Foto: Thomas Lohnes/dapd

Wer den Bund fürs Leben schließt, will seine Familie bei sich haben. Doch bei einer Trauung am kommenden Wochenende, muss der Bräutigam ohne Mutter und Vater auskommen. Der Grund: die deutsche Botschaft in Kuwait hat ihnen das Visum verweigert.

Leonberg - Die deutsche Botschaft in Kuwait hat einem aus Pakistan stammenden Ehepaar die Einreise nach Deutschland verweigert. Dabei soll es sich angeblich nicht um potenzielle Wirtschaftsflüchtlinge sondern lediglich um Hochzeitsgäste handeln.

Hamid Abdul ist empört. „Das ist ungerecht“, schimpft er, „was da passiert, ist mir unbegreiflich.“ Der aus Pakistan stammende Mann lebt seit 40 Jahren in Deutschland. Er arbeitet als stellvertretender Leiter des Leonberger Wertstoffhofs. 1984 kommt seine Tochter Sana zur Welt. Worüber sich der Familienvater so empört, sollte eigentlich ein Grund zur Freude sein, denn am Wochenende findet in Leonberg die Hochzeit seiner Tochter statt.

Die Familie des Bräutigams stammt wie Familie Abdul aus Pakistan, lebt aber im arabischen Emirat Kuwait. Für die Einreise nach Deutschland benötigen die Hochzeitsgäste also ein Visum der dortigen deutschen Vertretung. „Die drei Schwestern des Bräutigams haben die Einreisegenehmigung erhalten, genau wie ihre Ehemänner und deren Kinder“, sagt Hamid Abdul, das sind insgesamt elf Personen. Die beiden wichtigsten Menschen werden am Wochenende bei der Trauung allerdings fehlen. „Die Eltern des Bräutigams haben kein Visum erhalten“, sagt Abdul.

„Zu einzelnen Fällen machen wir aus Datenschutzgründen keine Angaben“, sagt eine Sprecherin des Auswärtigen Amts in Berlin auf Anfrage unserer Zeitung, „Die Gründe für die Ablehnung wurden den Antragstellern jedoch mitgeteilt.“

Genau diese Begründung ist es, die Hamid Abdul so empört. „Die haben geschrieben, sie glauben, dass die künftigen Schwiegereltern meiner Tochter nicht wieder aus Deutschland ausreisen wollen.“

Noor Khan Raza Khalil heißt der Schwiegervater der Braut. „Er ist Trainer der kuwaitischen Squash-Nationalmannschaft“, sagt Abdul, „ der Mann ist 59 Jahre alt und lebt seit 30 Jahren in Kuwait.“ Der Brautvater ist sich sicher, dass seine künftige Verwandtschaft nicht die Absicht hat, in Deutschland zu bleiben. „Die sind in Kuwait glücklich und voll integriert.“

In dieser Hinsicht ist sich die deutsche Vertretung im Wüstenstaat allerdings nicht sicher. Hamid Abdul hat alle Dokumente, die mit den Visa-Anträgen der Familie zu tun haben, gesammelt. „Ihre Absicht, vor Ablauf des Visums aus dem Hoheitsgebiet der Mitgliedsstaaten auszureisen, konnte nicht festgestellt werden“, heißt es im Ablehnungsbescheid.

Die deutsche Botschaft muss bei der Prüfung von Einreiseanträgen eine ­Vielzahl von Fragen klären. „Wie verwurzelt sind die Antragsteller in ihrem ­Heimatland?“, „In was für finanziellen ­Verhältnissen leben die Menschen?“, „Sind die Leute in einem Alter, in dem sie in ­naher Zukunft pflegebedürftig werden und suchen aus diesem Grund die Nähe zu ­Verwandten in Deutschland?“ Generell soll die Prüfung der Anträge sicher stellen, dass niemand ein Besuchervisum nutzt, um ­damit dauerhaft nach Deutschland einzureisen. Wird ein solcher Verdacht nicht zweifelsfrei ausgeräumt, wird der Ein­reiseantrag abgelehnt.

„Wenn uns unsere Familie nicht in Deutschland besuchen darf, sind wir von unserer Heimat isoliert“, klagt Hamid Abdul. Die Vorbereitungen und die Vorfreude auf die Hochzeit werden vom fehlenden ­Visum überschattet. „Die ganze Familie spricht von nichts anderem mehr“, erzählt er, „die letzten Gäste aus Kuwait haben ­sogar ihre Flüge noch verschoben, um auf die Eltern des Bräutigams zu warten.“

Bis zur Trauung von Hamid Abduls Tochter Sana und ihrem Verlobten Omair Noor sind es nur noch wenige Tage. Dass sich an der Sachlage bis dahin noch etwas ändert, ist nicht zu erwarten. Die Hochzeit muss daher ohne die Eltern des Bräutigams stattfinden.

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