Rund 100 Antifa demonstrieren in Leonberg. Foto: LKZ

Die Polizei reagiert mit einem Großaufgebot auf eine Demonstration von Nazi-Gegnern.

Leonberg - In der kommenden Woche beginnt vor dem Leonberger Amtsgericht der Prozess gegen einen mutmaßlichen Neo-Nazi. Gestern Abend marschierten mit Blick auf den bevorstehenden Prozess linksgerichtete Demonstranten durch Leonberg, um gegen rechte Gewalt zu protestieren. Nach Polizeiangaben ­nahmen rund 100 Antifaschisten an dem Protestzug teil. Die Beamten waren mit einem Großaufgebot vor Ort, da sie Krawalle befürchteten. Bis zum Redaktionsschluss unserer Zeitung blieb die Lage friedlich.

Im März vergangenen Jahres soll ein 21-jähriger Neo-Nazi einem 17-Jährigen aus dem politisch linken Lager in der ­Leonberger Altstadt mit einer Gaspistole aus kurzer Entfernung ins Gesicht ­geschossen haben. Das Opfer erlitt schwere Verletzungen am Auge und musste ­mehrfach operiert ­werden.

Vor dem gestrigen Protestzug hat es, nach Angaben der Polizei, aus dem Lager der Nazi-Gegner Aufrufe zur Gewalt gegeben. „Das Parkhaus am Bahnhof, der Startpunkt der Demonstration, wurde in der Nacht auf Freitag mit einem solchen Appell zur Gewalt gegen Neo-Nazis beschmiert“, sagte Markus Geistler, der Leiter des Leonberger Polizeireviers, „der Schriftzug zog sich über drei Etagen der Parkgarage.“ Die Stadtverwaltung ließ den Schriftzug noch vor der Demonstration wieder übermalen. „Auch im Internet haben wir auf einschlägigen Seiten Aufforderungen ­gefunden, bei der Demonstration gewaltsam gegen Rechtsextreme oder die Polizei vorzugehen“, sagte der Revierleiter. Die Polizei nimmt die Gewalt-Appelle aus dem linken Lager durchaus ernst. „Wir rechnen damit, dass sich in Leonberg auch gewaltbereite Gruppen unter die Demonstranten ­mischen könnten“, sagte Geistler vor ­Beginn der Veranstaltung.

Die Route der Demonstranten führte am Freitag gegen 20.15 Uhr vom Bahnhof aus in die historische Altstadt. „Der ­Protestzug wird sich in Richtung einer ­Altstadtkneipe bewegen“, sagte Geistler. Auf der Straße vor der Gaststätte war es im März vergangenen Jahres zu der ­Auseinandersetzung zwischen Rechtsextremen und Autonomen gekommen, bei der der 17-Jährige schwer verletzt wurde. Der Gastwirt bekräftigt, mit der rechten Szene nichts zu tun zu haben: „Mein Laden ist kein Nazitreff. Ich habe vergangene Woche erst Typen mit Nazisymbolen auf der Kleindung vor die Tür gesetzt.“

Während die Geschäfte ringsum zur „romantischen Einkaufsnacht“ geöffnet hatten, hatte der Wirt trotz des EM-Toppspiels Deutschland gegen Griechenland seine Tür verriegelt und das Lokal abgedunkelt. Er fürchtete nach eigener Aussage eine Gegenreaktion der rechtsextremen Seite. Auf eine entsprechende Aktion hatte die Polizei ­allerdings keine Hinweise erhalten. Krawalle blieben bis Redaktionsschluss aus.

Die Antifaschisten haben zum Prozessbeginn am kommenden Donnerstag, 28. Juni, und zum Fortsetzungstermin am 5. Juli weitere Kundgebungen angekündigt. Die Organisatoren des Protestzugs ­haben ihre Anhänger aufgerufen, die ­Gerichtsverhandlung zu beobachten. Die Polizei hat am Freitag mit einem Großaufgebot auf die Gewaltaufrufe aus dem linken Lager ­reagiert. „Wir werden auch an den Prozesstagen vor Ort sein und Demonstrationen begleiten“, sagte Geistler.

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