Schülerwohnheime sind laut den örtlichen Muslimen keine rechtsfreien Räume, sondern stehen unter strenger staatlicher Kontrolle der zuständigen Landesämter Foto: Achim Zweygarth

In zwei Monaten treffen sich der VKBI mit der Stadt Leinfelden-Echterdingen vor Gericht. Nun stellen die Muslime ein paar Dinge klar.

Leinfelden-Echterdingen - In knapp zwei Monaten werden sich die Stadt Leinfelden-Echterdingen und der Verein für Kultur, Bildung und Integration (VKBI) in Sachen Moschee auf den Fildern vor Gericht treffen. Die Muslime sind angespannt. „Es ist sehr bedauerlich, dass es so weit gekommen ist“, sagt Muhammet Güçlü, der VKBI-Vorsitzende, unserer Zeitung. Er sagt aber auch: „Das Thema Schülerwohnheim ist nicht vom Himmel gefallen.“ Er nimmt den jüngsten Text unserer Zeitung zum Anlass, Stellung zu beziehen gegen die „wiederholt gegen den Verein erhobenen Vorwürfe der Intransparenz“, wie er in einer Pressemitteilung schreibt.

Ähnlich habe er sich auch auf einer Tagung der Akademie der Diözese Rottenburg-Stuttgart geäußert. Die Veranstaltung hat sich auch mit Moscheebaukonflikten befasst. Zur Moschee auf den Fildern wurde eine Diskussionsrunde veranstaltet, an welcher der VKBI, aber nicht die Stadt teilgenommen hat. Bekanntlich soll im Oberaichener Gewerbegebiet nicht nur ein Gebetshaus, sondern auch ein Schülerwohnheim entstehen. Letzteres ist der Zankapfel der Auseinandersetzung, die seit Jahren andauert.

Hat die Stadt über die Pläne im Detail Bescheid gewusst?

Islamberater Hussein Hamdan, welcher die Tagung für die Akademie organisiert, glaubt, dass die Kommunikation zwischen Stadt und VKBI von Anfang an nicht richtig geklappt habe. Dass die Muslime auch ein Schülerwohnheim planen, sei der Kommune zu Beginn nicht klar gewesen. Dazu stellt Güçlü klar: „Der Stadt waren sämtliche Nutzungsabsichten des Vereins von Beginn an bekannt.“ Sie habe selbst die baurechtlichen Voraussetzungen dafür erst geschaffen. Der in diesem Gebiet geltende Bebauungsplan wurde entsprechend geändert.

Der VKBI-Vorsitzende zitiert in seiner Mitteilung aus einem Papier der Verwaltung – es hatte dem Gemeinderat als Grundlage für seinen Beschluss im Oktober 2014 vorgelegen: „Geplant ist ein islamisches Gebets- und Kulturzentrum. Vorgesehen sind außer den Gebetsräumen noch Läden, ein Café, ein Spielbereich für Kinder, ..., ein Wohnheim für Schüler und Lehrpersonal...“

Nur ein Wochenendheim?

Laut VKBI hat man also ganz genau gewusst, was der Verein dort bauen will. „Hier wurde nichts vertuscht oder verheimlicht“, sagt Güçlü. Der Verein „möchte nicht mehr, aber auch nicht weniger als das, was die Stadt ihm vor fünf Jahren selbst ermöglicht hat“, schreibt er in seiner Mitteilung. „Im Übrigen sei darauf hingewiesen, dass Schülerwohnheime keine rechtsfreien Räume sind, sondern unter strenger staatlicher Kontrolle der zuständigen Landesämter stehen.“

Von Seiten der Verwaltung ist zu hören, dass man immer von einem Wochenend – oder Ferienheim ausgegangen war und nicht von einer dauerhaften Nutzung. Darauf angesprochen, räumt der VKBI-Vorsitzende ein, dass man mit einem Wochenendkonzept starten wollte. Ziel sei aber immer ein richtiges Schülerwohnheim gewesen. Gisela Fechner, Sprecherin der Stadt, sagt unserer Zeitung: „Nach den uns vorliegenden Fakten stellt sich das Thema anders da.“ Am Montag wird es dazu eine öffentliche Stellungnahme der Stadt geben.

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