Der Kreis Böblingen hat abgestimmt: mehrheitlich für die CDU. Foto: factum/Weise

Die Bundestagswahl 2013 bleibt weiter spannend. Im Wahlkreis stehen die Ergebnisse fest: Die CDU wird deutlich die stärkste Kraft, holt 46,9 Prozent. CDU-Mann Clemens Binninger sichert sich mit 54,3 Prozent das Direktmandat. Die Ergebnisse.

Leonberg - Die CDU gewinnt auch in der Stadt Leonberg souverän die Bundestagswahl. Der christdemokratische Spitzenkandidat Clemens Binninger, der auch im gesamten Wahlkreis wiedergewählt wird, erhält 12 384 Stimmen, das sind 51,97 Prozent. Damit toppt der CDU-Mann den Zweitstimmenwert seiner Partei, der in Leonberg bei 10 324 Stimmen und 43,23 Prozent liegt. Der SPD-Bewerber Joachim Rücker holt mit 5047 Stimmen (24,47 Prozent) ebenfalls mehr als die Partei insgesamt (21,13 Prozent).

Schlappe für Florian Toncar (FDP), der mit 878 Erststimmen (3,68 Prozent) in Leonberg nach Hause geht. Seine Partei holt mit 2098 (8,78 Prozent) deutlich mehr. Und auch Grünen-Kandidat Sven Reich bleibt mit 2593 Erststimmen (10,8 Prozent) hinter dem Parteiergebnis (2829, 11,8 Prozent). Die neue AfD überschreitet in Leonberg mit 1207 Stimmen knapp die Fünf-Prozent-Grenze.

Das Hotel-Restaurant Hirsch ist an Wahlabenden traditionell Treffpunkt für eher bürgerlich gestimmte Wähler. So sind es CDU-nahe Leonberger und Politiker der Freien Wähler, die am Abend der Einladung von Hausherr Heiner Eiss gefolgt sind.

Um 18 Uhr, die erste Prognose läuft über den Bildschirm, herrscht erst einmal Schweigen, direkt gefolgt von Ratlosigkeit. Es sind die Ergebnisse der Hessen-Wahl, die die merkwürdig anmutende Sprachlosigkeit beenden. „Diese linken Hessen“, platzt es aus Heiner Eiss heraus, „ eine Katastrophe“, kommentiert der Hotelchef die mutmaßliche Abwahl der schwarz-gelben Landesregierung in Wiesbaden.

Otto Speck traut den Prognosen in der ARD nicht. „Schalt mal aufs ZDF um“, sagt der Leonberger Rechtsanwalt. Die Zwischenstände der VfB-Bundesliga-Partie gegen Frankfurt tragen nicht zur Stimmungsaufhellung bei. „Überall Mist“, poltert der einstige CDU-Stadtrat Eiss.

Der jähe Absturz der FDP sorgt für unterschiedliche Interpretationen. „Das ist der CDU ganz recht“, analysiert der Kreisrat der Freien Wähler, Werner Metz. „In einer großen Koalition oder mit einer eigenen Mehrheit kann die CDU doch machen, was sie will.“ Anders sieht das Otto Speck: „Die CDU hätte sich nicht gegen die FDP-Zweitstimmen-Kampagne wehren sollen. Dann hätten wir jetzt stabile Verhältnisse.“ Georg Pfeiffer, Stadtrat der Freien Wähler, mahnt zum Abwarten: „Wir wissen doch noch gar nicht, was kommt.“

„Für die FDP ist das eine Katastrophe, denn sie ist nun seit ihrem Bestehen zum ersten Mal nicht im Bundestag vertreten“, sagt Dieter Maurmaier, Chef der FDP-Fraktion im Leonberger Gemeinderat. Es sei höchst bedauerlich, dass die CDU dazu aufgerufen habe, ihr auch die Zweitstimme zu geben. „Hoffentlich erholt sich die FDP von diesem Schlag bis zur Kommunalwahl 2014.“, Doch Maurmaier ist voller Hoffnung: „Wie immer werden wir vor Ort eine konstruktive Sacharbeit machen.“ „Ich freue mich über das gute Ergebnis von Clemens Binninger“, sagt Elke Staubach, die CDU-Fraktionsvorsitzende. „Seine aktive Präsenz im Wahlkreis wurde von den Wählern honoriert.“ Jetzt heiße es wohl für die CDU zu sehen, mit wem man konstruktive Politik machen kann. „Mit einer großen Koalition hat man keine schlechten Erfahrungen gemacht“, meint die CDU-Politikerin. Das sieht auch ihr Parteifreund Ulrich Vonderheid so. Der Erste Bürgermeister ist überzeugt; „ Das ist das Ergebnis von Angela Merkel.“

„Es ist eine richtige Niederlage, da gibt es nichts zu beschönigen,“ sagt der Grünen-Landtagsabgeordnete und Leonberger Gabl-Fraktionsvorsitzende Bernd Murschel. „Wir haben in diesem Wahlkampf unsere Wähler nicht ansprechen können.“. Grüne Kernthemen seien hinten angestellt worden und ungeschickte Debatten etwa über Steuern geführt worden. „Unser Kandidat Joachim Rücker hat eine gute Erst-Stimmen-Kampagne geleistet“, sagt Christa Weiß, die Chefin der SPD-Fraktion. Sie freut sich sehr, dass radikale Parteien wie die NPD keine Rolle mehr spielen. Überrascht ist die SPD-Politikerin vom FDP-Absturz. „Das Parteienspektrum wird immer heterogener, fast so wie in unserem Gemeinderat auch“, meint Oberbürgermeister Bernhard Schuler. „Es werden interessante Zeiten, aber das sind nicht immer auch gute Zeiten“, zitiert Schuler ein chinesisches Sprichwort.

Bisherige Wahlergebnisse:

Landkreis Böblingen: Erststimme: Clemens Binninger (CDU) 54,3 Prozent, Joachim Rücker (SPD) 23,7 Prozent, Florian Toncar (FDP) 3,4 Prozent, Sven Reisch (Grüne) 9,4 Prozent, Richard Pitterle (Linke) 4 Prozent, Hagen Stanek (Piraten) 2,4 Prozent, Bernd Geider (NPD) 1,4 Prozent, Peter Bäuerle (MLPD) 0,2 Prozent, Hasso Kraus (Freie Wähler Partei) 1,3 Prozent.

Zweitstimme: CDU 46,9 %, SPD 20%, FDP 7,1%, Grüne 10,4%, Linke 4,4%, Piraten 2,2%, NPD 0,9%, MLPD 0,1%, Freie Wähler Partei 0,7%, AfD 5,1%, Republikaner 0,3%, Partei Mensch Umwelt Tierschutz 0,7%, ÖDP 0,3%, Partei Bibeltreuer Christen 0,3%, Volksabstimmung 0,2%, BüSo 0,04%, Bündnis Innovation&Gerechtigkeit (BIG) 0,04%, pro Deutschland 0,1%, Partei der Vernunft 0,06%, Rentnerpartei 0,2%.

Leonberg: Erststimme: Clemens Binninger (CDU) 51,8 Prozent, Joachim Rücker (SPD) 24,6 Prozent, Florian Toncar (FDP) 3,7 Prozent, Sven Reisch (Grüne) 10,9 Prozent, Richard Pitterle (Linke) 4,3 Prozent, Hagen Stanek (Piraten) 2,2 Prozent, Bernd Geider (NPD) 1,1 Prozent, Peter Bäuerle (MLPD) 0,1 Prozent, Hasso Kraus (Freie Wähler Partei) 1,3 Prozent.

Zweitstimme: CDU 43,1 %, SPD 21,2%, FDP 8,8%, Grüne 11,8%, Linke 4,5%, Piraten 2,1%, NPD 0,7%, MLPD 0,03%, Freie Wähler Partei 0,7%, AfD 5%, Republikaner 0,3%, Tierschutzpartei 0,8%, ÖDP 0,2%, Partei Bibeltreuer Christen 0,2%, Volksabstimmung 0,2%, BüSo 0,03%, BIG 0,05%, pro Deutschland 0,1%, Partei der Vernunft 0,05%, Rentnerpartei 0,2%.

Weil der Stadt: Erststimme: Binninger 53,8%, Rücker 23,4%, Toncar 3,3%, Reisch 10,3%, Pitterle 3,8%, Stanek 2,7%, Geider 1,6%, Bäuerle 0,1%, Kraus 1,0%. Zweitstimme: CDU 64,1%, SPD 19,1%, FDP 7,4%, Grüne 11,6%, Linke 4,4%, Piraten 2,2%, NPD 1,1%, MLPD 0,1%, Freie-Wähler-Partei 0,5%, AfD 4,9%.

Rutesheim: Erststimme: Binninger 56,5%, Rücker 22,8%, Toncar 2,9%, Reisch 9,8%, Pitterle 2,9%, Stanek 2,2%, Geider 1,3%, Bäuerle 0,2%, Kraus 1,%. Zweitstimme: CDU 48,8%, SPD 19,7%, FDP 6,5%, Grüne 10,7%, Linke 3,2%, Piraten 2,0%, NPD 0,8%, MLPD 0,02%, Freie-Wähler-Partei 0,8%, AfD 5,4%.

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