.

Ludwigsburg - Frühlingstage mit strahlendem Sonnenschein und mehr als 400 000 blühende Blumen rund um das Schloss, aber niemand ist da, der die Gartenkunst bewundert. Das Ludwigsburger Blühende Barock ist wegen der Coronakrise geschlossen, die Szenerie könnte kaum absurder sein. „So etwas gab es noch nie“, sagt der Blüba-Geschäftsführer Volker Kugel, „da ist einem schon zum Heulen zumute.“ Zu dieser Misere kommen jetzt noch die ersten Klagen von Saisonkartenbesitzern, die ihr Geld zurückhaben wollen. Die Parkverwaltung steht vor völlig neuen Herausforderungen.

Der Blick in das Blühende Barock im Frühjahr 2020 wäre noch unwirklicher, wären nicht wenigstens einige der insgesamt 30 im Blüba angestellten Gärtner am Werk. „Wir pflegen den Park zurzeit sozusagen für uns als Privatgarten“, sagt Kugel. „Wir wollen für den Tag X gerüstet sein.“ Den Tag also, an dem das Blühende Barock vielleicht doch endlich öffnen darf. „Das Unkraut wächst immer. Unsere Gärtner sind auch jetzt beschäftigt, mit Rasenmähen, Düngen oder Blumen anpflanzen.“

Osterausstellung wird lange vor Ostern wieder abgebaut

Anders als die insgesamt 25 Beschäftigten, die an den Kassen sitzen, die Tore kontrollieren oder die Aufsicht im Märchengarten haben – sie wurden in die Kurzarbeit oder ganz nach Hause geschickt. Dazu kommen Partner wie der Betreiber des Kleinbähnchens im Märchengarten, die Organisatoren der über das Jahr verteilten Sonderausstellungen sowie die vier Gastronomiebetriebe. „Bei denen ist jetzt kompletter Stillstand“, sagt der Blübachef, „ich hoffe, dass die durchhalten, bis wir wieder öffnen können.“

Die erste Ausstellung des Jahres – das Frühlingserwachen mit diversen Hütten, Verkaufsständen, Strohinstallationen und Ostereieralleen – ist eine Schau, die niemand gesehen hat. Sie wird schon zwei Wochen vor Ostern wieder abgebaut. „Die Ausstellung wäre ohnehin nur bis zum Ende der Ferien da gewesen, und bis dahin werden sicher keine Besucher zu uns kommen dürfen“, sagt Kugel. Auch die Barocken Gartentage, die vom 30. April bis zum 3. Mai im Südgarten gastieren sollten, sind bereits abgesagt.

Offen ist momentan noch, ob das Internationale Straßenmusikfestival an Pfingsten (29. bis 31. Mai) stattfinden kann. Darüber müsse wohl spätestens Ende dieser Woche entschieden werden, meint Kugel. „Bis dahin dauert der Shutdown zwei Wochen und wir können vielleicht sehen, ob er etwas bringt oder nicht.“ Noch träume er von einer Parköffnung Mitte Mai, verrät der Blübachef. „Aber das ist natürlich nur so eine persönliche Hoffnung.“ Vielleicht könnten die strengen Auflagen bis dahin etwas gelockert werden, sodass wenigstens eine begrenzte Anzahl von Parkbesuchern gestattet wäre.

„Wir haben niemand getäuscht“

Auch wenn die Visite erst für den Sommer terminiert war, der Circus Roncalli wird definitiv nicht im August seine Manege im Blüba aufbauen. „Das Gastspiel wird verschoben“, sagt Kugel. Ob auf den Herbst oder auf das kommende Jahr, liege ganz im Ermessen von Roncalli.

Der Zirkus wurde von der Krise just in der Woche erwischt, als in Recklinghausen die Premiere des neuen Programms sein sollte. „Roncalli hatte dort schon Zehntausende Karten verkauft, die müssen als erstes ihr Gastspiel in Recklinghausen nachholen, wenn es wieder geht“, sagt Kugel. Für die Auftritte in Ludwigsburg seien dagegen bis Anfang März kaum Karten verkauft worden.

In den Wochen vor dem geplatzten Saisonbeginn am 20. März hatte das Blühende Barock insgesamt 20 000 Dauerkarten verkaufen können. „Jetzt haben sich die ersten Leute gemeldet, die ihr Geld zurück haben wollen“, so Kugel. „Die sagen, wir hätten sie getäuscht. Aber wir haben niemand getäuscht, das war ja nicht vorherzusehen.“ Anders als etwa die Stuttgarter Wilhelma könne das Blühende Barock solche Probleme nicht ins nächste Jahr verschieben. „Wir haben nur die Sommersaison“, sagt Kugel.

Von Mai an wird das Geld knapp

Zum Glück seien bisher nur etwa 20 solcher Beschwerden eingegangen. Die Verwaltung hole sich jetzt den Rat von Juristen. „Es wird eine faire Lösung geben“, verspricht der Geschäftsführer, der zugleich aber hofft, dass die Mehrheit der Dauerkartenbesitzer dem Blüba zuliebe keine volle Rückerstattung fordert.

Zum einen sei nicht die ganze Saison abgesagt – vielleicht kann sie über das bisherige Abschlussdatum 1. November hinaus verlängert werden – zum anderen sei die Gartenschau auf das Geld angewiesen: Damit und mit dem regulären Zuschuss von Stadt und Land über jeweils 200 000 Euro könne das Blüba bis Mai überleben. Danach aber müssten Einnahmen generiert oder Kredite aufgenommen werden.

„Das ist eine bedrückende Situation“, sagt Volker Kugel, „aber man darf darüber nicht vergessen, dass es viele Menschen gibt, denen es wegen der Coronakrise schon jetzt sehr viel schlechter geht.“

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