Auf dem Weg nach Tripolis? – ein Videobild von Milizen, die unter dem Befehl des libyschen Generals Chalifa Haftar stehen, der den Osten des Landes kontrolliert Foto: LNA War Information Division

Der Bürgerkrieg in Libyen schwelt vor sich hin – und kann doch jeden Moment eskalieren, kommentiert Rainer Pörtner.

Stuttgart - Meldungen aus Libyen tauchen nur noch selten in deutschen Nachrichtensendungen auf. Und wenn, dann handeln die Geschichten zumeist von verzweifelten Menschen, die aus dem nordafrikanischen Land über das Mittelmeer in Richtung Europa flüchten. Seit dem Sturz des Machthabers Muammar al-Gaddafi vor acht Jahren herrscht in Libyen politisches Chaos. Mal offen, mal verdeckt bekämpfen sich rivalisierende Stämme und Milizen. In Tripolis sitzt zwar eine von den Vereinten Nationen anerkannte Regierung, aber weite Teile des Landes werden von anderen Machthabern kontrolliert.

Viele fremde Mächte mischen mit

Die aktuellen Meldungen über Milizen, die an der Stadtgrenze von Tripolis operieren und von einer bevorstehenden Erstürmung der Hauptstadt schwadronieren, werfen jedoch ein Schlaglicht auf diesen von der Weltöffentlichkeit verdrängten Konflikt. Anscheinend versucht der starke Mann im Osten des Landes, General Chalifa Haftar, seine Ausgangsposition für ­Gespräche zu verbessern, die von den UN für Mitte April angesetzt sind – oder er will diese gleich ganz verhindern. Ein Spiel mit hohem Risiko: Aus militärischen Scharmützeln kann sich in kurzer Zeit ein großer Krieg entwickeln. Denn auch in Libyen, wie im Jemen und in Syrien, mischen viele ausländische Mächte mit – von Russen über Araber bis zu Amerikanern und Europäern.

  
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