Schöne Fanseiten in der Leonberger Altstadt Foto: Stefan Wentz

Die Siege der deutschen Nationalelf lösen Freudenfeste auf den Straßen aus – sogar recht kreative. Wie beispielsweise Menschenhaufen auf dem Neuköllner Platz oder der Partymeile in Friolzheim

Leonberg/Friolzheim - Aus Leonberg werden keine besondern Vorkommnisse gemeldet, also dürfte hier auch deutlich weniger los gewesen sein als unterm Böblinger Schlossberg oder in der Herrenberger Stadtmitte. Da ging nämlich nichts mehr“, sagt der Sprecher der Polizeidirektion über die EM-Feiern nach dem Holland-Sieg. Der Widerspruch kommt aus den eigenen Reihen: „In Leonberg ist sehr wohl der Sieg der deutschen Mannschaft gefeiert worden“, sagt der Vize-Revierchef Gisbert Köberle. Nur ging es auf dem Neuköllner Platz eben absolut friedlich zu. Genauso wie bei den anderen Fußballfans im Altkreis Leonberg, die beispielsweise im beschaulichen Friolzheim die Nacht zum Tag gemacht haben.

Es ist sogar so, dass sich im Schatten der Hochhäuser von Leonbergs City recht innovative Feier-Rituale etablieren. Der gute alte Korso hat dabei weitgehend ausgedient, beobachtet die Polizei. Stattdessen stürzen sich rund 200 junge Menschen wie auf ein geheimes Kommando auf den Platz und machen es sich dort auf ihren „vier Buchstaben“ gemütlich. Das Spielchen wiederholt sich einige Male, gegen halb eins ist dann in der Regel aber alles so schnell vorbei, wie es nach dem Schlusspfiff begonnen hat.

„Weil es nicht mehr Menschen sind, die sich da beteiligen, haben wir die Situation ganz gut im Griff“, berichtet Köberle. „Es gelingt uns sogar, trotz Feiern, den Verkehr noch halbwegs daran vorbei zu leiten.“ Er berichtet von „absolut friedlichen Fans“ und staunt selbst über das „Flashmob“-Phänomen.

Offensichtlich bereitet das deutlich mehr Spaß, als die bislang üblichen Korsos: „Da greifen wir nämlich schon eher ein, in einem Korso muss man auch an einer Ampel warten, es kommt zu Staus – alles nicht so interaktiv“, meint Köberle.

Diese Tatsache wiederum stört feiernde Fans in Böblingen, Herrenberg und Friolzheim wenig. Dort wird Korso gefahren, bis nichts mehr geht. „Muss jeder selbst entscheiden, ob man bereits nach jedem Vorrunden-Spiel eine Stunde lang hupend durch die Gegend fährt“, kommentiert der Polizeidirektions-Sprecher Frank Natterer. Verständlich: Vor allem in der „Kreishauptstadt“ ging nach dem Holland-Spiel am Mittwochabend auf den Straßen phasenweise nichts mehr.

Im benachbarten Enzkreis haben die Partymacher am „Friolzheimer Kreisel“ in der Ortsmitte hingegen für eine Atmosphäre gesorgt, die fast schon städtisch war. Hunderte Jugendliche guckten und feierten gemeinsam den Sieg der deutschen Mannschaft. Der Kreisverkehr ist dabei offiziell als „Partymeile“ gekennzeichnet. Wie berichtet, ist die Idee einer solchen „Fanzone“ mitten in der Provinz aus spontanen Siegesfeiern bei der Fußball-WM 2010 entstanden. Allerdings geht nach einigen schlechten Beispielen auch hier die Mahnung der Organisatoren um Martin Gaubitz und Joachim Schindele an die beteiligten autofahrenden Fans: „Fahrt bitte anständig – dann können auch alle schön feiern.“

Gegen übermütige Fahrer hat auch die Polizei etwas: Schon vor der EM hat die Polizeidirektion angekündigt, Verstöße zu ahnden. Wer im Korso zu schnell und/oder betrunken Auto fährt, riskiert, bei der Siegesfeier den Führerschein zu verlieren.

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