OB Schuler begrüßt seine neuen Auszubildenden. Foto: Stadt

Genau 49 junge Menschen beginnen eine Ausbildung oder ein Praktikum bei der Verwaltung. Diese bietet eine Vielzahl von Möglichkeiten an. So sind unter den Neuzugängen etwa zwei Mütter, die in Teilzeit lernen.

Leonberg - „Wer Arbeit kennt und zu ihr rennt, und sich nicht drückt, der ist verrückt.“ Dass der Leonberger Oberbürgermeister gern auf berühmte Zitate zurückgreift, ist bekannt. Dass er bei der Begrüßung der neuen Auszubildenden der Stadt Leonberg aber auf einen Spruch der Comic-Enten Tick, Trick und Track zurückgreift, darüber müssen sogar die jungen Neuzugänge lachen. Doch Schuler wäre nicht Schuler, wenn er nicht noch einen weisen Satz parat hätte: „Wer einen Beruf findet, der ihm Spaß macht, wird niemals arbeiten müssen.“ Der stammt von Konfuzius. Viel Spaß wünscht der Oberbürgermeister seinen neuen 49 Mitarbeitern und lobt die Bandbreite an Ausbildungsmöglichkeiten bei der Stadt Leonberg.

In sechs verschiedenen Bereichen werden die Auszubildenden und Praktikanten arbeiten. Den größten Teil stellen auch in diesem Jahr die Erzieher. Das liegt aber vor allem an der Art der Ausbildung. „Es gibt zum einen den klassischen Weg mit drei Jahren Schule und einem Jahr Anerkennungspraktikum“, erklärt Kristina Disendorf, die Ausbildungsleiterin der Stadt. Diese Mitarbeiter bleiben dann auch nur ein Jahr in der Lehre, in dem sie auch eine Vergütung erhalten. Der andere Weg ist die duale Ausbildung. „Sie dauert drei Jahre. Zwei Tage pro Woche sind die Auszubildenden in der Schule und zwei Tage im Betrieb“, führt Disendorf aus. PIA nennt sich das Projekt und steht für Praxisintegrierte Ausbildung. Hier wird die ganzen drei Jahre nach dem Tarifvertrag für Ausbildung im öffentlichen Dienst gezahlt. Dazu kommen in diesem Jahr auch Sozialpraktikanten und Praktikanten des Berufskollegs Soziales. Insgesamt 37 neue Mitarbeiter hat die Stadt im Bereich Erziehung, darunter auch einen Mann. „Die Erzieher sind aktuell die größte kommunale Beschäftigungsgruppe. Wenn man die Mitarbeiter der Kindergärten in freier Trägerschaft, etwa die Waldkindergärten, dazu zählt, arbeiten in der Erziehung mehr Menschen als in der Stadtverwaltung selbst“, sagt OB Schuler. Im Jahr 1963 seien es gerade mal vier Erzieher gewesen.

Dabei geht die Stadt seit Kurzem auch neue Wege und bietet speziell für Mütter eine Ausbildung in Teilzeit an. Diese Möglichkeit nehmen im neuen Azubi-Jahrgang zwei Frauen wahr. Tina Baldauf ist eine von ihnen. Die Rutesheimerin hat zwei Kinder. „Ich möchte Heilpädagogin werden und dafür brauche ich die Erzieherausbildung“, sagt die 37-Jährige, die vor ihren Kindern bereits einen anderen Beruf erlernt hat. Seit zweieinhalb Jahren arbeitet sie als Springkraft in verschiedenen Leonberger Kindergärten. Zuletzt betreute sie als Integrationshilfe ein hörgeschädigtes Kind. „Ich bin froh, dass es die Möglichkeit zur Ausbildung in Teilzeit gibt“, meint Baldauf.

Doch auch in der klassischen Verwaltung bildet die Stadt aus. So haben sich vier junge Menschen für eine Beamtenlaufbahn im höheren Dienst entschieden. „Sie verbringen bei uns ihr Einführungspraktikum, das sechs Monate dauert. Danach gehen sie an die Hochschule für öffentliche Verwaltung und Finanzen“, erläutert die Ausbildungsleiterin. Dazu kommen vier angehende Verwaltungsfachangestellte, die in der Regel über einen Realschulabschluss verfügen. „Hier bieten wir die Möglichkeit, berufsbegleitend die Fachhochschulreife zu machen. Dafür gibt es zusätzlichen Unterricht“, erklärt die Ausbildungsleiterin Kristina Disendorf. Unter den neuen Azubis sind zudem ein Informatikkaufmann und ein Fachangestellter für Medien- und Informationsdienste. Letzterer wird in der Stadtbücherei lernen. Auch zwei angehende Sozialpädagogen hatten ihren ersten Arbeitstag. Sie verbringen im Wechsel drei Monate in der Praxisphase und drei Monate an der Dualen Hochschule, die frühere Berufsakademie.

Doch bevor der Azubi-Alltag beginnt, hat Kristina Disendorf eine Einführungswoche organisiert. So stand am Montag eine Altstadtführung auf dem Programm. Denn von den Neuzugängen stammt fast die Hälfte nicht aus dem Kreis Böblingen. Am Dienstag kümmern sich die älteren Azubis um den Nachwuchs und zeigen ihnen die verschiedenen Ämter und Abteilungen. Auch ein Besuch im Landtag und ein erlebnispädagogischer Tag sind geplant. „Diese Woche bereitet die Jugendlichen mit praktischen Tipps und Spaß auf ihre Arbeit vor“, meint Disendorf. Nur die Erzieher müssen schon seit Dienstag an ihren jeweiligen Ausbildungsstationen ran.

Wenn die Einführungswoche vorüber ist, richtet sich der Blick der Ausbildungsleiterin schon auf den nächsten Jahrgang. So ist die Stadt am 10. Oktober bei der Ausbildungsplatzbörse Interkom dabei. Und am 24. Oktober endet bereits die Bewerbungsfrist für das nächste Jahr. Dabei hofft Kristina Disendorf auch auf Interessenten für zwei weitere Ausbildungsfelder. „Wir suchen für 2015 wieder einen angehenden Fachangestellten für Bädertechnik. Da hatten wir zuletzt ausgesetzt, weil zum einen Bewerber schwer zu finden sind und zum anderen ja das Hallenbad saniert wurde“, berichtet sie. Erfolglos habe man zudem nach einer angehenden Fachkraft für Abwassertechnik gesucht. „In beiden Berufen nehmen wir auch Bewerber mit einem guten Hauptschulabschluss.“

Ausbildung 2015 und Interkom

Stadt Leonberg
: Bewerbungsschluss ist am 24. Oktober, für den Bachelor-Studiengang Public Management (gehobener Verwaltungsdienst) am 21. November. Weitere Informationen zu den Ausbildungsberufen und die Stellenausschreibungen gibt es auf der Internetseite der Stadt www.leonberg.de/Bürger-Stadt unter dem Punkt Ausbildung.

Erzieher: Bei der Stadt Leonberg können auch Vorpraktika und ein Freiwilliges Soziales Jahr in Kinderbetreuungseinrichtungen absolviert werden.

Ausbildungsplatzbörse: Die Interkom findet am 10. Oktober in der Rankbachhalle in Renningen statt. Von 9 bis 16 Uhr stellen sich Unternehmen aus dem gesamten Kreis Böblingen vor und präsentieren ihre Ausbildungsgänge. Außerdem sind die Stadt Leonberg sowie weitere öffentliche Arbeitgeber, wie etwa die Polizei, vor Ort. Schüler finden auf der interkommunalen Ausbildungsplatzbörse Ansprechpartner zu den verschiedenen Berufszweigen und Ausbildungsangeboten. Außerdem gibt es Vorträge zu Bewerbungen sowie zur beruflichen und finanziellen Unterstützung.

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