In Leonberg tagt am Freitag erstmals das Jugendforum. Foto: dpa

Die Stadtjugendreferentin Birte Brinkmann erklärt, was beim ersten Jugendforum am Freitag in der Stadthalle passiert.

Leonberg - Einen Jugendgemeinde- oder -beirat hat der Leonberger Gemeinderat abgelehnt. Eine viel bessere Form der Partizipation sei das Jugendforum, findet auch die Stadtjugendreferentin Birte Brinkmann. Dieses findet morgen in der Stadthalle zum ersten Mal statt.

Frau Brinkmann, wie kam es zum Jugendforum?
Die Verwaltung und der Gemeinderat haben sich schon länger Gedanken gemacht, wie man junge Menschen besser in die Kommunalpolitik einbeziehen kann. Vor zwei Jahren wurde dem Antrag zugestimmt, ein entsprechendes Konzept zu entwickeln.
 
Bislang war Jugendbeteiligung eine Kann-Option für Kommunen, seit Dezember ist sie Pflicht.
Richtig. Das entsprechende Gesetz in der Gemeindeordnung zur Bürgerbeteiligung wurde geändert. In Paragraf 41a findet sich nun die Formulierung, dass Jugendliche in allen Belangen beteiligt werden müssen, die sie betreffen. Auch Kinder sollen beteiligt werden. Ziel ist es, dass die Kinder lernen, mit Partizipation umzugehen. Es ist also im Grunde eine zweigleisige Entwicklung.
 
Bislang haben Sie vor allem mit den Schülermitverantwortungen zusammengearbeitet.
Das bleibt auch bestehen. Die SMVen sind eine feste Größe im Jugendkonzept „Mach mit³“, sie sind auch wichtig als Rückkopplung. Aus den SMVen kamen bislang schon viele Anregungen zu Themen und Ideen, die sowohl in die Kinder- und Jugendarbeit als auch in die Verwaltung einflossen. Bei der Beteiligung gibt es verschiedene Möglichkeiten, zum Beispiel auch den Jugendgemeinderat oder einen Beirat.
 
Warum die Form des Jugendforums?
Die Jugendlichen haben selbst gesagt, sie wollen keine bindende Form der Jugendbeteiligung. Wenn es also beispielsweise um eine Skateranlage geht, da sagen die Jugendlichen selbst: Warum soll ich da mitreden und mitplanen, wenn ich die Skateanlage gar nicht nutze? Das sollen doch lieber die machen, die sich dafür interessieren. Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung hat zudem gezeigt: Je mehr Jugendliche an den Dingen beteiligt sind, die sie betreffen, desto mehr engagieren sie sich auch. Und bei 200 statt 20 jungen Menschen erreichen wir deutlich mehr Partizipation.
 
Wer darf beim Jugendforum dabei sein?
Das Forum tagt am Freitag das erste Mal. Das Ziel ist es, dann aus jeder Klasse von Klassenstufe 8 an mindestens zwei Schüler dabei zu haben. Mitmachen können aber alle interessierten Jugendlichen zwischen 13 und 21 Jahren. Sie müssen keine Schüler mehr sein, können auch eine Ausbildung machen oder studieren. Der Lebensmittelpunkt sollte allerdings in Leonberg liegen, egal ob durch Schule oder Wohnort. Bislang habe ich 185 Anmeldungen bekommen, am Ende werden es wohl 190 bis 200 Jugendliche sein.
 
Wie ist das Forum aufgebaut?
Das Forum tagt einmal im Jahr. Danach gibt es Projektgruppen, die sich mit einem einzelnen Thema weitergehend befassen. Das kann alles sein, von Verkehr, über Freizeit bis hin zur Schule. In den Projektgruppen können dann auch Jüngere mitmachen, die noch nicht in der achten Klasse oder unter 13 Jahren sind.
 
Wie wird der Freitag ablaufen?
Um 8.30 Uhr kommen alle zusammen. Die Jugendlichen überlegen selbst, welche Themen sie in Arbeitsgruppen bearbeiten wollen. Welche Wünsche haben sie? Welchen Bedarf? Wo sehen sie Probleme? Um 13 Uhr kommen dann Vertreter aus Politik und Verwaltung und die Jugendlichen stellen ihre Ergebnisse vor. Für die einzelnen Projektgruppen werden Paten gesucht. Ich hoffe, dass sich genügend Vertreter aus der Kommunalpolitik für eine Gruppe finden. Sonst werde ich anderweitig weitersuchen. Die Gruppen arbeiten dann das Jahr über weiter und erstatten darüber auch Bericht im Sozialausschuss des Gemeinderates.
 
Die Jugendlichen tragen ihre Fortschritte selbst im Gemeinderat vor?
Es kommt drauf an. Mir wäre es lieber, wenn die Jugendlichen ihre Interessen selbst vortragen. Wenn sie das aber nicht möchten, kann ich das übernehmen. Das Thema wird aber sicherlich genauso ernsthaft behandelt. Vielleicht finden wir auch andere Formen anstelle des mündlichen Vortrags, zum Beispiel einen Video-Clip.
 
Apropos Video: In Bezug auf soziale Medien geht da doch sicher noch mehr, oder?
Auf jeden Fall. Wir werden das Jugendforum und die Projektgruppen auf der Internetseite der Stadt sowie auf unserer „Jungen Seite Leonberg“ bei Facebook begleiten. Es wird auch eine WhatsApp-Gruppe geben. Auch ein Projekt auf der Online-Videoplattform Youtube ist angedacht, dafür wurde ein Förderantrag gestellt. Dort sollen die Jugendlichen Informationen für andere Jugendliche zu jugendpolitischen Themen produzieren. Die gesamte Beteiligung soll möglichst transparent sein und viele junge Menschen erreichen. Ziel ist es, Jugendlichen zu zeigen, dass Politik Spaß macht und Beteiligung Wirkung zeigt.
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