Der Pausenhof der Gerhart-Hauptmann-Realschule Foto: factum/Archiv

Zwei Schulen haben sich auf den Weg zur Gemeinschaftsschule gemacht. Der Gemeinderat muss sich noch in diesem Monat für eine entscheiden. Wir stellen die Konzepte der Kandidaten vor – heute das der Gerhart-Hauptmann-Realschule.

Leonberg - Die Gemeinschaftsschule, kurz GMS, wird vom Land besser behandelt. Diese Aussage stammt von Bernd Schneider, dem Co-Rektor der Leonberger Gerhart-Hauptmann-Realschule (GHR). Der stellvertretende Schulleiter hofft, unter dem Siegel der neuen Schulform ­besser auf die Herausforderungen des ­Alltags reagieren zu können.

„Wenn ich mir unsere heutigen Schüler ansehe, dann sind wir schon jetzt eine ­Gemeinschaftsschule“, sagt Schneider, „besonders seit dem Wegfall der ­verbindlichen Grundschulempfehlung.“ Von 13 Klassen ist die GHR in den ­vergangenen Jahren auf 20 angewachsen. Gymnasiasten, die mit dem achtjährigen Abitur überfordert sind, drängen genauso an die Realschule wie Kinder mit ­Hauptschulempfehlung, die von ihren ­Eltern höher eingeschätzt werden. „Wir hätten weniger Schüler in den Klassen und mehr Lehrer, wenn man uns zur ­Gemeinschaftsschule erklären würde“, ­erläutert Schneider die Vorteile der neuen Schulform, „das meine ich, wenn ich sage, die Schule wird besser behandelt.“ Die GHR hat sich für diesen Zweck mit der Schellingschule ­zusammengetan. „Es soll von Klasse fünf an eine Schule ­werden“, erklärt der Co-Rektor.

Im Unterschied zur August-Lämmle-Schule im Stadtteil Ramtel denkt man im Zentrum über das Abitur an der Gemeinschaftsschule nach. „Wir wollen eine Oberstufe etablieren“, sagt Schneider und fügt hinzu: „Hier soll keine sterbende Hauptschule gerettet ­werden.“ Durch die Aussicht auf einen ­höheren Bildungsabschluss will Schneider sein Angebot attraktiv ­machen. „Nur mit einer guten Mischung an Schülern und mit einer gewissen Menge potenzieller Gymnasiasten darunter, kann eine solche Schule funktionieren“, sagt er.

Vieles im täglichen Ablauf an der GHR erinnert derzeit noch nicht an eine ­Gemeinschaftsschule nach Vorbild der ­Geschwister-Scholl-Schule in Tübingen. Dort wird das Modell seit sechs ­Jahren umgesetzt, und dort haben die Leonberger Pädagogen mehrfach Informationen eingeholt. Doch einiges wurde ­bereits umgestellt. „Wir haben in Klasse fünf damit begonnen, die Hauptfächer ­in allen Klassen parallel zu unterrichten“, ­erklärt Schneider. „Wenn alle gleichzeitig Mathe haben, ist es möglich, sich klassenübergreifend auszutauschen.“ Die Schüler lernen häufig gemeinsam. „Das ist die ­Vorstufe für das individuelle Lernen“, sagt Schneider.

Dieter Bölz-Hohkamp, der Leiter der benachbarten Schellingschule, freut sich, beim Antrag der GHR dabei zu sein: „Es gab bereits Lernreisen und pädagogische Nachmittage“, beschreibt er die ­Zusammenarbeit mit den Kollegen. „Das wichtigste ist, dass wir begabte Kinder ­anlocken, damit das Konzept der ­Gemeinschaftsschule aufgehen kann“, sagt Bölz-Hohkamp weiter, „ohne die Chance auf ein Abitur wird uns das aber kaum ­gelingen.“ Dazu kommt: „Ich finde die Lage der beiden Schulen im Stadtzentrum ­besonders geeignet.“ Mit der Johannes-Kepler- und der Albert-Schweitzer-Lehranstalt liegen zwei Gymnasien in unmittelbarer ­Nachbarschaft. „Dazu haben wir die Mensa Triangel genau vor der Tür“, sagt der ­Schulleiter. Und auch Bernd Schneider ist davon überzeugt: „Eine Kooperation mit den Gymnasien wird wachsen.“ Wie diese ­genau aussehen wird, ist derzeit noch nicht klar: „Die erste GMS-Klasse würde in sieben Jahren ihren Abschluss machen“, sagt Schneider und fügt hinzu: „Das liegt aus heutiger Sicht ja noch in ­ferner Zukunft.“

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