Sind gut vorbereitet auf die Demo: Ulrich Stöckle und seine Mitstreiterinnen. Foto: factum/Bach

Vor dem Neuen Rathaus wird an diesem Freitag für den Erhalt des Krankenhauses in seiner jetzigen Form demonstriert. Außerdem liegen in der ganzen Stadt Listen aus, in die sich die Bürger fleißig eintragen.

Leonberg - Wenn jemand die Stadt Leonberg in ihrer kompletten Ausdehnung und den Altkreis jetzt gut kennt, dann ist es Martina Gerhold. Unermüdlich ist sie seit einer Woche unterwegs, um Unterschriftenlisten für den Erhalt des Krankenhauses zu verteilen.

In der Kernstadt hat sie angefangen, dann war sie in Arztpraxen, Apotheken, Bäckereien, Metzgereien und anderen Geschäften in den Stadtteilen unterwegs. Jetzt ist sie in die Umlandgemeinden vorgedrungen. Gestern hat sie ihre Listen in Heimsheimer Geschäften verteilt, zuvor war sie in Rutesheim gewesen. Mehr als 120 Stationen hat sie mittlerweile angesteuert. Ein Bürger aus Gerlingen hat sich bei ihr gemeldet: Er will in seiner Stadt Unterschriften für das Krankenhaus sammeln.

„Es ist unglaublich, wie klasse die Leute reagieren!“ Martina Gerholds Stimme schwankt zwischen Erschöpfung und Begeisterung. „Mein Telefon steht nicht mehr still, ganz viele Menschen fragen, wie sie mir helfen können.“

Für die Krankenhaus-Demo an diesem Freitag um 11 Uhr am Neuen Rathaus hat sie noch einmal 200 Listen kopiert. Überhaupt ist sie in diesen Tagen ständige Kundin im Kopierladen. Denn je mehr sich ihre Aktion herumspricht, desto größer ist der Bedarf an weiteren Unterschriftenlisten.

In den meisten Geschäften sorgen die Chefs selbst für Nachschub. „Bei uns geht eigentlich kein Kunde heraus, der nicht unterschrieben hat“, berichtet der Höfinger Metzgermeister Roland Hess. Im Laden ist das Krankenhaus das Gesprächsthema Nummer eins.

In der Bäckerei von Steffen Marquart war vergessen worden, das letzte leere Unterschriftenblatt erneut zu kopieren. Bäckermeister Marquart rief darauf direkt bei Martina Gerhold an, um neue Exemplare zu ordern.

Und in vielen Arztpraxen, in denen Auslagen eher unüblich sind, achten die Chefs persönlich darauf, dass sich möglichst alle Patienten zu ihrer Klinik bekennen.

„Mich rufen Leute an, die nun ein Bürgerbegehren initiieren wollen“, erzählt die Leonbergerin, die seit Jahren im Krankenhaus behandelt wird. „Solche Gedanken habe ich mir noch gar nicht gemacht. Mir geht es erst einmal darum, dass ich dem Landrat und unseren Kreispolitikern zeigen will, wie viele Menschen für ihr Leonberger Krankenhaus einstehen. Die große Resonanz macht mir sehr viel Mut.“

Beeindruckt ist auch der Organisator der heutigen Pro-Krankenhaus-Kundgebung. „Drei Zeilen haben offenbar eine Lawine losgetreten“, verweist Ulrich Stöckle auf einen kurzen Leserbrief, in dem er sich für eine Demo ausgesprochen hatte.

Nachdem unsere Zeitung ausführlich über die Privatinitiative des Leonbergers berichtet hatte, stand bei ihm das Telefon nicht mehr still. Dabei hatte Stöckle anfangs nur mit 30 Teilnehmern gerechnet, wenn er und einige Freunde sich am Freitag um 11 Uhr am Eingang des Neuen Rathaus postieren, um den hiesigen Kommunalpolitikern den Rücken zu stärken.

Doch wie es ausschaut, dürfte es eng werden auf dem Rathausvorplatz, auch wenn Ulrich Stöckle von Stuttgart-21-Dimensionen nach wie vor nichts wissen will.

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