Blick aus dem Baucontainer: Wo einst der katholische Erlachkindergarten stand, baut die GWF zwei Mehrfamilienhäuser. Foto: Natalie Kanter

Bauarbeiter lärmen seit Monaten an der Hohenstaufenstraße in Leinfelden-Echterdingen. Der Grund ist ein guter: Dort entsteht Wohnraum, den sich auch Menschen leisten können, die nur wenig Geld verdienen oder viele Kinder zu ernähren haben.

Stetten - Der Kran ist schon von weitem zu sehen und auch zu hören. Der rotorange Riese dreht sich und hupt dabei. Auch sonst herrscht reger Betrieb an der sonst eher ruhigen Hohenstaufenstraße im Leinfelden-Echterdinger Ortsteil Stetten. Breite Fahrzeuge quetschen sich durch den schmalen Verbindungsweg. Denn an dieser Straße wird gebaut. Eine tiefe Baugrube ist auf dem Gelände ausgehoben, auf dem bis 2015 der katholische Erlachkindergarten stand. Ein Baggerfahrer befördert mit der Schaufel seines Fahrzeuges Erdreich auf einen Laster, der dann wieder abrauscht.

Die Stadt hat bereits im Mai Parkverbotsschilder aufgestellt. Anwohner müssen seit Monaten auf ihre Stellplätze direkt vor ihrer Haustüre verzichten und auch jede Menge Lärm aushalten. Das gefällt nicht allen. „Es ist wahnsinnig laut, nirgends kann man parken, Riesenlaster rollen durch den Ort“, macht eine Frau ihrem Ärger gegenüber unserer Zeitung Luft. „Das geht schon den ganzen Sommer so“, schimpft sie.

Die Mieter müssen 33 Prozent weniger bezahlen

„Die lärmintensivsten Arbeiten sind nun vorbei“, sagt derweil Stephan Schmitzer, der technische Leiter der GWF. Die Wohnungsgenossenschaft mit Sitz in Stuttgart baut an dieser Stelle 18 Wohnungen. 13 davon sind für Menschen mit schmalem Geldbeutel gedacht. Krankenschwestern, Polizisten oder auch Familien mit vielen Kindern, wie Schmitzer erläutert, werden dort also möglicherweise einziehen. Denn 75 Prozent des Wohnraums, der an der Hohenstaufenstraße 6 entsteht, ist für Leute gedacht, die sich die ortsübliche Miete von elf bis zwölf Euro pro Quadratmeter nicht leisten können.

Diese 13 Wohnungen werden sozial gefördert, die Mieter müssen 33 Prozent weniger bezahlen. Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat Belegungsrechte, das heißt die Kommune wird gemeinsam mit der GWF die künftigen Mieter aussuchen. Die anderen fünf Wohnungen wird die Genossenschaft ihren Mitglieder anbieten.

Auch die Bauweise der beiden Mehrfamilienhäuser ist besonders: Sie werden aus Holz erstellt. „Holz wächst nach“, sagt Schmitzer, die Häuser werden also aus regenerativem Material gebaut. Die Holzwände werden am Stück geliefert, selbst die Fenster sind dann schon drin. „Dann geht es schnell“, sagt Schmitzer. Denn die Wände müssen im Grunde nur noch zusammengefügt werden. Noch aber ist es nicht soweit. Noch sind die Bauarbeiter dabei, die Tiefgarage für die beiden Häuser zu bauen. Und die ist aus Beton.

Die Garage soll laut GWF bis Ende des Jahres fertig sein. Sämtliche Bauarbeiten sollen im Herbst 2020 abgeschlossen sein. Im vierten Quartal des neuen Jahres, wie der technische Leiter sagt, sollen dann die künftigen Bewohner einziehen.

Die GWF ist eine von 2000 Wohnungsgenossenschaften

Knappe Flächen, hohe Baupreise: Der Wohnungsmarkt in der Region Stuttgart und auch auf den Fildern ist bekanntlich überhitzt. Bezahlbare Wohnungen sind Mangelware. Der soziale Wohnungsbau wurde über Jahre hinweg vernachlässigt. Augenfällig wurde dieses Problem erst wieder, als sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland kamen.

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat sich zum Ziel gesetzt, den Anteil von gefördertem Wohnraum von derzeit 0,5 Prozent auf vier Prozent anzuheben. So ist es im Handlungsprogramm Wohnen zu lesen, das die Kommune zusammen mit dem Institut für Stadt- und Regionalentwicklung erstellt hat. Bis 2030 sollen in L.-E. insgesamt 3000 neue Wohnungen entstehen. In dieser Rechnung gibt es allerdings noch reichlich Unbekannte.

Immerhin: 200 neue Wohnungen werden in den Schelmenäckern gebaut werden. Die Stadt hat zudem die Hinterwiesen in Leinfelden als möglichen Baugrund ins Auge gefasst. Auf den Echterdinger Goldäckern, auf den Oberaichener Bergäckern, am Oberen Bongart in Musberg und Im Riedenberg in Stetten könnte es neue Wohnungen geben.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: