René, Simon und David (v.l.) sind in ihrem Element. Und sie haben dieser Tage einiges zu tun. Foto: Fritsch

Die Sternsinger sammeln in diesem Jahr für Projekte gegen Kinderarbeit. In den meisten Häusern werden die Könige und der Sternträger mit offenen Armen empfangen. Wir haben eine Gruppe in Leinfelden-Echterdingen begleitet.

Leinfelden-Echterdingen - Ganz überzeugend klingt es bei Simon, David und René am ersten Haus noch nicht. Der sechsjährige René, der an diesem Tag zum ersten Mal bei den Sternsingern dabei ist, traut sich noch nicht richtig. Zum Glück hat er die Brüder Simon und David an seiner Seite, die ihm mit seinem Teil des Textes helfen. „Wir können es alle zusammen sagen“, sagt die Frau, die die Sternsinger herzlich empfängt. Wahrscheinlich war es nur die Aufregung, denn nach den ersten Worten weiß René wieder, wie es geht. „…da saßen die Heiligen alle und waren wie Engel so froh“, sagt der junge Sternträger und grinst stolz.

Es ist die einzige Gruppe in Musberg, die nur aus Jungen besteht. Insgesamt laufen 13 Kinder – davon neun Mädchen – in drei Gruppen seit Mittwoch bis zum heutigen Freitag durch 80 Straßen und klingeln an rund 800 Häusern. „Das kann man niemals alles schaffen“, sagt Uta Nachbaur, die die Aktion im Stadtteil organisiert. Deshalb sind auf den Adresslisten, an denen sich die Kinder orientieren, die Haushalte farbig markiert, die auf jeden Fall einen Besuch von den Sternsingern wollen. Auf der Liste von René, David und Simon stehen am ersten Tag 69 Adressen.

Die Kinder segnen die Häuser

Christus Mansionem Benedicat – dafür stehen die Buchstaben in dem Segen 20*C+M+B+18, den die Sternsinger wieder an die Haustüren vieler Christen schreiben. Übersetzt heißt es „Christus segne dieses Haus“. Auch in Musberg bringen Kinder dieser Tage den Segen in die Häuser und sammeln Spenden für die diesjährige Mission: „Gemeinsam gegen Kinderarbeit in Indien und weltweit“.

Der Wind weht so stark, dass sich nicht nur die bunten Gewänder der Jungen aufplustern, auch Renés Krone landet immer wieder auf dem Boden, und nach einiger Zeit sitzt Davids Turban schief. Umso mehr freuen sich die drei Jungen, wenn sie beim einen oder anderen Haus zum Singen hereingebeten werden. Der 13-jährige Simon übernimmt an diesem Tag die Rolle des Caspar und des Melchior. Weil er der Größte in der Gruppe ist, schreibt er den Segen an die Haustüren. David (8) hat als Balthasar die Aufgabe, die Kasse zu tragen und die Menschen um eine Spende zu bitten. Er ist bereits zum vierten Mal bei den Sternsingern dabei.

Zwei Könige und ein Sternträger

Von den meisten Menschen wird die Gruppe herzlich empfangen. „Ihr seid die Heiligen Drei Könige“, sagt ein Mann und freut sich sichtlich. „Na ja, eigentlich zwei Könige und ein Sternträger“, sagt Simon. Der Mann erwidert: „Ihr könnt bestimmt trotzdem gut singen.“ Ja, das können sie. Auch bei Sternträger René klappt es von Haus zu Haus besser. Etwa nach der Hälfte weiß er genau, was er wann sagen muss. Auch beim nächsten Haus ist das Trio willkommen: „Bei dem Wetter habe ich gar nicht mit euch gerechnet, aber ich freue mich, wenn ihr da seid“, sagt die Frau, die geöffnet hat. Oft wird die ganze Familie zusammengerufen, um den Jungen zuzuhören. Manchmal sind auch Kinder dabei. An den leuchtenden Augen erkennt man, dass es ihnen besonders gut gefällt. Ein Mädchen läuft sogar bis zum nächsten Haus mit, um sich die Lieder und Gedichte ein zweites Mal anzuhören.

Mit dem gesammelten Geld unterstützen die Sternsinger Projekte, die sich gegen Kinderarbeit einsetzen. In Indien müssen schätzungsweise 168 Millionen Kinder arbeiten, um das Einkommen der Familie aufzubessern. Zur Schule gehen die meisten von ihnen nicht. Die Arbeit nimmt den Kindern oft nicht nur die Freizeit und die Chance auf Bildung, sie gefährdet auch ihre Gesundheit und verringert damit die Lebenserwartung. Zur Vorbereitung auf die Sternsinger-Aktion haben die Musberger Kinder einen Film über die Situation in Indien gesehen. Für den Erstklässler René war es kaum zu glauben, dass viele indische Kinder nicht zur Schule gehen. Seine Mutter erzählt, dass das Motto „Kinder helfen Kindern“, das über der Aktion steht, ein Anreiz für René war, in diesem Jahr bei den Sternsingern mitzulaufen.

Ein großer Hauen Süßigkeiten

Nach etwa 30 Adressen werden David und René langsam müde. Simon dagegen findet richtig Spaß an der Sache und meint: „Lasst uns noch ein paar machen.“ Nach drei weiteren Besuchen ist dann Schluss – zumindest für diesen Tag. Etwas Wichtiges fehlt aber noch: das Geld zählen. In knapp drei Stunden sind etwas mehr als 200 Euro zusammengekommen. Und ein großer Haufen Süßigkeiten.

Auch wenn René nun ziemlich müde ist, freut er sich über den Erfolg des Tages. Er muss zwar kurz darüber nachdenken, ob er sich auf den nächsten Tag freut, wenn alles wieder von vorn beginnt, sagt aber schließlich überzeugt „ja“.

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