Die Stettener Wehr braucht ein neues Magazin. Viele Feuerwehrleute sind deshalb am Dienstagabend in die Festhalle gekommen. Ex-CDU-Stadtrat Klaus Machanek (stehend) ergriff als einer von mehreren Bürgern das Wort. Foto: Natalie Kanter

Die Stadt Leinfelden-Echterdingen hat in der Stettener Festhalle über Entwicklungen in dem Teilort informiert. Das Publikum aber kam wegen der Feuerwehr – und musste erst mal ziemlich lange warten.

Stetten - Warum schließt sich die Stettener Wehr nicht mit der Echterdinger FFW zusammen? Können die Rettungskräfte nicht weiter in ihrem alten Domizil auf dem Haldenareal bleiben, während die Stadt dahinter das Magazin neu baut? Beim Thema Parkplätze muss noch eine kreative Lösung gefunden werden.“ Die Stettener hatten am Donnerstag so einige Fragen und Statements in die Festhalle mitgebracht. Zunächst aber mussten sie sich eineinhalb Stunden im Zuhören üben. Und das obwohl die Veranstaltung den Titel „LE im Dialog: Stetten“ trug.

Auf die Frage unserer Zeitung, ob dies ein gezieltes Vorgehen war, sagt Oberbürgermeister Roland Klenk: „Nein, wirklich nicht.“ Er räumt ein, dass man sich am Anfang des Abends etwas kürzer hätte fassen müssen. Aber: „Unsere Absicht war, alle Informationen auf den Tisch zu legen.“ Und dabei sei man wohl etwas über das Ziel hinaus geschossen.

Ein Ort mit einem Doppelherz

Professorin Dita Leyh, Partnerin des Internationalen Stadtbauateliers Stuttgart (ISA) referierte zunächst im Detail über die Geschichte des Teilortes. „Es gibt bis heute kein richtiges Zentrum“, stellte sie fest. Stetten sei ein Ort mit einem Doppelherz. Es gebe ein Unten und ein Oben. Unten sei der Einzelhandel beheimatet, oben Freizeit und Kultur. Die zwei Herzen gelte es zu verbinden.

OB Klenk und auch Baubürgermeisterin Eva Noller sprachen zunächst über den Wohnungsbau in Stetten. Auch der geplante Mobilitätspunkt an der Kreuzung Stettener Hauptstraße/Sielminger Straße wurde beleuchtet. Dort soll auch eine neue Ampel hinzukommen, die auf den Verkehrsfluss reagieren kann. „Ein Kreisverkehr an dieser Stelle würde zu viel Platz in Anspruch nehmen“, sagte Noller.

Am Ende informierte Dita Leyh auch zur strittigen Frage: Wo soll der Neubau für die örtliche Wehr und das DRK nun gebaut werden? Aus diesem Grund waren die meisten Zuhörer – darunter auch sehr viele der betroffenen Einsatzkräfte– zu der Veranstaltung gekommen. Die Architektin klärte über die Vor- und Nachteile der beiden Standorte Haldenareal und Altes Rathaus auf. Die Verwaltung favorisiert bekanntlich das Gelände am Alten Rathaus. Letzteres soll zur neuen Heimat verschiedener Vereine werden. Dieser Standort aber wird von vielen Bürgern weiter sehr kritisch gesehen. „Ein Industriebau neben dem Alten Rathaus? Wir sind alle verpflichtet, das Erbe von Stetten zu erhalten“, sagte ein Mann am Donnerstag.

Ein Interimsstandort für die Wehr

Zum Gelände am Alten Rathaus erklärte Leyh: „Feuerwehr, Altes Rathaus und Kirche könnten zu einem kleinen, interessanten Ensemble werden.“ Zum Haldenareal erklärte sie: „Hier ist das große Problem, dass die Stadt einen Interimsstandort für die Wehr finden muss.“ Die FFW müsste für mindestens eineinhalb Jahre umziehen. Bürgermeister Carl-Gustav Kalbfell machte deutlich, dass ein Neubau am Alten Rathaus deutlich schneller umzusetzen sei als am Haldenareal. „Der Neubau könnte dort bis Ende 2020 fertig sein“, sagte er. „Denn die Feuerwehr fährt dann auf ihrem eigenen Gleis“.

Zum städtischen Grundstück am Unger­haldenweg und damit an der Kreuzung Weidacher Steiger/Stettener Hauptstraße, das in der Vergangenheit auch als FFW-Standort im Spiel war, erklärte die Professorin: „Es wäre schade, ein Areal, welches sich für den Einzelhandel anbietet, für die Feuerwehr herzugeben.“

Stadtkommandant Wolfgang Benz sagte dazu: „Ich kann eine Anfahrt über diese Kreuzung nicht empfehlen.“ 95 Prozent der Einsatzkräfte wohnen im oberen Teil von Stetten und müssten bei einem Einsatz zunächst über die Kreuzung fahren. „Bei viel Verkehr stehen die Jungs dort dann erst einmal Schlange.“ Es sei aber problematisch, wenn sich die Anfahrtszeit zum Magazin verlängert. „Wir müssen in zehn Minuten am Einsatzort sein“, sagte er. Und fragte: „Wer möchte jener Bürger sein, bei dem wir später ankommen?“ Es gehe um die Sicherheit der Bürger, aber auch der Einsatzkräfte. Und wer bei der Anfahrt zum Feuerwehrhaus einen Unfall verursache, müsse dafür privat haften. Die Wehr favorisiert bekanntlich genauso wie die Verwaltung das Grün am Alten Rathaus: „Der Standort Haldenareal bringt uns keine zeitnahe Lösung“, sagte Benz.

OB Klenk sagte: „Wir sind seit 2014 in der Pflicht, für die Feuerwehr etwas Neues zu schaffen.“ Und: „Die Entscheidung sollte so bald wie möglich getroffen werden.“ Diese werde auf vielen Fakten fußen. Sie müsse aber auch das Heimatgefühl der Stettener Bürger berücksichtigen.

OB Klenk will erneut den Dialog mit den Bürgern suchen

Dieses Dilemma wurde auch am Donnerstag nicht gelöst. Und es wird wohl auch nicht der letzte Bürgerdialog zu diesem Thema in Stetten gewesen sein. „Mein Gefühl sagt mir, dass es besser ist, vor der tatsächlichen Entscheidung, erneut den Dialog mit den Stettener Bürger zu suchen“, sagt Klenk unserer Zeitung.

Zum Hintergrund: Der Gemeinderat hat am Dienstag entschieden, dass die Verwaltung auch das Haldenareal genauso intensiv auf eine Tauglichkeit für einen Neubau untersuchen lässt, wie dies bereits für das Gelände am Alten Rathaus geschehen ist.

Diese Untersuchung wird 30 000 Euro kosten. Die Ergebnisse werden in etwa einem halben Jahr vorliegen. Diese sollen dann zunächst dem Technischen Ausschuss des Gemeinderates aber auch den Bürgern präsentiert werden.

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