Der Mai ist mit Bedacht gewählt. Die VHS-Leiterin Ute Schwendemann (links) und die Lyrikerin Tina Stroheker wollen auch an die Bücherverbrennung 1933 erinnern. Foto: privat

Beim Literarischen Mai steht die Heimat im Mittelpunkt von drei Lesungen, einer Führung und eines Vortrags.

Eislingen - Es ist ein Thema, das wahnsinnig präsent ist“, findet die Eislinger Lyrikerin Tina Stroheker. In seiner dritten Auflage befasst sich der Literarische Mai in Eislingen - organisiert von der Stadtbücherei, der Volkshochschule und der Initiatorin Tina Stroheker - unter dem Titel „Von Wunden erzählen können: Heimat?“ mit dem Verhältnis der Menschen zu dem Raum, zu dem sie eine persönliche Beziehung pflegen, der Identität, Charakter, Mentalität, Einstellungen und Weltauffassungen prägt. Insgesamt finden fünf öffentliche Veranstaltungen zwischen dem 8. und dem 27. Mai statt. Der Eintritt zu den Lesungen sowie zu dem Vortrag kostet acht Euro.

Geistesgeschichtliche Rückschau

Am Mittwoch, 8. Mai, lesen die Berliner Schauspielerin Cornelia Schönwald und der Göppinger Autor Gerd Kolter ab 19.30 Uhr in der Stadtbücherei am Schlossplatz unter dem Titel „Wieviel Heimat brauchen Sie?“ historische Texte vor. In einer geistesgeschichtlichen Rückschau wird dabei ein Blick auf die vergangenen Debatten geworfen und deutlich gemacht, dass die Diskussion über den Heimatbegriff keine moderne Erscheinung der vergangenen Jahre ist.

Dass die Heimat auch schwierig sein kann, wird mit der Lesung des Autors Kai Wieland am Donnerstag, 16. Mai, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Eislingen deutlich. Anders als es der Titel seines Debütromanes „Amerika“ vermuten lässt, spielt die Handlung in einem schwäbischen Ort mit dem Namen Rillingsbach. Dort kommen tief vergrabene Erinnerungen, unter anderem an die amerikanische Besatzungszeit, zurück an die Oberfläche. „Das Buch hat aber auch einen versöhnlichen Zug. Die Dorfgemeinschaft zerbricht nicht“, verrät Stroheker.

Kostenlose Führung über den Poetenweg

Eine kostenlose Führung über den Poetenweg am Samstag, 18. Mai, ab 15 Uhr (Treffpunkt ist der Friedhof Eislingen Süd, Eingang Bergstraße) bietet die Autorin Tina Stroheker dann selbst an.

Ein literarisches Überraschungsei ist der Vortrag des Literaturkritikers der Berliner Tageszeitung „taz“, Dirk Knipphals. Unter dem Titel „Wellen, die bis nach Manhattan reichen. Zuhause bei Thomas Mann, Uwe Johnson und David Bowie“ spricht der Essayist am Montag, 20. Mai, um 19.30 Uhr in der Stadhalle Eislingen. Näheres zum Inhalt des Vortrages ist bisher auch den Organisatorinnen des Literarischen Mais nicht bekannt. „Ich vertraue darauf, dass es interessant wird“, sagt Stroheker.

Den Abschluss der Veranstaltungsreihe macht die tunesische Lyrikerin Najet Adouani. „Zwischen mir und mir“ lautet der Titel des Abends am Montag, 27. Mai, um 19.30 Uhr in der Stadthalle Eislingen. Die arabische Autorin wurde im Zuge ihres Einsatzes für Meinungsfreiheit und Frauenrechte in Tunesien mit einem Publikationsverbot belegt. Im Jahr 2012 kam sie nach Deutschland und wurde Stipendiatin des Writers-in-Exile-Programms des P.E.N.-Zentrums. P.E.N. steht für Poets, Essayists, Novelists. Adouanis Gedichte setzen sich mit Trauer, Verlust und Gewalt auseinander. Im Jahr 2015 erschien ihr Buch „Meerwüste“, das auch deutsche Übersetzungen enthält.

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