Die SWSG möchte ihren Mietern Ersatzwohnungen aus dem eigenen Bestand anbieten. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

Aufgrund des Allianz-Neubaus sollen die Häuser an der Liebknechtstraße in Stuttgart-Vaihingen abgerissen werden. Die Bewohner haben sich zu einer Mieterinitiative zusammengeschlossen und wollen gegen den Abriss und ihre geplante Umsiedlung vorgehen.

Vaihingen - Die Bewohner der Häuser an der Liebknechtstraße 39 bis 45 haben sich zu einer Mieterinitiative zusammengeschlossen. Sie kämpfen dagegen, dass ihre Wohnhäuser abgerissen werden und die Mieter umziehen sollen. Denn die Häuser, die der Stuttgarter Wohnungs- und Städtebaugesellschaft (SWSG) gehören, sollen zugunsten des Allianz-Neubaus weichen. „Es gibt im Gewerbegebiet Vaihingen/Möhringen genügend freie Gewerbefläche. Deshalb sind wir dagegen, dass Wohnungen, ein Sportplatz, Grünflächen und eine wichtige Frischluftschneise zerstört werden!“, schreiben die Mieter in einer Stellungnahme.

„Schon Ende Mai 2018 sollen unsere Wohnungen leer stehend der Stadt Stuttgart übergeben werden, ausgezogen ist bisher mangels bezahlbarem, passendem Wohnraum noch keiner von uns Mietern“, heißt es in dem Schreiben. Mit der Umsiedlung werde zudem eine gut funktionierende Nachbarschaft auseinandergerissen „Wir sind über die Jahre zu einer Familie zusammengewachsen. Dass das geopfert werden soll, ist der Gipfel des Unzumutbaren“, zitiert das Schreiben einen der Bewohner, der seit 46 Jahren in einem der vom Abriss bedrohten Häuser lebt.

Mieter klagen, dass die neuen Wohnungen teurer sind

Die SWSG möchte ihre Mieter innerhalb des Bestands umsiedeln. Doch es seien bislang keine annehmbaren Alternativen angeboten worden: „Die SWSG hat ihr Versprechen, uns gleichwertigen Ersatzwohnraum zur Verfügung zu stellen, nicht eingehalten. Zwei Familien erhielten bisher gar kein Angebot, einige von uns wesentlich teurere Wohnungsangebote. Für eine Familie würde der Abriss eine besondere Härte bedeuten und ihre finanzielle Existenz bedrohen“, heißt es in dem Schreiben.

„Die SWSG hält ihr Versprechen, den neun Mietparteien in der Liebknechtstraße 39 bis 45 passenden Ersatzwohnraum anzubieten, und zwar frei vermietbaren wie öffentlich geförderten Wohnraum“, erklärt SWSG-Pressesprecher Peter Schwab in einer schriftlichen Stellungnahme. Acht Mietparteien habe die Gesellschaft insgesamt 27 Angebote unterbreitet. „Manche konnten bis zu fünf Wohnungen besichtigen, darunter waren Wohnungen mit einer Kaltmiete von 4,63 Euro pro Quadratmeter“, so Schwab. Eine Familie habe bislang kein Angebot erhalten, weil die SWSG angesichts des Platzbedarfs der Familie noch keine Wohnung habe bereitstellen können. Eine Mietpartei habe mittlerweile eine neue Wohnung. „Die SWSG baut weiterhin auf den guten Willen der Mieterinnen und Mieter“, ist dem Schreiben zu entnehmen.

Zudem biete die SWSG ihren Mietern ein „umfangreiches Servicepaket“. Dazu gehöre etwa die Abwicklung und Kostenübernahme des Umzugs. Beim Einzug in eine Neubauwohnung erhielten die Mieter außerdem einen dauerhaften Kaltmietenrabatt von monatlich einem Euro pro Quadratmeter. „Da sind Neubauwohnungen schnell mal zehn Prozent günstiger zu haben“, sagt Schwab.

SWSG bietet Mieten unter dem Mittelwert des Stuttgarter Mietspiegels

Der Abriss der Häuser an der Liebknechtstraße sei kein Einzelfall in Stuttgart, beklagen die Mieter. Auch in anderen Stadtbezirken „reißen Wohnungsgesellschaften die letzten noch bezahlbaren Wohnungen zugunsten von teuren Neubauten ab. So wird der Mangel an Wohnungen für Gering- und Normalverdiener, für Familien und Rentner weiter verschärft. Die SWSG und die Mehrheit im Gemeinderat betreibt diese Abriss/Neubaupolitik mit und ist somit mit verantwortlich für Wohnungsnot und Mietenexplosion“, schreibt die Mieterinitiative.

„Die SWSG schafft und erhält preiswerten Wohnraum. Das zeigt sich an der niedrigen Durchschnittsmiete von 7,21 Euro je Quadratmeter, also etwa 20 Prozent unter dem Mittelwert des Stuttgarter Mietspiegels“, erklärt Schwab. Außerdem schaffe sie mehr geförderten Wohnraum, bei Neubauprojekten sei regelmäßig die Hälfte der Wohnungen gefördert. „Das geht so weit, dass die SWSG Büroflächen in Wohnraum umwandelt“, sagt Schwab und nennt als Beispiel das ehemalige Bundeswasser- und Schifffahrtsamt an der Birkenwaldstraße am Fuß des Killesbergs, wo durch den Umbau 23 Sozialmietwohnungen zum Kaltmietenpreis von 7,50 Euro pro Quadratmeter entstehen. Im ehemaligen Bürgerhospital werden 150 Sozialwohnungen geschaffen. „Diese Beispiele machen deutlich: Die SWSG ist ein denkbar falscher Adressat für die wohnungspolitischen Forderungen der Mieterinitiative“, sagt Schwab.

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