ABC-Schützen auf dem Weg in die Schule Foto: dpa

Die August-Lämmle- und die Schellingschule bieten künftig kostenlos Betreuung bis zum Nachmittag an.

Leonberg - Auch die Kleinsten sollen von morgens bis nachmittags die Schule besuchen. Der Wandel zur Ganztagseinrichtung setzt sich nun bei den Grundschulen fort. In Leonberg starten mit der August-Lämmle-Schule (ALS) und der Schellingschule im Sommer 2013 die ersten Primarstufen mit einem offenem, das bedeutet freiwilligen Ganztagsangebot. Der Gemeinderat hat den Vorschlag der Verwaltung – nicht ohne Kritik – gebilligt.

„Diese Drucksache ist empörend“, wetterte die FDP-Stadträtin Ursula Schmidt, „das ist ein Schlag ins Gesicht der Eltern, die ihre Kinder zu Hause betreuen.“ Die Leistung der Familie bei der Kindererziehung dürfe nicht gering geschätzt werden.

„Wir wollten damit niemanden empören. Wir versuchen lediglich den Bedürfnissen der Eltern gerecht zu werden“, entgegnete der Oberbürgermeister Bernhard Schuler. Das Konzept von ALS und Schellingschule sieht vor, dass Unterricht, Bewegungspausen, Essen und Hausaufgaben über den ganzen Schultag verteilt werden.

Der Tag der ABC-Schützen beginnt somit um 8 und endet um 15 Uhr – ausgenommen der Freitag. „Wir wollen die Vereinbarkeit von Beruf und Familier fördern“, sagte Schuler im Gemeinderat. Laut Verwaltung befinden sich bereits 36,5 Prozent aller Grundschüler in einer Betreuung wie der „Verlässlichen Grundschule“ oder einem Hort. Doch diese Angebote sind vollkommen ausgelastet.

Ist die freiwillige Ganztagsgrundschule nur ein erster Schritt oder schon das Ende der Fahnenstange? „Es ist heutzutage üblich, dass beide Eltern einen Job haben, um über die Runden zu kommen“, sagte Bernd Murschel, der Fraktionsvorsitzende der Gabl-Liste. „Die offene Form ist daher nur ein erster Schritt. Pädagogisch sinnvoller und auf Dauer die besserer Lösung wäre ein gebundenes, also verpflichtendes Ganztagsangebot.“ Von diesem Ziel hält Dieter Bölz-Hohkamp, der Rektor der Schellingschule, aber nur wenig. „Man muss akzeptiere, dass es Eltern gibt, die ihr Kind lieber zu Hause betreuen wollen und das auch können. Daher halte ich nichts von einem Pflichtangebot“, sagte er.

Allerdings ist der Schulleiter davon überzeugt, dass das neue Angebot ein großes Bedürfnis der Eltern erfüllt. „Das Ganztagsprogramm an unseren Schulen ist bis auf das Mittagessen kostenlos“, erklärt Bölz-Hohkamp. Ein Platz im Hort oder in der verlässlichen Grundschulbetreuung kommen Eltern dagegen teuer zu stehen.

Um seinen Schülern weiterhin die ­Möglichkeit zu geben, sich außerhalb des Lehrplans musisch oder sportlich austoben zu können, will der Schulleiter die ­Zusammenarbeit mit Vereinen ausbauen. „Wir suchen die Kooperation bereits, es gibt überraschend viele Ehrenamtliche, die nachmittags Zeit haben, um mit den ­Kindern in der Schule zu turnen“, sagt Bölz-Hohkamp. Doch dass die Möglichkeiten der Verein an dieser Stelle begrenzt sind, sieht der Pädagoge ein: „Mittelfristig werden die Vereine aber hauptamtliche ­Mitarbeiter brauchen, um die Kooperationen mit den Ganztagsschulen leisten zu können“, ist er überzeugt.

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