Auf dem Parkplatz 0 beim Stuttgarter Flughafen wird die Bühne für den Livesommer 2020 aufgebaut. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Das Virus stoppt viel, nicht aber die Kreativität von Veranstaltern. Der Festivalsommer wird immer bunter. Am Donnerstag geht’s im Römerkastell mit Kino los, am Samstag am Flughafen mit dem ausverkauften Michael Patrick Kelly.

Stuttgart - Beim Kastellsommer in Bad Cannstatt sind genau 99 Sitzplätze erlaubt, ob es sich um Klappstühle oder Liegen handelt. Anette Heiter, Mitglied des Stuttgarter Juristenkabaretts und Sängerin bei Honey Pie, freut sich: „Wundervoll, wenn 99 Gäste kommen – aber bitte jede und jeder mit einem Luftballon.“

Der Vorplatz der Phoenixhalle im Römerkastell wird zur autofreien Zone. Dort startet am Donnerstag eine Open-Air-Reihe der Phoenixhalle und der Innenstadtkinos mit dem oscarprämierten Filmmusical „La La Land“. Das Publikum sitzt – nach allen Regeln der Abstandskunst – im Freien, nicht wie in Autokinos hinter Blech zu zweit oder zu viert.

Der Auftakt mit Michael Patrick Kelly ist ausverkauft

Das La La Land ist der Spitzname für das sonnige Los Angeles, für die Stadt der Träume. Nicht nur das La La Land, sondern alle Länder der Erde haben sich in der Pandemie grundlegend verändert. Beim Träumen sollten die Menschen nicht nachlassen, will der Kastellsommer mit Kino, Oper und Konzerten sagen. Auch auf dem Wasen und beim Flughafen stehen Bühnen und LED-Wände. Die Nachfrage zeigt: Die Sehnsucht nach Live-Entertainment ist groß. Am Samstag startet der Livesommer 2020 auf dem Parkplatz 0 beim Flughafen mit einem ausverkauften Konzert von Michael Patrick Kelly. Pro Abend sind 650 Autos zugelassen – mit jeweils bis zu vier Personen aus zwei Haushalten.

„So viele fröhliche Menschen habe ich schon lange nicht mehr gesehen wie beim Aufbau und bei den Vorbereitungen“, berichtet Paul Woog von der Südwestdeutschen Konzertdirektion Russ, die mit dem Musiccircus den Livesommer auf dem am weitesten vom Flughafen entfernten und verkehrsgünstig gelegenen Parkplatz 0 veranstaltet. Die Freude bei dem gesamten Team, den Dienstleistern, den Ordnern und auch Künstlern sei groß, dass es endlich Arbeit gibt.

Veranstalter hoffen auf ein gutes Weihnachtsgeschäft

Ob sich das Engagement finanziell lohnt, ist unklar. „Wir wollen motivieren und Hoffnung geben, dass die Kultur in diesem schwierigen Jahr eine Chance hat“, sagt Woog. Ein Ersatz für den normalen Festivalsommer seien die Autokonzerte nicht. Geld verdienen, so hoffen die Veranstalter, werden sie vor Weihnachten, wenn Karten für Konzerte verschenkt werden, die im nächsten Jahr nachgeholt werden. „So dicht gedrängt wie 2021 waren die Auftritte noch nie“, weiß der Russ-Mitarbeiter.

Joris, der am 1. Juli beim Flughafen singt, mag das Drive-in-Format. „Er hat uns begeistert von seinen Erfahrungen bei Autokonzerten erzählt“, sagt Woog. Auch vom Kulturwasen, etwa von Tim Bendzko, berichten die Fans, dass diese Art von Entertainment besser sei als gedacht. „Es ist schön, wenn sich das herumspricht“, findet der Pop-Chef von Russ. Problematisch sei aber, dass man ohne großen Vorlauf Karten für Konzerte verkaufen müsse, die kurzfristig vereinbart worden sind.

Antenne 1 präsentiert den Livesommer 2020

Das Festival wird präsentiert vom Stuttgarter Privatsender Hitradio Antenne 1. Kinofilme werden auf den Fildern nicht gezeigt. Bei den Konzerten wird es eine Vielfalt aus Rock, Pop, Comedy, Hip-Hop, Electro und Poetry-Slam geben. Zu den Höhepunkten und Verkaufsbringern zählen: Robin Schulz (19. Juni), Voxxclub (26. Juni), Völkerball – A Tribute to Rammstein (2. Juli) und J.B.O. (3. Juli). 100 Quadratmeter groß ist die LED-Wand am Flughafen. Nur für den Toilettengang darf man mit der Maske das Auto verlassen, die im Abstand von anderthalb Metern platziert werden und einen Vorteil garantiert haben: Bei Regen und schlechtem Wetter bieten sie den Besuchern gleichzeitig einen Platz im Trockenen.

Wie beim Livesommer am Flughafen ist auch beim Kastellsommer in Bad Cannstatt das Programm noch nicht fix. Da wie dort sollen weitere Termine hinzukommen. Im Römerkastell bereiten die Veranstalter neben Auftritten der Staatsoper mit der Rosenau und dem Renitenz-Theater Konzerte vor. „Kaum, dass es sich herumgesprochen hat, was wir unter freiem Himmel planen, haben sich bei uns etliche Künstlerinnen und Künstler gemeldet, die hier auftreten wollen“, berichtet Projektleiter Fabian Eppinger von der Phoenixhalle. 99 Gäste dürfen sich auf Kultur freuen – gern auch mit Luftballon.

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