Kristin Kuhl (links), die Vorsitzende des Hospiz-Vereins, darf sich über viele Spenden-Schecks freuen. Ohne diese Unterstützung wäre die Arbeit Foto: factum/Bach

Seit 20 Jahren gibt es das ambulante, seit 15 Jahren das stationäre Hospiz. Der Verein ist zu einer festen Institution in der Stadt geworden, für den viele spenden. Durch die Bauarbeiten in der Nachbarschaft verändert sich auch der Alltag der Bewohner.

Leonberg - Das Erdgeschoss des neuen Elly-Heuss-Knapp-Kindergartens steht bereits. Nur wenige Meter hinter der Terrasse des Leonberger Hospizes ragt jetzt eine graue Betonwand in die Höhe. Später, wenn das Gebäude fertig ist, sollen Farben und Pflanzen das Grau vertreiben. „Obwohl es die Nordseite ist, wird es viele Fenster geben“, erklärt Kristin Kuhl, die Vorsitzende des Hospiz-Vereins. Bei der Planung sei man den Bedürfnissen des Hospizes entgegen gekommen. Etwa beim Baustart, der erst im Herbst erfolgte.

Auch wenn die Arbeiten für Lärm und Staub sorgen, so sind sie doch eine willkommene Abwechslung auf der Station, die acht Betten umfasst. „Von unserem Wohnzimmer aus können die Patienten alles live miterleben. Und sie diskutieren viel darüber, wie hoch das Haus wird und was wo hinkommt“, berichtet Ute Kompatscher, die das stationäre Hospiz leitet. Die Bewohner freuten sich darüber, dass ein Kindergarten in ihre unmittelbare Nähe kommt. „So werden sie junge Menschen um sich haben, aber eben auch abends und am Wochenende ihre Ruhe“, sagt die Leiterin.

Vor zwei Jahren ist der Hospiz-Neubau neben dem Samariterstift in der Seestraße eröffnet worden. Im vergangenen Jahr musste die Stadt Leonberg dann schnell einen Ersatz finden für den jetzigen Elly-Heuss-Knapp-Kindergarten. Denn dort waren schwere bauliche Mängel aufgetreten. Eine Sanierung erwies sich als zu teuer. Letztlich entschieden sich die Stadt und der Gemeinderat für den Standort zwischen Hospiz und Blosenbergkirche, was für einige Diskussionen gesorgt hatte. Dabei war auch die örtliche Nähe von Kinderbetreuung zur Hospizarbeit ein Streitpunkt.

„Diese Kritik können aber nur Menschen geübt haben, die sich noch nicht mit unserer Arbeit befasst haben“, meint Kristin Kuhl dazu. Lebensanfang und Lebensende lägen jedoch nah beieinander. „Kinder haben sehr wenig Berührungsängste und gehen offen mit dem Tod um. Oft sind sie schon in frühen Jahren mit diesem Thema konfrontiert, etwa beim Tod eines Familienmitglieds, aber auch eines Haustiers“, erläutert die Hospiz-Vorsitzende Kuhl.

Obwohl die Patienten zum Sterben ins Hospiz kommen, ginge es doch darum „bis zum Schluss zu leben“. Sie gestalten ihren Tag selbst, unternehmen etwas mit Angehörigen, Freunden oder den ehrenamtlichen Mitarbeitern. „Wir haben dieses Jahr auch schon einen 80. Geburtstag oder eine Hochzeit groß gefeiert“, berichtet Gabriele Reichle, die als Hospizreferentin auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist.

Ohne die würde bei dem Verein wenig gehen. „Wir sind unabhängig. Das heißt aber auch, wir haben keinen großen Verband und keine Kirche im Rücken. Wir sind auf jeden Cent angewiesen“, sagt Daniela John, die den ambulanten Hospizdienst leitet. Diesen gibt es inzwischen seit 20 Jahren, den stationären seit 15 Jahren. In dieser Zeit ist das Hospiz eine feste Institution in Leonberg geworden. Es finden Benefizkonzerte statt, Vereine, Schulen, Kirchen und gemeinnützige Organisationen sammeln regelmäßig Spenden für den Verein. Wie zuletzt bei der Verhüllung des Engelbergturms. Von diesem Geld wurde jetzt ein Patientenlifter angeschafft. Mit diesem können die Patienten aus dem Bett gehoben werden, ohne das es die Krankenschwestern körperlich zu sehr belastet.

Für die Betreuung und Pflege erhält das Hospiz Geld von den Kranken- und Pflegekassen. „Doch das liegt unter dem, was alles tatsächlich kostet. Der Verein trägt dann die Differenz, sodass den Patienten und deren Familien keinerlei Kosten entstehen“, erklärt Kristin Kuhl. Zudem finanziert das Hospiz auch die Aus- und Fortbildungen der Mitarbeiter, die Ausstattung des Hauses oder besondere Angebote wie die Trauerbegleitung oder den Kinderhospizdienst. Der kümmert sich um die Kinder von todkranken Menschen.

„Wir sind den Menschen, die uns unterstützen, so dankbar. Es ist toll, dass unsere Arbeit möglich gemacht wird“, sagt die Hospiz-Vorsitzende. „Wir hoffen, dass die Menschen auch in Zukunft an unserer Seite sind. Auch wenn wir natürlich sehen, dass in vielen Bereichen Not am Mann ist und viele soziale Einrichtungen finanzielle Unterstützung brauchen“, ergänzt die Hospizreferentin Gabriele Reichle. Das größte Projekt, das der Verein bisher gestemmt hat, ist der Neubau des stationären Hospizes gewesen – das einzige übrigens im Kreis Böblingen. Im kommenden Jahr soll der ambulante Dienst, der nur für die Stadt Leonberg zuständig ist, ausgebaut werden.

Dazu werden weitere ehrenamtliche Helfer für ganz unterschiedliche Bereiche gesucht. Manche begleiten die Patienten auf Spaziergängen, andere engagieren sich im Kinderhospizdienst. Ein Helfer umsorgt beispielsweise nur die Fische, die im Aquarium im Wohnzimmer die Patienten erfreuen. Auch das muss gemacht werden.

Das Hospiz Leonberg – Alle Infos

Station
Hier gibt es acht Zimmer für Patienten, die bis zum Tod betreut und begleitet werden. Zu den Besonderheiten des Hospizes in der Seestraße gehört der Raum der Stille, den der Künstler Matthias Eder gestaltet hat. Das Gebäude hat etwa 2,25 Millionen Euro gekostet.

Dienst Der Verein bietet zudem einen ambulanten und einen Kinder-Hospizdienst sowie Trauerbegleitung an. Dazu werden auch Angehörige von Todkranken beraten.

Hilfe Informationen zum Spendenkonto gibt es auf www.hospiz-leonberg.de im Internet. Das stationäre Hospiz ist erreichbar unter der Telefonnummer 0 71 52 / 3 35 52 - 02, der ambulante Dienst unter der Endziffer – 04.

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