Auf dem Lichterfest in Stuttgart zündeten Pyrotechniker auch in diesem Jahr wieder ein Feuerwerk im Höhenpark Killesberg. Foto: 7aktuell.de/Marc Gruber

Trotz durchwachsenen Wetters haben rund 25.000 Menschen das Lichterfest auf dem Höhenpark Killesberg in Stuttgart besucht. Während für einige das Feuerwerk der Höhepunkt war, würden andere gerne darauf verzichten.

Stuttgart - Rosa pulsierende Hasenohren, weiß-lila leuchtende Einhörner, blinkende Blumenkränze: Nicht nur im neu gestalteten Zauberwald waren allerlei Wesen mit zauberhaftem Kopfputz am Samstag im Höhenpark Killesberg in Stuttgart anzutreffen. Auch auf den Wiesen und Wegen, an den Gastronomieständen standen und saßen sie, glitzerten mit den tausenden Illuminationen um die Wette, die beim Volkswagen Lichterfest den Park zum 69. Mal in ein Meer aus Klängen, Licht und Schatten, Nebel und Farben verwandelte.

„Ich bin auch wegen der Geigen-, Licht- und Feuershow der Künstlerin Voice of Violin im Zauberwald gekommen“, so Miriam, auf deren Haupt unzählige kleine LED-Blüten glimmten. Ihr Freund Max indes beließ es bei zwei LED-Luftballons, die mit Einbruch der Dunkelheit begannen zu glühen. „Mich interessiert die Musik“, sagte er.

Während auf der Bühne der „Die Neue 107,7“ eher Alternative Rock und Partyhits zu hören waren, gehörten zum Line-up der „Das Ding“-Bühnen im Tal der Rosen eher Indie-Bands. Auf der Songwriter-Stage am Stangenwald traten Liedermacher wie Aljosha Konter und Toni Mogens auf. Auch kurz vor Mitternacht tanzten noch einige Besucher dazu – trotz des Regens. So manches Paar drehte sich unter dem Dach des Theaters in der Badewanne. „Wir haben vorher schon vor der Bühne am Lindenhain geschwoft“, so ein Anfang-Fünfziger. „DJs mit Elektro-Beats, da gehe ich voll drauf ab.“

Feinstaub als Folge

Vor dieser Bühne hatten sie den Höhepunkt des Lichterfestes verfolgt, der viele von weit her gelockt hatte: Pyrotechnik-Weltmeister Joachim Berner sorgte wieder mit seinem Technikerteam für eine Licht- und Lasershow und ein Musikfeuerwerk. Festbesucher Holger etwa kam mit seiner Familie eigens aus dem fränkischen Würzburg, um die Kamera in Richtung Killesbergturm auf Lasershow und Feuerwerk zu richten. Ohne Feuerwerk würde er nicht zum Lichterfest kommen, sagte Holger. Feinstaub, Umweltschutz und Kosten für derlei pyrotechnisches Spektakel hin oder her. „Lieber ein solches Feuerwerk einmal im Jahr von Profis als das Geknalle an Silvester.“

Auch Milena, auf Geschäftsreise in der Landeshauptstadt, freute sich auf die 2720 Feuerwerkskörper und 600 Spezialeffekte. „Ich komme aus Russland, in meinem Land lieben das die Menschen, obwohl ich den Klimaaspekt verstehe.“

Gemischte Gefühle hatten viele andere. Es sei ok, dass das Feuerwerk beim Seenachtsfest Konstanz wegen des Klimaschutzes zur Disposition stehe, da seien sich die Teenager Maria, Melina und Jasmin einig. Zwar würden sie Feuerwerke, kreativ mit Musik kombiniert, durchaus genießen. Aber man müsse an die Folgen wie Feinstaub denken. „Einmal im Jahr geht vielleicht, Silvester ist wahrscheinlich schlimmer“, so Schülerin Melina.

Veranstalter zeigen sich zufrieden

Bettina war mit ihrer Freundin Janina auf dem Fest, beide über 30. Bettina sagte, dass sie und ihre Freundin als Hundebesitzer eigentlich dagegen sein müssten. „Für Tiere ist es schlimm – und es produziert Müll, wir würden auch ohne Feuerwerk zum Lichterfest kommen.“

Das würde auch Raphael machen, ein Fan der Schüler- und Studentenbewegung Fridays for Future. Der Killesberg Park sei auch so einen Besuch wert, erklärte er. „Feste wie diese, auch solche Feuerwerke, sind toll. Aber es nervt, wenn die Leute ihren Müll liegen lassen.“

Da kann Einiges anfallen, wenn rund 25.000 Besucher kommen wie dieses Jahr. Im Jahr zuvor waren es noch 38.000 bei besserem Wetter. Dennoch zeigten sich die Veranstalter zufrieden. Der Regen verhielt sich denn auch „degenmäßig“, also brav, wie ein Besucher auf schwäbisch begeistert bemerkte.

Erst als die letzten Raketen des bombastischen, farbenreichen Musikfeuerwerks zischend in Gold und Silber wie eine ganze Armada an Sternschnuppen verglühten und der letzte Akkord des Rammstein-Hits „Ich will“ verstummte, setzte der Regen wieder ein. Das tat der Stimmung keinen Abbruch. „Jetzt noch einen Absacker am See“, sagt ein Student schmunzelnd, während er sich und seine Begleiter die Kapuzen ihrer Hoodies über den Kopf ziehen.

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