Die 24 Container, in denen Obdachlose wohnen sollen, sind da. Foto: Stadt Leonberg

Im November sollen die ersten Alleinstehenden ohne Bleibe in die Wohnsiedlung am Aldi-Kreisel einziehen. Die Wohn-Container verfügen über eine Nasszelle und Küchenzeile und sind bereits geliefert.

Leonberg - Kümmert euch lieber um die Obdachlosen hier!“ Das ist ein gern bemühter Satz von Kritikern der aktuellen Asylpolitik in Deutschland. Zuständig dafür sind die Kommunen. In Leonberg können alleinstehende Menschen ohne Wohnung bald in eine neue Containersiedlung ziehen. Die Wohncontainer dafür stehen jetzt auf einem Gelände zwischen Bahnübergang und Aldi-Kreisel nahe der Gartenstadt. „Die mobilen Raumeinheiten sind aufgestellt und werden bis Ende nächster Woche angeschlossen“, teilt Undine Binder-Farr, die Sprecherin der Stadtverwaltung, mit. 24 dieser Module werden aufgestellt. Sie sind im Grunde ein Ein-Zimmer-Apartment mit eigener Nasszelle und Kochnische. Die Siedlung ähnelt der Unterkunft in der Rutesheimer Straße unterhalb des Pomeranzengartens.

Flüchtlinge werden hier am Aldi-Kreisel keine untergebracht. „Seit Jahren sind die Zahlen der alleinstehenden Obdachlosen stark steigend“, sagt Binder-Farr. Waren zu Beginn des Jahres 2010 noch 66 alleinstehende Obdachlose in städtischen Wohnungen oder Gebäuden untergebracht, sind es aktuell 94. Nicht für jeden gab es bisher eine eigene Wohnung. So leben mitunter mehrere zwangsweise gemeinsam in einer größeren Wohnung, was nicht immer reibungslos funktioniert. Betreut werden diese Menschen alle vom sozialen Dienst der Stadt. Insgesamt muss sich die Stadt Leonberg um Wohnraum für rund 250 Menschen kümmern: heimische Obdachlose und Familien, die ihre Wohnung verloren haben, aber auch Flüchtlinge, deren Asylverfahren abgeschlossen ist und die bleiben dürfen.

Einziehen im Lohlenbachtäle können die ersten Obdachlosen wohl Anfang November. Noch müssen die Container an Gas-, Wasser- und Stromleitungen angeschlossen werden. In der kommenden Woche sollen dann Heizungen und Lüftungen installiert werden. Anschließend wird draußen gepflastert und bepflanzt.

Über die Obdachlosenunterkunft hatte es lange Diskussionen gegeben. Vor allem die Kosten waren ein Streitpunkt. So hatten hohe Anforderungen an den Hochwasser-, Brand- und Lärmschutz die Kosten nach oben getrieben – die Siedlung liegt neben der Bahnstrecke und nahe der Glems. So hatte eine der Auflagen vorgeschrieben, dass die Fenster nicht geöffnet werden können, was wiederum eine Lüftungsanlage nötig machte. Die aktuell starke Nachfrage nach Wohncontainern zur Flüchtlingsunterbringung hatte zudem die Preise der Anbieter nach oben getrieben. So waren aus den anfangs veranschlagten 600 000 Euro zwischenzeitlich 1,1 Millionen Euro geworden. Schließlich wurden kleinere Container bestellt und an verschiedenen Stellen Einsparungen vorgenommen. Schlussendlich liegen die Kosten für die Obdachlosenunterkunft samt Grundstückskauf nun bei 900 000 Euro.

Auch Nachbarn aus der Gartenstadt hatten gegen die Unterkunft geklagt. Sie führten als Hauptgrund vor Gericht an, dass die Wohncontainer im Fall eines Hochwassers die Überschwemmungsgefahr für ihre Grundstücke massiv erhöhen würden. Das sah das Verwaltungsgericht Stuttgart im Juli anders. Das Areal liege nicht in einem Überschwemmungsgebiet und die Grundstücke der Kläger lägen ohnehin höher.

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