Drei Gesichter der Margit Wolter Herzenskinder-Initiative: Isabel Vermander, Fritz Wolter und Gerda Stoll (von links). Foto: Natalie Kanter

Eine Initiative aus Leinfelden zeigt seit zehn Jahren Herz. Der Verein springt ein, wenn es Familien an Geld fehlt. Schnell und unbürokratisch. Warum? Dies verraten die Menschen dahinter hier.

Leinfelden-Echterdingen - Die Zahl ist beeindruckend: 120 000 Euro hat die „Margit Wolter Herzenskinder-Initiative“ in zehn Jahren zusammengetragen. „Wir waren selbst überrascht über die Höhe der Summe“, sagt Kassiererin Isabel Vermander. Das Schöne daran: Der Betrag wurde fast eins zu eins weitergegeben. Der Leinfelder Verein hat es sich zur Aufgabe gemacht, in Not geratenen Kindern unbürokratisch zu helfen. Er will da sein, wenn es am Geld fehlt.

Zwei Beispiele: Das dritte Kind einer Familie kommt behindert zur Welt. Der Mann sucht daraufhin das Weite. Ein schwerkranker Junge braucht einen neuen Rollstuhl, weil der alte zu klein geworden ist. Die Krankenkasse aber will diesen nicht bezahlen. „Wir wollen Lücken schließen“, sagt der Vorsitzende Fritz Wolter.

Die Initiative macht seit Jahren auch das Musical-Projekt „drop up“ in L.-E. finanziell möglich. Kinder und Jugendliche aus allen Schulen der Großen Kreisstadt studieren dabei gemeinsam ein Stück ein. Und gewinnen auf diesem Weg ein großes Stück Selbstbewusstsein.

Der Verein unterstützt Ehrenamtliche, die sich im Degerlocher Hospiz um Kinder kümmern, deren Eltern oder Großeltern auf dem Sterbebett liegen. Er fördert ein Projekt der Torwiesenschule in Stuttgart-Heslach. Dort besucht der Therapiehund Momo regelmäßig eine Klasse mit hyperaktiven Kindern. Die Organisation greift über das Stuttgarter Olgäle Familien unter die Arme, deren Kinder zu früh das Licht der Welt erblickt haben.

Kindern galt ihre Hingabe

Dabei trägt die Initiative den Namen Margit Wolter nicht ohne Grund. Fünf Jahre lang hat sich Margit Wolter gegen den Krebs gestellt, der sich in ihrem Körper eingenistet hatte. Sie wollte wieder gesund werden, die Krankheit besiegen. Weil sie gerne gelebt hat. Kindern galt ihre ganze Hingabe, berichtet ihr Mann. „Das hat sie am meisten interessiert“, sagt er. Neben den eigenen zwei Söhnen hat sich seine Frau um Pflegekinder und Nachbarskinder gekümmert. Sie engagierte sich auch gegen den sexuellen Missbrauch von Mädchen und Jungen. „Wichtig ist das, was man tut und nicht worüber man redet“, war eine ihrer Prinzipien, ist im Internet nachzulesen.

Als Margit Wolter dann trotz ihres Lebensmutes den Kampf gegen den Krebs verloren hatte, wollte Fritz Wolter „das Buch nicht einfach so zuschlagen“. Auch weil er durch die Krankheit seiner Frau mitbekommen hatte, „wie viel Elend und unfassbare Schicksale sich hinter Krankenhausfassaden verbergen.“ Der Mann, den man auf den Fildern auch als den Musiker Fide Wolter kennt und der morgens behinderte Kinder durch den Flecken fährt, gründete die „Margit Wolter Herzenskinder-Initiative“. Bekannte hatten damals angezweifelt, dass er dieses Ehrenamt lange durchziehen werde. Das hat den Initiator gleichsam geärgert und angespornt.

Nun besteht der Verein, der normalerweise kaum in der Öffentlichkeit steht, seit zehn Jahren. Dies soll am Samstag, 29. September, in Leinfelden im Dietrich-Bonhoeffer-Haus, Kirchstraße 23, gefeiert werden. Der „International Choir of Stuttgart“ wird auftreten. Jugendliche werden Szenen aus dem Musical „drop up“ zeigen, Projektpartner über ihre Arbeit berichten. Die Veranstaltung beginnt um 19 Uhr. Weitere Informationen über die Initiative gibt es unter: www. herzenskinder.info im Netz.

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