Von stattlichen 203 Kandidaten haben es jetzt 20 Titel auf die Longlist zum Deutschen Buchpreis geschafft. Foto: dpa

„Um die Zukunft des Lesens und des Schreibens muss uns nicht bange sein“, jubelt die Jury des Deutschen Buchpreises. Sie hat viele junge Talente entdeckt und deren Debütromane auf die Longlist gehievt.

Frankfurt/Main - Reihenweise haben es erste Werke junger Autoren in die Vorauswahl für den Deutschen Buchpreis 2019 geschafft. Auf der Longlist, die 20 Titel umfasst, stehen aber auch bekannte Namen wie Saša Stanišić, Ulrich Woelk oder Marlene Streeruwitz. „Um die Zukunft des Lesens und des Schreibens muss uns da nicht bange sein“, sagte der Sprecher der siebenköpfigen Jury, Literaturkritiker Jörg Magenau, am Dienstag in Frankfurt. „Besonders erfreulich“ findet die Jury, „dass es so viele gelungene Debüts zu entdecken gab“.

Wie so oft kommen auch in diesem Jahr viele starke Bücher aus Österreich. Raphaela Edelbauer etwa erzählt in „Das flüssige Land“ vom Dorf Groß-Einland, unter dem ein riesiger Hohlraum liegt, über den zwar niemand spricht, der aber die Gesellschaft in die Tiefe zu reißen droht. Auch Angela Lehner zählt zu den neuen, jungen, österreichischen Autoren. Hauptperson im Psychiatrie-Roman „Vater unser“ ist laut Verlag „eine Geistesgestörte, wie es sie noch nicht gegeben hat: hochkomisch, besserwisserisch und zutiefst manipulativ“.

Oft Frauen im Mittelpunkt

Ein weiteres Debüt aus dem Nachbarland kommt von Tonio Schachinger. „Nicht wie ihr“ beschreibt den arroganten Fußballprofi Ivo „mit Wiener Milieusprache und herrlichen Fußballmetaphern“, so der Verlag Kremayr & Scheriau über das im September erscheinende Buch. Auch „Gelenke des Lichts“ von Emanuel Maeß ist ein Erstlingswerk, ein Bildungs- und Schelmenroman aus der DDR.

Im Mittelpunkt vieler nominierter Bücher stehen Frauen. Karen Köhlers „Miroloi“ spielt auf einer abgeschotteten Insel, auf der Männer das Sagen und Frauen keinerlei Rechte haben - bis sich ein weibliches Findelkind gegen das Patriarchat auflehnt. In Nora Bossongs „Schutzzone“ vermittelt eine UN-Mitarbeiterin in einem Luxushotel zwischen verfeindeten Staaten. Andrea Grill erzählt in „Cherubino“ von einer Sängerin, die ihre Schwangerschaft verschweigt. Einer der bekanntesten Namen auf der Liste ist Saša Stanišić. „Herkunft“ hat bereits die Bestsellerlisten erobert.

Paranoia und Fantasie

Die Longlist spiegle „die stoffliche Vielfalt und den stilistischen Reichtum“ der deutschsprachigen Neuerscheinungen wider, sagt Jury-Sprecher Magenau: „Gesellschaftsanalyse und Geschichtsforschung, Paranoia und Fantasie, Wunsch und Welterkundung von Kalifornien über die deutsche Provinz bis in den Kaukasus haben darin Platz.“ Geschichte und Welterkundung: Bei Alexander Osang ist das Russland zu Zeiten der Revolution („Die Leben der Elena Silber“), bei Katerina Poladjan Armenien um 1900 („Hier sind Löwen“). Zwei Bücher greifen genau 50 Jahre zurück, ins Jahr 1969: Ulrich Woelks „Der Sommer meiner Mutter“ und „Wo wir waren“ von Norbert Zähringer.

203 Titel hatte die Jury gesichtet, erschienen sind sie zwischen Oktober 2018 und dem 17. September 2019. Dann nämlich wird die unter diesem Link komplett zu findende Liste auf sechs Titel, die Shortlist, verkürzt. Der Sieger steht am Vorabend der Frankfurter Buchmesse (14. Oktober) fest. Er erhält 25 000 Euro, die übrigen Autoren der Shortlist jeweils 2500 Euro.

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