Cornelia Elsäßer liest den Kindern im Waldkindergarten vor und zeigt, wie sich Wildschwein Rosi hinter dem Foto: factum/Bach

Weihnachtlich geht es derzeit im Waldkindergarten zu. Um 11 Uhr werden im Bauwagen Kerzen angezündet und Geschichten vorgelesen. Doch im Winter sind die Kinder ebenfalls die meiste Zeit draußen.

Leonberg - Ein lautes Rascheln ertönt rings um das Seehaus. Doch es ist nicht der Wind, der durch die toten Blätter der Bäume fährt. Schneegraupel fällt vom Himmel herab, immer mehr, immer schneller, und bedeckt Wege und Laub am Boden. „Ja, Schnee“, rufen die Kinder des Waldkindergartens am Seehaus. Auch wenn es noch nicht für einen Schneemann reicht. „Schnee ist cool“, sagt ein Mädchen und strahlt. „Und wenn es richtig geschneit hat, dann können wir wieder mit den Po-Rutschern fahren“, meint Cornelia Elsäßer, die Leiterin, und erntet ein enthusiastisches „Jaaaa!“.

Es ist 11 Uhr. Gerade sind die 15 Kinder fertig mit ihrem Vormittagsvesper im Bauwagen und packen Brotdosen und Thermoskannen wieder weg. Dann schickt sie die sechs Jungen und neun Mädchen noch schnell zum „Pipi machen“. Wie es sich für einen Waldkindergarten gehört, wird das „Geschäft“ draußen erledigt. Dafür gibt es es extra zwei Pipi-Bäume. Einen für Jungen, einen für Mädchen. Mit heruntergelassener Hose kommt ein Zwerg zur Tür des Bauwagens herein. „Die neueste Angewohnheit“, meint die Leiterin des Waldkindergartens und schimpft ein wenig. In der Holzhütte etwas abseits des Seehauses ist es mollig warm. Gerade wurden neue Holzscheite in den Ofen nachgelegt und Cornelia Elsäßer räumt im Bauwagen um. Dann setzt sie sich neben den kleinen Weihnachtsbaum, zündet zwei Kerzen am Adventskranz an und schart ihre Kleinen um sich, wie an jedem Wochentag im Dezember.

Die Sozialarbeiterin liest eine Fortsetzungsgeschichte über die Waldtiere vor, die der Esel Elias kennenlernt, nachdem er seinem Hirten davongelaufen ist. Das Wildschwein Rosi etwa hat Angst vor ihm und versteckt sich hinter einem Reh. Cornelia Elsäßer hält das Buch hoch. „Seht ihr, das Wildschwein ist viel zu breit, da schaut links und rechts noch der Bauch raus.“ Elin darf dann den Sticker mit Rosi, dem Wildschwein, ans Fenster zu den anderen Tieren kleben. Jeden Tag kommt ein Neues dazu.

„Guckt mal, das Wildschwein hat richtig Angst, genauso wie die Schweine im Stall, die wir heute morgen geweckt haben“, sagt Cornelia Elsäßer und die Kinder nicken. Gegen 7.30 Uhr werden sie jeden morgen von ihren Eltern in den Waldkindergarten gebracht. Dann kümmern sich die insgesamt 16 Kinder zwischen zwei und vier Jahren erst einmal um die Tiere. Neben den Schweinen sind das eine Ziege, mehrere Hühner und Kaninchen. Gegen 9 Uhr folgt der Morgenkreis mit Spielen und Liedern. Danach geht es in den Wald zum Toben und Spielen, bis das Vormittagsvesper ansteht.

Die Matschhosen, die die Kinder über ihren normalen Hosen tragen, und die festen Schuhe, die auch deutliche Schlammspuren tragen, haben sie gleich angelassen. Denn nach der kleinen Adventsfeier geht es zurück in den Wald. Zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter, sind die Kleinen draußen. Außer, wenn Sturm angesagt ist und der Wald zu gefährlich ist. „Dann gehen wir in die Reithalle oder in die Zimmerei“, berichtet die Leiterin. Drei Betreuerinnen kümmern sich um die Waldzwerge, neben Cornelia Elsäßer sind das eine Kindergartenpädagogin und eine angehende Erzieherin, die hier ihr Anerkennungspraktikum ableistet. Eine weitere Angestellte des Seehauses hilft aus, wenn eine der drei einmal nicht da ist. Jeden Tag in der Adventszeit darf eines der Kinder ein Geschenk auspacken. Heute ist Lea-Marie dran. Das kleine blonde Mädchen klettert bei Elsäßer auf den Schoß. Gemeinsam schneiden sie die Verpackung aus dickem braunen Papier auf. Doch was ist das? „Der Nikolaus ist ja festgebunden!“ Also wird auch dieser kurzerhand freigeschnitten. Ein kleines Büchlein gibt es obendrein.

Jetzt haben sie aber lang genug ruhig in der Hütte gesessen, finden die Kinder. Schließlich sind sie es gewöhnt, den ganzen Tag draußen zu sein und sich zu bewegen. Über die bunten Fleece-Pullover ziehen die Kinder dicke Jacken. Auch die Wollmützen dürfen nicht fehlen. Und schwuppdiwupp, sind sie wieder im Wald. „So um halb zwei rum werden die Kleinen wieder abgeholt. Und dann sind sie wirklich platt“, sagt Cornelia Elsäßer und lacht. Doch noch ist es nicht so weit. Die gute Laune lassen sich die Kinder auch nicht davon verderben, dass die großen Schneekörner mittlerweile weggetaut sind. Irgendwann wird der Winter richtig kommen. „Und dann bauen wir einen Schneeeeeemann“, rufen sie und laufen in den Wald.

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