Foto: factum/Bach

Der Vorsitzende des Gesamtelternbeirats Ralf Hawlitschka will, dass viele begabte Kinder die erste Gemeinschaftsschule der Stadt besuchen. Den Wunsch nach einer Oberstufe an der neuen Schule teilen laut einer städtischen Umfrage viele Eltern.

Leonberg - Welche Schule soll Ihr Kind künftig besuchen?“, „Welche Grundschulempfehlung wird Ihr Kind erhalten?“ oder „Würden Sie ihr Kind auf eine Gemeinschaftsschule schicken?“ Diese und weitere Fragen hat die Stadt den Eltern der Leonberger Grundschüler gestellt – 1485 Fragebögen wurden ausgeteilt, 699 Eltern haben geantwortet. Die Umfrage soll als Entscheidungshilfe bei der Wahl des richtigen Standorts für die erste Gemeinschaftsschule der Stadt dienen.

Die Entscheidung, wo die neue Schulform in Leonberg aus der Taufe gehoben wird, bedeutet auch, sich auf einen Gemeinschaftsschultyp festzulegen – mit den zwei Kandidaten stehen sich grundverschiedene Konzepte gegenüber. Die August-Lämmle-Schule, eine Grund- und Werkrealschule, will GMS von Klasse eins bis zehn sein, die Gerhart-Hauptmann-Realschule will ein Angebot für die Klassen 5 bis 13 schaffen und die Schüler möglicherweise bis zum Abitur führen.

Ein Streitpunkt in der Diskussion der vergangenen anderthalb Jahre war es, wie genügend potenzielle Gymnasiasten für die neue Schule gewonnen werden können. „Eine Gemeinschaftsschule braucht eine sehr gemischte Schülerschaft, um zu funktionieren“, sagt der Vorsitzende des Leonberger Gesamtelternbeirats, Ralf Hawlitschka, „das belegt auch die jüngste Studie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). Es braucht einen gewissen Anteil starker Schüler.“ Nur so könne das gemeinsame Lernen für alle fruchtbar sein. „Laut GEW reicht es nicht aus, an einer Gemeinschaftsschule das Abitur anzubieten, um starke Schüler zu gewinnen“, sagt der Elternvertreter, „dazu braucht es mittlerweile weitere Fördermöglichkeiten wie Wettbewerbe und Angebote für Hochbegabte.“

Seit dem Wegfall der verbindlichen Grundschulempfehlung liegt die Wahl der weiterführenden Schule allein bei den Eltern. In Leonberg tendieren diese stark in Richtung GMS mit Abitur. Gut ein Viertel der Eltern kann sich vorstellen, ihr Kind auf die neue Schulform zu schicken. Nur gut fünf Prozent davon würden sich jedoch für eine Gemeinschaftsschule mit einem Angebot von Klasse eins bis zehn entscheiden. Knapp 20 Prozent hingegen würden sich für die Variante mit der Möglichkeit zum Abitur, also die GMS von Klasse 5 bis 13, entscheiden.

Kritik an der Aussagekraft der Umfrage weist Elternvertreter Hawlitschka zurück. Befürworter des Antrags der August-Lämmle-Schule hatten angemahnt, besonders Familien aus bildungsfernen Schichten und Einwanderer seien von der Masse der Fragen und deren Formulierungen erschlagen und abgeschreckt worden. „Sie werden es nie schaffen, dass sie 100 Prozent Rücklauf bei einer solchen Umfrage erzielen“, sagt Hawlitschka und fügt hinzu: „Ich halte die Umfrage für absolut repräsentativ.“ Die Fragebögen wurden an den Grundschulen der Stadt ausgeteilt und mussten von den Eltern beantwortet und per Post zurückgeschickt werden.

Gefragt, was er davon halte, dass der Gemeinderat die Schulentscheidung wohl noch aufschieben wolle, antwortet der Elternvertreter: „Unter der Prämisse, dass noch relevante Infos aus dem Kultusministerium kommen, halte ich es für richtig, noch zu warten.“ Genug Zeit, um dann fristgerecht zum 1. Oktober einen Antrag beim Land stellen zu können, bleibt laut Ralf Hawlitschka dennoch. „Die Konzepte der beiden Schulen müssen ja ohnehin jetzt schon fertig sein, egal ob der Gemeinderat vor oder nach den Sommerferien entscheidet“, sagt er. Dabei hat es der Elternvertreter in keiner Weise eilig: „Wenn sich der Gemeinderat für eine Schule entschieden hat, müsste die wegen mir nicht gleich im nächsten Jahr starten.“

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