Ein Paar Handschellen Foto: dpa

Wegen Körperverletzung steht eine psychisch Kranke vor Gericht.

Eine 32-Jährige aus Holzgerlingen und ihr 29 Jahre alter Ex-Freund stehen vor Gericht, weil sie beim Sommerfest der Narrengruppe Weil der Städter Zigeuner einen Gast angegriffen und verletzt haben sollen. Die beiden Angeklagten sind nach eigenen Angaben psychisch krank. Die Beschuldigte wurde von Justizbeamten in den Gerichtssaal begleitet. Wegen Betrugs wurde sie zu einer viermonatigen Haftstrafe verurteilt.

Am 28. August 2010 findet im Weil der Städter Spitalhof ein Sommerfest der Narrenzunft statt. Gegen 22 Uhr sorgen die 32-Jährige und ihr Begleiter das erste Mal für Ärger. An einem Döner-Stand gibt es Streit mit einem der Angestellten, die Beschuldigte soll dem Mann einen Schlag verpasst haben. Kurz vor Mitternacht geraten die beiden erneut in eine Auseinandersetzung. Diesmal soll die Angeklagte einem damals 22-Jährigen ein Whiskey-Glas mit voller Wucht ins Gesicht geschlagen haben. Die Narbe im Gesicht des Mannes ist bis heute deutlich zu sehen. „Wir haben uns wegen einer Kleinigkeit gestritten. Der Schlag kam ohne Vorwarnung“, sagt der Geschädigte vor Gericht. Der damalige Freund der 32-Jährigen, soll sich zu diesem Zeitpunkt in den Streit eingemischt haben. In der Anklageschrift heißt es: „Er hat sich auf den Geschädigten gesetzt und versucht ihn mit den Fäusten ins Gesicht zu schlagen.“

Widerstand gegen die Polizei

Die Polizei löst noch in der selben Nacht eine Fahndung aus. Die Beamten lesen die Gesuchte gegen 1.40 Uhr am Bahnhof auf. „Die Beschreibung passte. Daher wollten wir die Frau mit aufs Revier nehmen“, sagt einer der Polizisten, die die Festnahme durchführten. „Auf einmal war es, als sei bei der Frau ein Schalter umgelegt worden“, sagt der Beamte weiter, „sie hat angefangen wild um sich zu schlagen, nach uns zu treten und uns gebissen.“ Auch bei einer späteren Festnahme im Sommer 2011 soll sich die Frau nach Angeben der Staatsanwaltschaft heftig gegen die Polizei zur Wehr gesetzt haben. „Sie hat sie Beamten mit einer Taschenlampe beworfen und erneut gebissen.“ Der Grund für das Verhalten der Frau: „Ich habe Angst vor der Polizei. Das hat mit meiner Vergangenheit zu tun“, sagt sie vor Gericht. Wie ein Gutachten bestätigt, leidet die Angeklagte an einer Persönlichkeitsstörung. „Sie wurden als Kind missbraucht, wurden von ihren Eltern geschlagen und haben schlechte Erfahrungen mit der Polizei gemacht“, stellt die Richterin Jasmin Steinhart fest.

Auch ihr Ex-Freund hat schon mehrere Aufenthalte in der Psychiatrie hinter sich. „Ich war schon acht oder neun Mal in einer geschlossenen Anstalt“, sagt er bei seiner Vernehmung, „manchmal bin ich freiwillig gegangen, manchmal wurde ich von der Polizei zwangseingewiesen. Mein Problem ist, ich verletzte mich meistens selbst.“ Auf seinem linken Oberarm sind deutliche Spuren von Schnitten und ausgedrückten Zigaretten zu erkennen.

Urteil vertagt

Die Verhandlung gegen die 32-Jährige konnte am Mittwoch nicht zu Ende geführt werden. Der Verteidiger der Angeklagten hatte vor Prozessbeginn ein umfassendes Geständnis seiner Mandantin angekündigt. Das Gericht hatte daher auf eine Vielzahl von Zeugen verzichtet. Unter Tränen gab die Beschuldigte jedoch an, sich an so gut wie nichts erinnern zu können. Der Prozess gegen die psychisch kranke Frau wird am 1. August fortgesetzt.

Das Verfahren gegen ihren Ex-Freund wurde gegen Zahlung einer Geldbuße in Höhe von 300 Euro eingestellt. „Ich bin davon überzeugt, dass Sie bei der Schlägerei mitgemischt haben“, sagte Richterin Steinhart, „allerdings hat Sie keiner der Zeugen einwandfrei erkennen können.“

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