Wer sich gezielt für Gewalttaten betrinkt, ist nicht schuldunfähig. Foto: dpa

Ist betrunken sein eine Straftat? Ja, sagt das Gesetz – allerdings wird nur der bestraft, der in seinem Rausch randaliert und für die Tat nicht bestraft werden kann. Wer sich aber gezielt wiederholt betrinkt, der kann auch ins Gefängnis müssen, wie dieser Fall zeigt.

Leonberg - Ist betrunken sein eine Straftat? Ja, sagt das Gesetz – allerdings wird nur der bestraft, der in seinem Rausch ­beispielsweise randaliert und für die Tat nicht bestraft werden kann, weil er dafür zu betrunken war. „Schuldunfähig infolge des Rausches“ heißt das im Beamtendeutsch.

Ein 25-Jähriger aus Rutesheim bringt es im Mai dieses Jahres auf stolze 2,6 Promille. „Das sind Mengen, die kann sich ein ­normaler Mensch kaum vorstellen“, ­beschreibt ein Mitarbeiter des Suchthilfezentrums das Trinkverhalten des jungen Mannes. In diesem Zustand marschiert der Trinker los und schlägt mit einer Axt den Außenspiegel eines Mercedes-Vans ab. ­Danach zieht es ihn zum Haus seiner Ex-Freundin, mit der er einen Sohn hat. Dort angekommen, wirft er mitten in der Nacht die Fenster mit Steinen kaputt.

Der Angeklagte ist kein kaputter Säufer, der sich täglich bis zur Bewusstlosigkeit ­betrinkt. „Mein Mandant ist ein Quartalstrinker“, sagt der Anwalt des Beschuldigten, „er führt ein geregeltes Leben, hat einen festen Job und eine Freundin. Wäre da nicht der Alkohol, er würde niemals vor Gericht landen.“

Allerdings ist der 25-Jährige dort schon ganze acht Mal gelandet; Körper­verletzung, Betrug, Sachbeschädigung, ­Gefährdung des Straßenverkehrs. Keine dieser Taten hat der Angeklagte nüchtern begangen. „Sie verlieren die Kontrolle, sobald Sie etwas getrunken haben“, stellt Richter Armin Blattner fest.

Mit der Axt durch die Stadt gezogen

Seine betrunkene Randale-Tour vom Mai räumt der An­geklagte vor Gericht ein: „Es tut mir leid, wie ich mich verhalten habe. Als ich ­davon erfahren habe, bin ich richtig ­erschrocken.“ Erinnern kann sich der 25-Jährige an seine zerstörerische Kneipenrunde nicht mehr.

Zeichen der Besserung zeigt der 25-Jährige bislang nicht. Nach seiner letzten Tat, einer Sachbeschädigung im Jahr 2011, ­wurde der Quartalssäufer zu drei Monaten Haft verurteilt – nicht die erste ­Bewährungsstrafe des jungen Mannes. Das Gericht ordnete eine ambulante Alko­holtherapie an. „Ich werde solange trinken, bis die Sitzungen beginnen“, sagte der 25-Jährige damals und fügte hinzu: „Und auch danach werde ich nicht abstinent leben.“ Heute behauptet er dagegen, trocken zu sein und die Therapie angehen zu wollen. „Sie haben nur eine Chance, damit wir uns nicht mehr sehen müssen“, sagt Richter Blattner, „Sie müssen aufhören zu ­trinken.“

Doch seine Bewährungsauflagen hat der Angeklagte bislang wiederholt gebrochen: Er hat regelmäßig Straftaten begangen und die verordnete Therapie noch immer nicht ­angetreten. „Aus diesem Grund fordere ich drei Monate Haft ohne Bewährung“, sagt die Staatsanwältin in ihrem Plädoyer.

„Das würde in Wahrheit eineinhalb ­Jahre Gefängnis bedeutet“, hält der Verteidiger des Trinkers dagegen. Die noch offenen Bewährungsstrafen des 25-Jährigen summieren sich auf 18 Monate. „Die ­werden fällig, wenn er zu einer Haftstrafe verurteilt würde“, sagt der Anwalt.

Richter Blattner folgt in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die 2,6 Promille, die sich der Beschuldigte vergangenen Mai angesoffen hatte, bedeuten am Ende ein lange Haftstrafe.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: