Loreena McKennitt ist eine exzellente Musikerin – und hat viel zu erzählen, Foto: Veranstalter

Loreena McKennitt bezaubert in der Liederhalle mit keltisch-orientalischen Klanglandschaften. Die kanadische Harfenistin macht mehr als neugierig auf die Wurzeln ihrer Musik.

Stuttgart - Als Harfenistin ist Loreena McKennitt eine Koryphäe. Wenn sie zu ihrer großen Konzertharfe greift, kann man die Töne förmlich von den Saiten perlen sehen. Und auch als famose Sängerin zeigt sie sich am Dienstagabend in der Liederhalle, wechselt beweglich zwischen Mezzosopran und Sopran, etwas wohldosiertes Vibrato inklusive. Außerdem ist die Kanadierin mit schottisch-irischen Wurzeln eine exzellente Kennerin der keltischen Kultur. Von ihren Reisen auf den Spuren der Kelten, die sie von Spanien über den Balkan bis in die Mongolei und nach China geführt haben, berichtet sie im ausverkauften Beethovensaal. Und wer einmal ein Konzert mit ihr erlebt hat, wird die Frage nach der Heimat der Kelten garantiert nie mehr mit „in Europa links oben“ beantworten.

Mehr als nur bloße Ansagen zu ihren Liedern sind diese Intermezzi, sondern kleine Referate, die weit ins Kulturphilosophische hineinreichen und viel vom Wesen dieser klugen und sensitiven Musikerin erzählen. Vor allem aber ist Loreena McKennitt eine großartige Arrangeurin, die mit mal verwunschenen, mal stupend rhythmischen Kompositionen und farbenprächtigen Melodien betört.

Intensiver als auf CD

Intensiver noch als auf ihren Studioproduktionen kommen diese Qualitäten zur Geltung, wenn ihr ein so vorzügliches Quintett wie in der Liederhalle zur Seite steht: mit vielseitig und doch zurückgenommen trommelndem Schlagzeuger (Robert Brian), einem akzentuiert begleitenden E- und Kontrabassisten (Dudley Phillips), einem verführerisch wie der Rattenfänger von Hameln aufspielenden Violinisten (Hugh Marsh), einem an Bouzouki, Oud und Gitarren souveränen Saitenmann (Brian Hughes) und einer wunderbaren Cellistin, Flötistin und Gesangspartnerin wie Caroline Lavelle, mit der sich McKennitt überdies das Bandoneonspiel teilt.

Nach einem gut zweieinhalbstündigen Programm, das von einer dreißigminütigen Pause in einen eher orientalischen und einen eher keltischen Part geteilt wird: stehende Ovationen eines aufmerksamen und erfreulich mitklatschresistenten Publikums für einen Abend, dem man einzig noch einen etwas höheren Anteil von Brian Hughes’ bis in Prog-Rock-Gefilde hineinreichender E-Gitarre gewünscht hätte.

  
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