Für ein lockeres Läufchen ist Dieter Baumann (blaues Hemd) immer zu haben. Foto:  

Nach einem lockeren Lauf mit Gleichgesinnten stellt der 5000-Meter-Olympiasieger Dieter Baumann in Leonberg sein Kabarettprogramm vor. Auf der Bühne hat er auch keine Scheu, sich selbst auf den Arm zu nehmen.

Leonberg - Um eines vorweg zu nehmen: Nein, er kam nicht zu Fuß, sondern mit dem Auto. Mit einem Kleintransporter, um genau zu sein. Dieter Baumann, Olympiasieger, deutsche Laufsport-Legende, für viele einfach der „weiße Kenianer“, gastierte in Leonberg. Gekommen war der Tübinger, um auf das zehnjährige Bestehen des Sportgeschäfts Leosport anzustoßen. Dazu brachte der 48-Jährige nicht nur seine Laufschuhe mit, sondern auch eine Kabarett-Show.

„Hi, ich bin Dieter!“ Da stand er. Baumann, ein breites Lächeln im Gesicht und ein flotter Spruch auf den Lippen, schüttelte Hände, ließ sich fotografieren, schrieb Autogramme. Er packte mit an beim Bühnenaufbau, checkte den Sound, das Licht. Nichts entging seinen strengen Blicken.

Dann ging’s raus ins Grüne. Bevor der 48-Jährige die Gäste zum Lachen brachte, brachte er sie zum Schwitzen. Lockeres Auslaufen stand auf dem Programm, 40 Läufer, sechs Kilometer, 15 Grad Außentemperatur. Die Route führte durch Eltingen, an der Glems entlang, durch das Wohngebiet Ezach, dann schließlich am Bauhof vorbei zurück in die Brennerstraße.

Ein Klacks für Gail McCutcheon, die nach 37 Minuten ins Ziel kam. „Noch vor Dieter Baumann“, sagte die Rutesheimerin mit einem Schmunzeln. Im November läuft sie wieder, beim New-York-Marathon, für einen guten Zweck. „Es war eine ganz entspannte Sache“, meinte auch Anja Völler. Verständlich. Sie ist Ultramarathonläuferin und nimmt regelmäßig an 24-Stunden-Läufen teil. Nach dem Abstecher ergriff Dieter Baumann das Wort: „Duschen muss niemand, bei der kurzen Strecke schwitzt man doch nicht!“ Es deutete sich an: Der Mann hat Humor.

Was jedoch von ihm als Kabarettist zu erwarten war, wusste niemand so recht. Doch es gab auch andere Themen, die von den rund 100 gespannten Zuschauern auf den Bierbänken diskutiert wurden. Baumanns Triumphe, Rekorde, Niederlagen. Nicht zuletzt die Dopingaffäre. Der Tübinger wurde 1999 positiv auf Nandrolon getestet – der Wirkstoff war in seiner Zahnpasta nachgewiesen worden. Bis heute jedoch bestreitet der 48-Jährige, der 1992 in Barcelona Olympiasieger über 5000 Meter wurde, die wissentliche Einnahme unerlaubter Mittel.

Maria Hummel glaubt nicht daran, dass Baumann bewusst Doping betrieben hat. „Er war so gut als Läufer, das hat er nicht nötig gehabt”, so die Leonbergerin. Für Ulrike Frohnmaier habe der Skandal dem Ansehen Baumanns nachhaltig geschadet. „Das wird er nicht mehr los“, sagte die Rutesheimerin. „Aber heute sollte man es mit Humor nehmen, außerdem eignet sich die Zahnpasta-Affäre doch optimal für sein Bühnenprogramm.”

In der Tat. Baumann, schwarzes Sakko, gelbes Hemd und gelbrote Laufschuhe, ließ auf der kleinen Bühne mitten im Sportgeschäft auch dieses Thema nicht außen vor. Er erinnerte sich an eine Taxifahrt in seiner Heimatstadt Tübingen. An der Endstation Neckarhalde sagte der Fahrer: „Ach, hier ist das, da wohnt doch unser Zahnpasta-Mann.“ Baumann entgegnete: „Ich bin der Zahnpasta-Mann.“ Der Fahrer erbleichte und vergaß sogar, die Fahrt in Rechnung zu stellen.

„Körner, Currywurst und Kenia“ heißt die Ein-Mann-Show, mit der Baumann seit 2009 durch Deutschland tourt und die gespickt ist mit Anekdoten aus dem Läuferleben. Da saß er zwischen Socken aus Merinowolle und Polyester-Jogginghosen, erzählte, gestikulierte und plauderte aus dem Nähkästchen. Über Laufen, Leben, Last und Lust – den Stadtlauf im Trainingslager in Kenia, bei dem er sich nach dem Streckenverlauf erkundigte und zu hören bekam: „You only follow the others”. Darüber, dass er bis heute schief angeschaut wird, wenn er Aufzüge, Taxis oder Rolltreppen benutzt, anstelle zu laufen. Und über seine Oma, die froh war, als der Bub der „Springerei“ endlich ein Ende bereitete.

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