Großer Andrang am Dienstag im Gemeinderat. Foto: factum/Bach

Die Entscheidung ist mit Spannung erwartet worden. Doch eine Kampfabstimmung gab es im Gemeinderat zur Gemeinschaftsschule nicht. Bei zwei Enthaltungen haben die Stadträte beschlossen, erst ein Jahr später die neue Schulform in Leonberg zu etablieren.

Leonberg - Die Entscheidung ist mit Spannung erwartet worden. Doch eine Kampfabstimmung gab es am Dienstagabend im Gemeinderat zur Gemeinschaftsschule nicht. Bei zwei Enthaltungen haben die Stadträte beschlossen, erst ein Jahr später die neue Schulform in Leonberg zu etablieren. Zwar wird das Engagement der August-Lämmle-Schule (ALS) dabei berücksichtigt, doch festgelegt hat sich der Rat auf diesen Standort nicht.

Der große Sitzungssaal im neuen Rathaus war am Dienstagabend bis auf den letzten Platz besetzt. Schon vor Beginn der Versammlung gab es nur ein Thema. Eltern, Lehrer und Schulleiter diskutierten im Eingangsbereich des Rathauses. Die Räte sprachen sich nach kurzer und sachlicher Debatte fast einstimmig dagegen aus, die August-Lämmle-Schule (ALS) schon jetzt auf den Weg zu schicken.

Vor zwei Monaten haben sie allerdings noch ganz anders abgestimmt. Am 24. Juli, in der letzten Sitzung vor der Sommerpause, haben sich 25 von 34 Räten dafür ausgesprochen. Das damalige Votum: Aus der ALS sollte schon mit Beginn des Schuljahrs 2013/2014 eine Gemeinschaftsschule werden. Doch was hat die Räte bewogen, ihre Meinung derart radikal zu ändern?

Zwei Gruppierungen machten sich für die ursprüngliche Idee stark. SALZ-Mann Frank Albrecht und Gabl-Fraktionschef Bernd Murschel sprachen sich dafür aus, die ALS schon im kommenden Jahr zur Gemeinschaftsschule zu machen. „Ich sehe keinen Grund, von unserem Antrag, den wir im Juli gestellt haben, abzuweichen“, sagte Al­brecht. Bernd Murschel von der Gabl ergänzte: „In einem Jahr wird es schwieriger, einen Antrag auf Einrichtung einer Gemeinschaftsschule beim Land durchzubringen.“ Albrecht enthielt sich der Stimme, eine weitere Enthaltung kam aus dem Lager der grünen Liste Gabl.

Die SPD bringt den Kompromissantrag ein

Die SPD-Fraktionschefin Christa Weiß hatte den neuen Antrag in den Rat eingebracht. Sie war im Juli eine der Initiatoren der ursprünglichen Idee gewesen, plädierte jetzt allerdings dafür, abzuwarten: „Wir wollen die Gemeinschaftsschule aus Überzeugung. Aber offenbar waren wir mit unserem Vorstoß für manche zu schnell.“ Der Genossin geht es vor allem um eines: sie will eine breite Mehrheit hinter der ersten Leonberger Gemeinschaftsschule vereinen.

Der Stadtverwaltung traut Weiß bei diesem Thema offenbar noch immer nicht über den Weg. Im Kultusausschuss hatte sie OB Schuler noch eine Blockadehaltung attestiert. Am Dienstag sagte sie in Richtung Stadtoberhaupt: „Sie müssen nicht nur mitgehen, sondern auf dem Weg zur Gemeinschaftsschule führen.“

CDU und FDP haben Zweifel

CDU und FDP stimmten wie die SPD ­geschlossen für den neuen Antrag. Allerdings waren ihre Beweggründe anderer ­Natur. „Aus meiner Sicht ist es fraglich, ob das Konzept Gemeinschaftsschule überhaupt funktioniert“, sagte die CDU-Fraktionsvorsitzende Elke Staubach. Für die CDU stehe der Erhalt der Schulstandorte im Vordergrund, sagte sie. „Und nach dem, was wir vom Schulamt gehört ­haben, steht in Leonberg ­keine Schule vor dem Aus“, sagte Staubach. Daher sei es richtig, zu warten.

Ähnlich äußerten sich die FDP-Frau Margarete Joch und Jutta Metz von den Freien Wählern (FWV). „Wir wollen trotz des Engagements der ALS noch warten“, sagte Metz. Und Joch erklärte: „Es gibt noch kein pädagogisches Konzept für diese Schulform. Es gibt noch zu viele offene Fragen.“

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