Mit einem Elektroschocker hat ein Vater einem Mann Foto: dpa

Ein Passant will einen Streit schlichten und wird verletzt. Der Übeltäter bekommt ein Jahr auf Bewährung und Arbeitsstunden.

Leonberg - Eigentlich hat er es nur gut gemeint: Weil er eine verbale Auseinandersetzung schlichten wollte, griff ein 33-Jähriger Leonberger beherzt in eine Auseinandersetzung ein. Was er nicht wusste: Bei den Streithähnen handelte es sich um einen Vater und dessen Tochter. Die Quittung für seinen couragierten Einsatz: Zwei Stromstöße mit einem Elektroschocker.

Doch auch für den aggressiven Vater blieb der Vorfall nicht folgenlos. Der 50-Jährige ist jetzt am Leonberger Amtsgericht wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer einjährigen Freiheitsstrafe verurteilt worden, die drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Überdies wurden dem vorbestraften Mann 80 Arbeitsstunden auferlegt.

Der Vorfall ereignete sich im vergangenen Juni, als der 50-Jährige seine Tochter wegen zu schnellen Autofahrens auf offener Straße zur Rede stellte. Das laute Wortgefecht war auch dem Geschädigten, der sich zufällig in der Nähe befand, nicht entgangen. „Ich bat den Mann darum, das Mädchen im Auto in Ruhe zu lassen“, sagte der 33-Jährige vor Gericht, der zunächst offenbar nicht wusste, dass es sich um Verwandte handelte. In der Folge sei er von dem Vater in dessen Landessprache beleidigt worden. „Die Beleidigungen kannte ich noch aus der Schulzeit“, erklärte der Mann.

Nachdem der Angeklagte zwischenzeitlich seine Tochter in die Wohnung gebracht hatte, kam er mit einem Elektroschockgerät zurück und verpasste dem 33-Jährigen zwei Stromstöße. „Mein linker Arm war völlig taub“, berichtete der Geschädigte, der nach eigener Aussage sodann mit der rechten Hand nach seinem Rucksack griff und diesen gegen den Kopf des Mannes schleuderte. Schließlich tauchten Besucher einer benachbarten Kneipe auf und hielten die beiden auseinander, bevor wenig später die Polizei eintraf.

Der Beschuldigte räumte zwar ein, den Elektroschocker benutzt zu haben. Doch für die Eskalation gab er dem Geschädigten die Schuld. „Nachdem ich ihm sagte, dass sie meine Tochter ist und die Sache ihn nichts angeht, fing er damit an, mich zu beleidigen“, erklärte der 50-Jährige, der auch von angedrohten Schlägen sprach. Den Elektroschocker habe er nur deswegen eingesetzt, weil der 33-Jährige auf ihn eingetreten und den Rucksack nach ihm geworfen habe.

Doch seinen Ausführungen über den Tathergang schenkte das Gericht unter dem Vorsitz der Amtsrichterin Sandra De Falco trotz der für ihn sprechenden Angaben seiner 20-jährigen Tochter keinen Glauben. Zumal die Aussagen der beiden vernommenen Zeugen – diese hatten den Übergriff aus einiger Entfernung beobachtet – den 50-Jährigen schwer belasteten. „Ihre Aggressionsschwelle liegt offenbar sehr niedrig“, befand die Richterin, die keine Anhaltspunkte für eine Notwehrlage erkannte.

Davon nahm auch die Verteidigerin Abstand, die den Geschädigten aber als „Ordnungshüter“ abstempelte, dem es ihrer Meinung nach einzig um „Rechthaberei“ ging. Zugleich machte die Anwältin, die auf ein Urteil im unteren Strafmaß hoffte, die Nebenwirkungen des damals von ihrem Mandanten eingenommenen Antidepressivums für dessen Wutausbruch mitverantwortlich. Die Staatsanwältin hatte neben einer Arbeitsauflage eine einjährige Freiheitsstrafe mit einer Bewährungszeit von zwei Jahren gefordert.

Der 50-jährige Angeklagte war auch schon früher mit dem Gesetz in Konflikt geraten. Wegen Drogenhandels musste der Leonberger bereits 2002 sowie 2007 eine mehrjährige Haftstrafe verbüßen. Seit drei Jahren befindet sich der Mann eigener Aussage nach in psychologischer Behandlung und nimmt regelmäßig Medikamente gegen seine Panikattacken ein.

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