Was hat die Ampel vor dem Unfall angezeigt? Foto: dpa

Eine Kollision während eines Stromausfalls endet vor Gericht.

Ein Bagger durchtrennt im März in Renningen eine Stromleitung. ­Daraufhin brennt ein Verteilerkasten in Magstadt durch. In Folge dessen fließt auch in Weil der Stadt kurzzeitig ­keine Elektrizität – die Ampeln fallen für wenige Sekunden aus. Die Konfusion ­dauert jedoch lange genug, damit es auf der Kreuzung der B 295 und der Leonberger Straße zu einem heftigen Unfall kommt.

Ein 75 Jahre alter Mercedes-Fahrer ist mit einer 35-Jährigen kollidiert. Die Frau war in ihrem Wagen auf der Bundesstraße Richtung Calw unterwegs. „Als ich an die Kreuzung kam, waren sämtliche Ampeln ausgefallen“, sagte die Frau vor Gericht, „deshalb habe ich mich vergewissert, dass ich Vorfahrt habe. Da fuhr plötzlich der Mercedes los. Ich hatte keine Chance zu reagieren.“ Die 35-Jährige wurde bei der Kollision verletzt, sie brach sich den rechten Fuß. Der Rentner hielt dagegen: „Ich habe an der Ampel gewartet. Erst als ich Grün gesehen haben, bin ich losgefahren.“ Der Bagger hatte die Stromleitung in Renningen um 15 Uhr gekappt. Der gesamte Ort war für Stunden ohne Strom. Bis zur Überlastung des Verteilerkastens in Magstadt vergingen 45 Minuten. „Ohne Strom gehen die Lichter aus“, bemerkte ein Polizist, der den Unfall bearbeitet hatte lakonisch vor Gericht. Der Beamte erklärte im Zeugenstand, wie eine Ampelanlage in einem solchen Fall reagiert: „Es genügt schon eine Sekunde, dann fährt der Rechner, der die Anlage steuert, runter.“ 30 bis 60 Sekunden vergehen nach Aussage des Polizisten bis die Ampel den Verkehr wieder normal ­regelt. „In der Zwischenzeit gibt es keinerlei Signale für die Autofahrer auf der Vorfahrtsstraße“, sagte der Beamte, „die Verkehrsteilnehmer auf den Abbiegespuren sehen ein gelbes Blinklicht als Warnzeichen.“ In der Pressemitteilung, die die Polizei am Tag nach dem Unfall veröffentlicht hatte, waren die Beamten davon ausgegangen, dass der Rentner das gelbe Blinken fataler Weise als Umschalten auf Grün gedeutet hatte.Der 75-Jährige war sichtlich aufgebracht, als er sich vor Gericht die Aussage seiner Unfallgegnerin anhören musste und ­daraufhin unflätig dazwischen schrie. „Ein Freispruch ist aus meiner Sicht weit entfernt“, erklärte Richterin Sandra De Falco. Das Urteil musste allerdings vertagt werden. Ein entscheidender Zeuge kann erst am nächsten Prozesstag gehört werden. Bei der Polizei sagte dieser allerdings aus, er habe hinter dem Mercedes des 75-Jährigen an der Ampel gestanden. Nach seiner Aussage sei dieser ohne grünes Licht erhalten zu haben, auf die Kreuzung gefahren. „Selbst wenn Sie Grün bekommen haben, entbindet Sie das nicht von Ihrer Sorgfaltspflicht“, sagte De Falco in Richtung des Rentners, „selbst dann dürfen Sie nicht einfach darauf vertrauen, dass die anderen Autofahrer halten werden.“

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