Lang und emissionsfrei: in anderen Ländern sind Schnellbusse weit verbreitet, in Deutschland noch nicht. Foto: Tim Höhn

Sie sind lang und sie sind schnell – zumindest, wenn sie auf eigenen Fahrspuren unterwegs sind. Als Alternative zum Bau einer Stadtbahn hat Ludwigsburg das Schnellbussystem aus dem Hut gezaubert. Viele Stadträte sehen den Vorstoß kritisch, und die Nachbarkommunen ebenfalls.

Ludwigsburg - Das Wort Bus vermeidet Werner Spec, der Ludwigsburger Oberbürgermeister redet lieber von der „schienenlosen Stadtbahn“. Dem Eindruck, seine Stadt favorisiere bei der Lösung der Verkehrsprobleme im Landkreis nur mehr ein leicht aufgehübschtes Bussystem, will der Rathauschef unbedingt entgegentreten. Und damit dem mächtigsten Argument seiner Kritiker: Busse können kein Ersatz sein für die geplante Stadtbahn zwischen Remseck und Markgröningen, sondern allenfalls eine Ergänzung. So sehen es viele, Spec sieht es anders. Weshalb er unlängst das BRT-System (Bus Rapid Transit) aus dem Hut gezaubert hat.

Letztlich handelt es sich dabei um Busse mit großer Kapazität, die, wo es möglich ist, auf eigenen Fahrspuren unterwegs sind. In der Variante, die Ludwigsburg ins Auge fasst, werden sie elektrisch und damit emissionsfrei betrieben. Am Donnerstag präsentierte ein Verkehrsexperte im Bauausschuss eine von der Stadt in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie. Der Mann betonte, er sei neutral, wolle die Stadträte weder zum Bus drängen noch von der Stadtbahn abbringen. Um dann mit einiger Vehemenz eben doch nur für eine Lösung zu werben: Busse. Denn die seien wesentlich flexibler, stadtverträglicher, garantierten mehr Direktverbindungen und seien vom Nutzen und der Reisezeit vergleichbar mit einer Stadtbahn.

Die Investitionskosten für das Bussystem wären deutlich niedriger

Vor allem aber sind Busse günstiger. Die Investitionskosten werden in dem Gutachten auf rund 25 Millionen Euro geschätzt, wohingegen für die Stadtbahn mindestens 150 Millionen fällig würden. Etwas einseitig sei das Gutachten, klagte nach dem Vortrag nicht nur Elfriede Steinwand von den Grünen. Tatsächlich musste man sich am Donnerstag fragen, wie jemals eine Stadt auf die Idee kommen konnte, eine Stadtbahn zu bauen. Und wieso Schnellbusse in Frankreich zwar weit verbreitet sind, aber bislang keine einzige deutsche Kommune das System eingeführt hat. Ist Frankreich progressiver?

Vielleicht, aber die Schnellbusse haben eben auch Nachteile. Schnell werden sie nur auf eigens für sie reservierten Fahrspuren. Die wären im engen Ludwigsburger Stadtgebiet aber ähnlich schwer zu realisieren wie eine Stadtbahntrasse. Sollen die Busse beispielsweise durch die lange Hindenburgstraße in die City geleitet werden, müsste eine Baumallee abgeholzt werden. Zudem sind der Fahrkomfort und die Kapazität der Busse geringer als bei der Bahn.

Die Stadträte jedenfalls reagierten eher skeptisch auf das Gutachten – ebenso wie die Bürgermeister der Nachbarkommunen, denen das Papier bereits am Donnerstagvormittag vorgestellt worden war. Am Fazit des Verkehrsexperten änderte dies nichts: „BRT ist eine echte Alternative für Ludwigsburg und die Nachbargemeinden.“

Bei einer Infoveranstaltung am Mittwoch, 12. Oktober, berichten die Stadt und das Landratsamt Ludwigsburg über den Stand der Planungen. Oberbürgermeister Werner Spec, Landrat Rainer Haas sowie Vertreter von Planungsbüros und der SSB werden die bisherigen Untersuchungen vorstellen.

Das Rathaus versichert, dass an dem Abend alle Varianten – Hochflur, Niederflur, Schnellbusse – gleichrangig behandelt werden. Auch die Meinung der Bürger soll angehört werden. Die Veranstaltung im Medienzentrum an der Königsallee 43 beginnt um 19 Uhr. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: