Wegen Betrugs muss der 45-Jährige für dreieinhalb Jahre ins Gefängnis. Foto: dpa

Er erschlich sich ein Darlehen, das er nie zurückzahlte. Außerdem tauschte er wertvolle Geldmünzen gehen wertlose aus. Zudem soll er 100 000 Euro Bargeld gestohlen haben. Dafür muss der 45-Jährige für drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Leonberg - Der Richter sprach von einem „gewaltigen Schaden, den man am Amtsgericht nur selten hat“. Im Raum stand eine Summe von 270 000 Euro, die ein 45-Jähriger einem Rentner aus dem Altkreis abgeknöpft hatte. Nun ist der aus der Nähe von Pforzheim stammende Mann wegen Diebstahls sowie Betrugs in drei Fällen am Leonberger Schöffengericht zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden.

Der Frührentner konnte es auch noch vor Gericht kaum fassen, dass er dem Betrüger auf den Leim gegangen war. „Ich bin einfach ein gutmütiger Depp“, gestand der 62-Jährige ohne Umschweife. Womöglich schon bei der allerersten Begegnung 2013 wurde dem Betrüger klar, dass er in dem Rentner eine „Gans fand, die er rupfen kann“, wie es der Staatsanwalt formulierte.

Damals plapperte der Senior frei heraus, dass er mit dem Gedanken spielte, eines seiner beiden Häuser zu verkaufen .

Was in der Folge entstand, nannte der seit November 2014 inhaftierte Mann ein „Vater-Sohn-Verhältnis“. Mehrmals in der Woche war er eigener Aussage nach bei dem Rentner gewesen und hatte ihm bei dem Verkauf des elterlichen Hauses geholfen und war damit im Bilde über die finanzielle Lage des 62-Jährigen.

Im Februar 2014 überredete er den gutgläubigen Mann, ihm eine Schatulle mit 24 Goldmünzen auszuhändigen, um den Wert der Sammlung schätzen zu lassen. Nach langem Hin und Her brachte er die Schatulle schließlich zurück, doch was sich darin befand, waren keine Münzen aus Gold, sondern deutlich wertlosere Geldstücke.

Die Alarmglocken schrillten dennoch nicht bei dem Rentner. Und so gewährte er dem Mann zur Begleichung von Altschulden zunächst ein Darlehen über 20 000 Euro, bevor er sich wenig später damit einverstanden erklärte, ihm zur Finanzierung einer angeblichen Abschleppfirma weitere 150 000 Euro zu leihen. Wobei der Angeklagte in beiden Fällen schriftlich zusicherte, das Geld in monatlichen Raten zurückzuzahlen. Doch dazu kam es nicht.

Als wäre dies nicht genug, entwendete er unter dem Vorwand, die Toilette benutzen zu wollen, auch noch 100 000 Euro aus dem Schlafzimmer des Mannes, der ihn unbeaufsichtigt ins Haus gelassen hatte. Wo das Geld deponiert war, wusste der 45-Jährige aus früheren Gesprächen.

Auf wen sich der Senior eingelassen hatte, war ihm eigener Aussage nach nicht klar. Denn seine zweifelhafte Vergangenheit hatte ihm der Angeklagte verschwiegen. Als Kfz-Mechaniker mit eigener Werkstatt rutschte er seinerzeit in die Insolvenz und schleppte seitdem Schulden von über 150 000 Euro mit sich. Außerdem saß er nicht zum ersten Mal auf der Anklagebank.

Schon früher musste er sich wegen Unterschlagung sowie Betrugs vor Gericht verantworten. Dabei bot er wiederholt Autos zum Verkauf an, die ihm gar nicht gehörten, und stand deswegen zur Tatzeit auch unter mehrfacher Bewährung.

Für den Vorsitzenden Amtsrichter Armin Blattner hatte der Angeklagte die Leichtgläubigkeit des Rentners auf „drastische Weise ausgenutzt“. Neben der Haftstrafe ordnete der Richter eine Vermögensabschöpfung an.

Denn bei der Hausdurchsuchung wurden rund 30 000 Euro Bargeld und mehrere Luxus-Motorräder sichergestellt. Damit kann der 62-Jährige zumindest auf eine teilweise Entschädigung hoffen.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: