Liederkranz und Stadtkapelle unterhalten dem Marktplatz 1500 Menschen. Foto: factum/Bach

Die Tradition der Altjahrabendfeier entsteht im Mittelalter nach Ausbruch der verheerenden Epidemie. Damals kommen die Bürger zusammen, um das Überleben zu feiern. In seiner Ansprache am Silvesterabend lobt der OB den Einsatz für das Krankenhaus.

Leonberg - Die Wahl zwischen Pest und Cholera, ein oft bemühtes Sprichwort in unserem Land. Die Pest – sie ist der Ursprung der aus dem Mittelalter stammenden Tradition der Altjahrabendfeiern in Leonberg. Eine Kerze in den Fenstern der Altstadt sollte das Zeichen dafür sein, in welchen Häusern Menschen die verheerende Epidemie überlebt hatten. Seitdem versammeln sich die Leonberger jedes Jahr am Silvesterabend, um gemeinsam das alte Jahr zu verabschieden.

Dagegen stand in diesem Jahr mit dem Ebola-Virus, das in einigen Ländern Westafrikas ausgebrochen ist, eine ganz andere tödliche Krankheit im internationalen Blickpunkt. Auch an diese erinnerte der Leonberger Oberbürgermeister Bernhard Schuler bei seiner Ansprache anlässlich der Altjahrabendfeier, die er zuerst auf dem festlich beleuchteten Marktplatz in der Altstadt und anschließend auf dem durch Fackeln erhellten Kirchplatz in Eltingen hielt.

Doch während die Ebola-Krise weit weg ist, so war doch erneut die medizinische Versorgung in Leonberg und dem Altkreis das zentrale Thema des vergangenen Jahres. Der Kampf um das Krankenhaus in der Großen Kreisstadt, der 2013 begann, dauert an. „Der Beschluss des Kreistages zum Bau auf dem Flugfeld ist wohl unumkehrbar. Dasselbe gilt für das Festhalten an der Struktur des Klinikverbundes Südwest. Umso wichtiger wird es sein, den Landrat beim Wort zu nehmen“, sagte Schuler mit Blick auf das geplante Großklinikum auf dem Flugfeld zwischen Böblingen und Sindelfingen. Der OB sparte in seiner Ansprache nicht mit Kritik am Böblinger Landrat Roland Bernhard.

„Anlässlich der Jubiläumsfeier zur Ernennung Leonbergs zur Großen Kreisstadt im Jahr 2013 hat mich der Landrat gebeten, der Leonberger Bevölkerung zu übermitteln, dass er zum Krankenhaus steht. Kurz zuvor hatte er dementiert, dass Leonberg lediglich zu einer Portalklinik herabgestuft werden soll“, führte Schuler aus. Anfang Dezember war jedoch bekannt geworden, dass das Leonberger Haus von 239 auf 162 Betten reduziert werden soll.

Zudem besteht Investitionsbedarf. Die zugesagten Gelder dafür soll es aber erst später geben, wenn eine sogenannte „Zielplanung“ ermittelt hat, welche Investitionen dringlich sind. „Nach Vorliegen der Zielplanung können wir sehen, was diese Worte wert sind. Wir werden den Landrat beim Wort nehmen und gemeinsam dafür kämpfen, dass in Leonberg zügig die notwendigen Schritte umgesetzt werden und zwar unabhängig davon, ob und wann hierfür Mittel des Landes zur Verfügung stehen“, kündigte der Oberbürgermeister an, der zudem dem Gemeinderat nicht nur in dieser Sache eine konstruktive und sachliche Arbeit attestierte.

In den Mittelpunkt seiner Ansprache setzte Bernhard Schuler jedoch die Bürger und ihr Engagement für die Stadt. Dabei zog er eine Parallele zwischen dem Kampf um den Erhalt der Klinik und dem Aufstand des Armen Konrads, der sich 2014 zum 500. Mal jährte und indem Leonberg eine wichtige Rolle gespielt hatte. Durch geschicktes Verhandeln war es den Leonberger damals gelungen, sich friedlich mit dem Herzog von Württemberg zu einigen und einige Sonderrechte herauszuschlagen. Ob das auch beim Krankenhaus gelingt? „Wir werden die Belegschaft unseres Krankenhauses, die so vieles für unsere Bevölkerung und die des Umlandes tut, nicht allein lassen“, sagt der OB. Denn: „Wir in Leonberg sind die Stadt des bürgerschaftlichen Engagements, die Stadt der Weichenstellungen und Umsetzungen, die Stadt, die schon vor über 500 Jahren sich unsinnigen Regulierungen von oben nicht einfach beugte.“ Es sei auch diesmal eine echte Bewegung von unten entstanden, die viel bewegt habe. Etwa, dass eine Chefarzt-Stelle wiederbesetzt und eine zweite wieder ausgeschrieben wurde.

Krim-Krise und Ukraine-Konflikt, Ebola-Ausbruch und islamistischer Terror – hinter den Schreckensmeldungen des Jahres seien der 25. Jahrestag des Mauerfalls und der Gewinn der Fußball-Weltmeisterschaft als positive Meldungen schon fast zurückgetreten. Dabei sei 2014 noch so viel mehr in Deutschland und Leonberg passiert. Kommunalwahlen im Mai, die Sanierung der Graben- und der Poststraße, die Einweihung des Sportzentrums und des Hallenbades, das neue Wohngebiet Ezach III, vier neue und drei weitere im Bau befindliche Kindergärten, zwei neue Spielplätze oder kostenloses W-Lan am Marktplatz. Die internationalen Konflikte und die daraus resultierenden Flüchtlingsströme spüre man auch in Leonberg. „In unserer Stadt der sozialen Verantwortung haben und werden wir diese Herausforderung gemeinsam bewältigen“ sagte der Oberbürgermeister.

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