Auch in den Klassenräumen im Anbau der Grundschule stinkt es. Foto: factum/Bach

Den Schülern in der Höfinger Grundschule stinkt es. Nicht der Unterricht ist der Grund, sondern Lösemittel, sogenannte Chloranisole, die einen muffig-schimmligen Geruch erzeugen. Am Donnerstag sollen eine Großreinigung und Lüften Abhilfe schaffen.

Leonberg - Den Schülern in der Höfinger Grundschule stinkt es. Nicht der Unterricht ist der Grund, sondern Lösemittel, sogenannte Chloranisole, die einen muffig-schimmligen Geruch erzeugen. „Wenn meine Tochter nach der Chorprobe nach Hause kommt, stinken die Kleider“, sagt der Gabl-Ortschaftsrat Eberhard Grözinger. Die Stadt hat ein Messbüro beauftragt, doch die gesundheitsgefährdenden Grenzwerte sind deutlich unterschritten. Am Donnerstag sollen eine Großreinigung und Lüften Abhilfe schaffen.

Das Thema hat Eberhard Grözinger schon im Mai aufgebracht. „Wer im Anbau Unterricht hat, beschwert sich über modrigen Geruch“, erzählt er gegenüber der LKZ, „manche klagen auch über Kopfweh.“ Zumindest lästig und nervig sei dieser Zustand, findet er. Auch die Stadtverwaltung und die Ortsvorsteherin Bärbel Sauer räumen ein: „Das Problem ist bekannt.“ Es betrifft den gesamten Anbau der Grundschule, also die Aula und die Unterrichtsräume. Die Stadt hat bereits gehandelt, und die Renninger Firma ZET-Consult die Luft messen lassen. „Es wurden Rückstände aus Holzschutzmitteln gefunden“, hat Dieter Häberle im Ortschaftsrat erklärt, der Leiter der Gebäudewirtschaft im Rathaus.

Mehrfach habe man gemessen, unter anderem im Oktober. „Es gibt eine ganz geringe Konzentration von Chloranisolen“, erklärte er, „aber die Grenzwerte werden nicht überschritten.“ Bei 100 Nanogramm lägen die Grenzwerte, gemessen worden seien zwischen 33 und 49 Nanogramm.

„Erst bei 500 oder 1000 wäre es wirklich kritisch“, meint er. Zudem weist er darauf hin, dass der Gestank nur bei Wärmeentwicklung auftrete. Der Grund seien Lösungsmittel, die beim Bau in der Dachbalken-Konstruktion verwendet wurden. „Es ist ein Rätsel, warum und wann es anfängt zu stinken“, erklärte auch Ortsvorsteherin Sauer. Schimmelpilze seien jedenfalls nicht gemessen worden. Lösen könne man das Problem indes nur mit einer teuren Sanierung des Dachstuhles, was angesichts der Finanzlage nicht drin sei. Im Ortschaftsrat wurde das kontrovers diskutiert.

Die CDU hält das Thema für erledigt

Der CDU-Rat Dirk Jeutter sagte: „Mir reicht die Aussage, dass es nicht gesundheitsgefährdend ist.“ Für ihn sei das Thema abgehakt, man solle nicht so lang messen, bis das Dach abgebaut werden müsse. Klaus Wankmüller (Gabl) widersprach: „Man weiß nie, wie es sich langfristig auswirkt. Ich bin nicht dafür, dass wir alles einfach so lassen, in drei Jahren sollte man erneut messen, ob die Grenzwerte eingehalten sind.“ Dirk Jeutter entgegnete dem Grünen-Ortschaftsrat: „Dann laufen wir mal mit offener Nase durch Höfingen und schauen, was wir noch so finden.“

Wolfgang Fürst (SPD) und Ursula Schmidt (FWV) beschränkten sich auf Nachfragen, wie denn nun weiter zu verfahren sei, um wenigstens die schlimmsten Gerüchte zu beseitigen. Dazu gibt es jetzt am Donnerstag ein Großreinemachen, wobei nicht nur der Boden, sondern alle Räume bis zur Decke geputzt werden sollen. „Damit wird auch möglicherweise stinkender Staub beseitigt“, erklärt die Ortsvorsteherin Bärbel Sauer. Zudem soll regelmäßig gelüftet werden, dazu ist ein detaillierter Plan erarbeitet worden.

Denn egal, ob gesundheitsgefährdend oder nicht, der Gutachter spreche von einer „sozialen Toxizität“, also eine gefühlte Giftigkeit. Deswegen will aber bislang niemand Hunderttausende Euro investieren.

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