Neben den großen Parteien buhlen auch Kleine wie Alfa um Stimmen. Foto: factum/Bach

Neben den Kandidaten der sechs „Großen“ treten in den beiden Wahlkreisen jeweils vier weitere Bewerber an. Die Piraten, die AfD-Abspaltung Alfa, die ÖDP oder die Satiretruppe „Die Partei“ kämpfen fernab der großen Bühne.

Leonberg/Böblingen - Die mediale Aufmerksamkeit konzentriert sich ganz auf das Duell Kretschmann gegen Wolf auf Landesebene, im Wahlkreis vielleicht um das Direktmandat, das hierzulande meist an die CDU geht. Oder um Zweitmandate der sechs großen Parteien, die über oder knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde liegen. Doch der Wähler hat in den beiden Wahlkreisen noch mehr Auswahlmöglichkeiten. Daher hier ein Blick auf die „Kleinen“.

Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa)

Relativ aktiv und mit Plakaten präsent ist diese Partei. Sie versammelt die Rechtsliberalen, die sich nach der Machtübernahme von Frauke Petry von der AfD abgespalten und eine neue Partei gegründet haben. Im Wahlkreis 6 (Leonberg) kandidiert der Unternehmensberater Gert Widmann aus Korntal-Münchingen, der auch Landesgeschäftsführer ist. Landesweit hat die Partei derzeit knapp 550 Mitglieder. „Mir missfällt, dass sich manche Leute mit der Vermietung von Immobilien an Flüchtlinge eine goldene Nase verdienen“, sagt der 57-jährige Unternehmensberater, der sich gegen die AfD abgrenzt: „Wir sind für die Mitgliedschaft in der Nato und für ein freundschaftliches Verhältnis zu Russland.“ Die AfD kippe rechts weg, sagt Widmann, der früher selbst Ludwigsburger Kreissprecher der AfD war. Im Wahlkreis 5 (Böblingen) tritt die Partei mit der Unternehmerin Gisela Medeck an, die in Aspach wohnt.

Piratenpartei

Um die Partei von jungen Netzaktivisten ist es ruhig geworden. Der Kandidat im Wahlkreis 6, der Herrenberger Informatiker Michael Armbrecht, konnte erst in letzter Minute genügend Unterschriften vorlegen. Armbrecht tritt kaum im Wahlkampf auf und ist nicht mal auf der Piraten-Homepage mit Bild oder Kontaktadresse präsent. Der Böblinger Bewerber Christian Pietsch ist Justizbeamter und Jahrgang 1978. Er ist 2012 in Berlin in die Netzpartei eingetreten, nach seinem Umzug wurde er Landtagskandidat. Pietsch möchte neben mehr direkter Demokratie auch mehr Personal für Polizei und Justiz einstellen – für die linksliberale Partei ungewöhnlich. Im Jahr 2011 erreichten die Piraten zwei Prozent.

Ökologisch-Demokratische Partei (ÖDP)

Die 1982 als konservativer Widerpart zu den Grünen gegründete ÖDP hält sich seit vielen Jahren im Ländle ganz passabel, seit 1994 hat die Gruppe ein Mandat in der Regionalversammlung. In beiden Wahlkreisen erreichte sie 2011 rund 0,5 Prozent. Die ÖDP tritt diesmal nicht in Böblingen an, nur im Wahlkreis Leonberg. Und zwar mit dem 22-jährigen Tobias Paret aus Herrenberg, der jüngste Kandidat im Kreis. „Die junge Generation braucht eine Stimme, sie muss ja die Folgen heutiger Entscheidungen tragen“, begründet er seine Kandidatur. Paret studiert Erneuerbare Energien und hat sogar eine eigene Wahlkampf-Homepage unter www.tobias-paret.de. Er kämpft gegen das Freihandelsabkommen TTIP, will Flüchtlingen helfen und die Ursachen für ihre Flucht beseitigen.

Republikaner (REP)

Ihre stärkste Phase hatten die Ultrarechten in den 90er-Jahren. Ihr letzter Mandatsträger, der Regionalrat Ulrich Deusch­le, ist 2015 zur AfD übergetreten. Der Bundesvorsitzende Rolf Schlierer saß bis 2014 im Stuttgarter Gemeinderat. Im Wahlkreis 6 kandidiert der Geistliche Robert Lustinetz aus Leonberg. Er war bis vor Kurzem Oberhaupt einer freien katholischen Gemeinde in Duisburg. Im Wahlkreis 5 kandidiert der 63-jährige Sanitärinstallateur Wolfgang Großkopf aus Waldenbuch. Beide machen wenig Wahlkampf. Ergebnis vor fünf Jahren: knapp unter einem Prozent.

Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD)

In beiden Wahlkreisen kandidiert die rechtsextreme Partei, die möglicherweise verboten wird, mit dem Kreisrat Janus Nowak. Der 38-jährige IT-Unternehmer sitzt seit 2009 im Kreisparlament und ergreift dort nur recht selten das Wort. Nowak wurde 2010 vom Böblinger Amtsgericht wegen Volksverhetzung zu einer Bewährungsstrafe verurteilt, weil er die KZ-Gedenkstätte in Hailfingen als „pompöses Holocaust-Mahnmal“ und die 600 Insassen des KZ als „jüdische Kriegsgefangene“ bezeichnet hat. Nowak ist der Polizei zufolge ein Brückenkopf zur rechten Szene.

Die PARTEI

Die Satiretruppe des ehemaligen Titanic-Chefredakteurs Martin Sonneborn tritt nur im Wahlkreis Böblingen mit Julian Heinkele an. Sonneborn ist Chef des Stuttgarter Kreisverbandes. Seine Forderungen: ein „Stausee 21“ in Stuttgart und die „Vertretung von Schwaben weltweit“.

Wer darf kandidieren?

Parteien im Landtag
Die bereits im Landesparlament sitzenden Parteien müssen für die Kandidaten in ihren Wahlkreisen lediglich die Unterschrift von drei Landesvorstandsmitgliedern vorweisen. Wie bei allen Parteien, müssen die Wahlkreisbewerber in einer internen Parteiversammlung gewählt werden.

Andere Parteien und Einzelbewerber Die übrigen Parteien, die in der vergangenen Legislaturperiode nicht im Landtag vertreten sind, müssen neben den Unterschriften von drei Vorstandsmitgliedern auch 150 Voten von wahlberechtigten Bürgern aus dem entsprechenden Wahlkreis vorweisen. Möglich sind auch Einzelbewerber ohne Parteibindung, auch diese müssen 150 Unterschriften vorlegen.

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