In Musberg gab es nur hier VVS-Tickets, jetzt ist das Geschäft zu. Foto: Caroline Holowiecki/i

Busfahrer verkaufen keine Fahrscheine mehr, um das Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, zu minimieren. Und die einzige Verkaufsstelle in Musberg, ein Bekleidungsgeschäft, ist jetzt auch zu. Was nun?

Musberg - Die Gesundheitsgefahr fährt mit. Um Busfahrer möglichst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus zu schützen, werden bis auf Weiteres im gesamten Gebiet des Verkehrs- und Tarifverbundes Stuttgart (VVS) die vorderen Türen der Fahrzeuge nicht mehr geöffnet, zudem werden an Bord keine Tickets mehr verkauft. „Da die Fahrgäste aber nur mit einem gültigen Ticket in den Bus einsteigen dürfen, empfiehlt der VVS, Tickets im Vorverkauf über andere Verkaufskanäle zu erwerben“, liest man auf der Homepage des Verbunds.

Man habe das schon moniert, sagt der Ladenbetreiber

In Musberg ist das allerdings problematisch. Denn die einzige Verkaufsstätte, das Bekleidungsgeschäft Stauch-Zahn, ist ebenfalls zu. Das Gitter neben dem Schildchen „VVS-Verkaufsstelle“ ist heruntergelassen. Der Laden hat gemäß der Landesverordnung zur Eindämmung des Coronavirus bereits am Dienstag geschlossen, berichtet der Mann der Inhaberin am Telefon. „So ist es, so leid es uns tut“, sagt er. Eine andere Ticketverkaufsstelle gebe es im Ortsteil nicht, „wir haben das schon moniert“. In der Vergangenheit habe zudem immer wieder für Unmut gesorgt, dass im Musberger Fachgeschäft das günstige Drei-Euro-Stadtticket nicht verfügbar ist, das die Stadt Leinfelden-Echterdingen vor Kurzem eingeführt hat.

Aber ob günstig oder teuer: Etliche Musberger, die kein ÖPNV-Jahresabonnement abgeschlossen haben, gucken jetzt in die Röhre. Leone Bauer etwa geht auf die 90 zu. Ein Smartphone hat sie nicht. „Nein, ich habe ein ganz billiges, einfaches Handy“, sagt die Seniorin. Das heißt: Eine Möglichkeit, sich eine Busfahrkarte zu kaufen, sieht sie aktuell nicht. „Hier habe ich nichts mehr“, stellt sie klar. Daheim bleiben will sie allerdings auch nicht. Sie möchte einkaufen. „Man muss ja mal die Leute sehen, wenn auch nur von Weitem“, sagt Leone Bauer.

Für alte Leute ohne Handy ist es schwierig

Und nun? Die Seniorin ist ratlos. Gisela Fechner, die Sprecherin der Stadtverwaltung, verweist auf Nachfrage auf die DB-Zentren oder auf den Onlineverkauf. Der Mann aus dem geschlossenen Bekleidungsgeschäft wiederum sieht keine andere Möglichkeit für die alten Leute aus dem Teilort, als einfach ohne Karte mit dem Bus zu fahren. „Logisch fahren die schwarz, weil sie nicht bezahlen können, dabei sind sie willig zu zahlen“, schätzt er die Lage ein.

Pia Scholz, eine VVS-Sprecherin, erkennt an, dass dies „in der Tat eine schwierige Situation“ ist. Zum Schwarzfahren aufrufen könne man freilich nicht, denn gerade auch die mittelständischen Busunternehmen stünden vor gewaltigen finanziellen Herausforderungen. Viele ältere Kunden ohne Smartphone hätten ohnehin Vierer-Tickets zum Abstempeln. „Unsere Prüfer wurden jedoch sensibilisiert, dass niemand, der glaubhaft versichert, dass er vorher kein Ticket kaufen konnte, als Schwarzfahrer behandelt wird.“ Sie stellt klar: „Selbstverständlich wird in dieser Situation Kulanz geübt.“

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