Blickpunkt auf dem Weihnachtsmarkt: Esther Weeber, Besitzerin des Eis-Bistros Pinguin am Eugens­platz, mit einem Kunststoffmops des Künstlers Ottmar Hörl. Foto: Leif Piechowski

Über was redet die Stadt Stuttgart? Die Haushaltsberatungen? Stuttgart 21? Weihnachten? Das Wetter? Nichts da. Thema Nummer eins ist der verschwundene Mops vom Eugensplatz. Was sagen Sie dazu?

Über was redet die Stadt Stuttgart? Die Haushaltsberatungen? Stuttgart 21? Weihnachten? Das Wetter? Nichts da. Thema Nummer eins ist der verschwundene Mops vom Eugensplatz.

Stuttgart - Kaum zu glauben, was eine Steinfigur, 27 Zentimeter groß, 38,95 Euro teuer, auslösen kann – wenn sie vorübergehend an der richtigen Stelle steht . . .

Bekanntlich hatten Mitarbeiter des Blogs Kessel TV ein Späßle gemacht, indem sie einen Steinmops mit Goldfarbe besprühten und nächstens auf die bis dahin mopsfreie neue Säule am Eugensplatz setzten, welche dem 2011 verstorbenen großen Humoristen Loriot gewidmet ist. In einem Video hielten sie die Humorattacke fest. Faktisch stellten sie damit einen Zustand her, den viele Passant für natürlich hielten. Denn wie sagte der Mops-Liebhaber Loriot selbst: „Ein Leben ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

Als der Mops wenige Tage später verschwunden war, dachten Anwohner deshalb auch an einen dreisten Diebstahl. Ein Irrtum, denn etwas, das eigentlich nicht da ist, kann nicht gestohlen werden, weshalb der Fall jetzt weniger die Polizei beschäftigt als große Teile der Stadtgesellschaft – bis hinauf zum Oberbürgermeister. Via Facebook fragte Fritz Kuhn seine Bürger: „Wurde der gemopste Mops gesichtet?“

Und ob! Besser gesagt, etwas, das ganz ähnlich aussieht. Tatsächlich tauchen derzeit an mehreren Stellen in der Stadt goldene Möpse auf. Sie stammen aus der Werkstatt des Nürnberger Künstlers Ottmar Hörl, der die Kunststofftiere seit 2008 in Serie herstellen lässt – für 100 Euro das Stück. Ein Leser hatte vermutet, bei dem Mops am Eugens­platz habe es sich um einen solchen Hörl-Mops gehandelt – sehr zur Freude übrigens der Galeristin Dagmar K. Schill, die die Nürnberger Möpse in Stuttgart vertreibt. Den Eingang zu ihrer Galerie schmückt neuerdings ein Ansichtsexemplar (Achtung: mopsen zwecklos, das Ding ist festgeklebt). Ein weiterer Mops sitzt rund 200 Meter davon entfernt im Schokoladenstand von Esther Weeber auf dem Weihnachtsmarkt. Die Leute bleiben stehen, tuscheln: „Das ist doch . . .?“ „Verraten Sie mich nicht“, sagt die fröhliche Standbesitzerin, um sogleich klarzustellen, dass nicht sie es war, die den Mops gemopst habe, über den am Mittwoch die „Landesschau“ und am Donnerstag überregionale Medien wie n-tv und „Focus“ berichteten. Nein, auch dieser Mops stammt aus der Galerie.

„Eine Loriot- Säule ohne Mops ist möglich, aber sinnlos“

Im Hauptberuf ist Weeber Besitzerin des Eis-Bistros Pinguin am Eugensplatz. Und damit eine direkt Betroffene. Für die Geschäftsfrau ist klar: „Der Eugensplatz wird nie wieder mopslos sein.“ Im Sommer soll der Gold-Mops aus dem Schokoladenstand ihr Gartenlokal zieren. Gedanklich bereitet Weeber bereits ein „Mops-Eis“ vor, das „nicht nach Hund schmecken soll“, sondern aus Maracuja, Orangen, Papaya und Sahne bestehen könnte.

Damit nicht genug: Für einen neuen Mops auf dem verwaisten Denkmal ist die Pinguin-Chefin bereit, 1000 Euro zu spenden. Sie steht auf dem Standpunkt: „Eine Loriot- Säule ohne Mops ist möglich, aber sinnlos.“

Die Pinguin-Spende ist übrigens nicht die erste. Den Anfang machte die Stadt Winnenden, die auf eine lange Mops-Geschichte zurückblickt und ein eigenes Mops-Denkmal besitzt. 300 Euro wollen die dortigen Mops-Freunde zuschießen. Und auch die Werbeagentur Panama am Eugensplatz ist bereit, in einen neuen Mops zu investieren. Die Summe? „Mindestens so viel wie Pinguin“, sagt Agenturchef Werner Bärtle.

Und was meint der Schöpfer der Säule, Bildhauer Uli Gsell, zu alledem? „Unglaub­lich“, sagt er, „was sich aus dieser Geschichte entwickelt hat.“ Wenn auch die Stifter der Säule, das Ehepaar Merz, ihr Okay geben, werde er sich dem Wunsch nach einem Mops nicht verschließen. Er müsste allerdings aus Bronze sein und etwas größer als das verschwundene Stein-Möpslein. Die Kosten: um die 6000 Euro. 3700 fehlen noch.

Soll auf der Loriot-Säule am Eugensplatz wieder ein Mops platziert werden? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar.

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