David und Juan Blanco del Rio betreiben in Stuttgart das „Classic Rock Café“ und das „Classic Rock Music“. Jetzt leiten sie den Schwabengarten in Leinfelden. Foto: z

Am Karfreitag, 14. April, geht es im Schwabengarten in Leinfelden-Echterdingen fröhlich zu: Die neuen Betreiber machen auf. Die Kirchengemeinden sehen das trotz der abgesagten Live-Musik gar nicht gern ...

Leinfelden - Am Freitag eröffnet der Schwabengarten in Leinfelden. Stilgerecht kommt zur Eröffnung um 11 Uhr ein Pferdegespann mit Bierfass zum offiziellen Anstich. „Wir machen aber nicht wie beim Volksfest auf Ballermann, und es gibt auch keine Schlagermusik“, sagt David Blanco del Rio, der den Biergarten mit seinem Bruder Juan übernommen hat.

Der Live-Band wird kurzfristig abgesagt

Nach einer Mitteilung des Ordnungsamts, dass eine Musikband wegen des Karfreitags nicht erwünscht sei, habe man einem Volksmusikduo kurzfristig abgesagt: „Wir wollen mit den Kirchen gute Nachbarschaft.“ Am Eröffnungstag sei wie sonst bis 23 Uhr geöffnet: „Wenn wir merken, dass um 21 Uhr wegen Kälte niemand im Biergarten ist, schließen wir“, sagt David Blanco del Rio. Kulinarisch wollen die neuen Chefs vieles beibehalten, aber Akzente setzen: „Es gibt weiterhin Schnitzel, Braten, Obatzda und Wurstsalat. Statt eines dem Karfreitag angemessenen traurigen Rollmopses gibt es als Neuheit saftige Pulled Pork-Filderburger mit Filderkraut. Mit der Eröffnung des Frühlingsfests auf dem Cannstatter Wasen einen Tag später habe der Eröffnungszeitpunkt nichts zu tun: „Wir wollten an Ostern aufhaben.“

Kirchen reklamieren den Karfreitag als Tag der Stille

Aus kirchlicher Sicht ist die Eröffnung am Karfreitag allerdings der falsche Zeitpunkt. Am Tag, an dem Christi Blut am Kreuz geflossen ist, soll 2000 Jahre später in froher Runde kein Bier fließen. „Der Karfreitag lebt von der Stille. Im Sonntagsgesetz steht zwar, dass Veranstaltungen um 11 Uhr beginnen können, aber der Karfreitag ist in besonderer Hinsicht ein stiller Tag“, sagt Rainer Kiess, Dekan des evangelischen Kirchenbezirks Bernhausen. Die Eröffnung zeuge „nicht von Rücksichtnahme für einen Teil unserer Kultur. So schwer es auch für manche Menschen ist, es ist wichtig, dass es einen Tag ohne Events gibt, denn wenn sich jeder Tag gleicht, verwischt sich alles zum Einerlei.“ So mancher nutze die Fastenzeit, um sich dafür um so mehr an Ostern zu erfreuen. „Es ist nicht nur Sommer, sondern auch Winter“, sagt er.

Auch von katholischer Seite kommt scharfe Kritik: „Wir sind davon gar nicht begeistert. Das ist eine kulturelle Geschmacklosigkeit. Auch wenn man nicht religiös ist, hat die Kultur einen gewissen Ablauf. Aber Hauptsache, die Leute haben einen freien Tag und das Geld fließt“, sagt Pastor Hans Stehle von den katholischen Kirchengemeinden in Echterdingen und Leinfelden.

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