Im kommenden Schuljahr will Barbara Fritsch-Höschele wieder öfter selbst unterrichten – dafür fehlt derzeit die Zeit. Foto: Natalie

Barbara Fritsch-Höschele leitet in Musberg und auch in Echterdingen eine Grundschule. Grund für die Doppelbelastung ist, dass noch immer kein Ersatz für eine frühere Schulleiterin gefunden wurde.

Leinfelden-Echterdingen - Normalerweise sprüht Barbara Fritsch-Höschele vor Energie. Doch in diesem Schuljahr hat die 59-Jährige ab und an gemerkt, dass ihr die Puste ausgeht und sie an ihre Grenzen kommt. Der Grund: Die sympathische Frau, die eigentlich die Eichbergschule, eine klassische Halbtagsschule am idyllischen Ortsrand von Musberg leitet, ist derzeit auch die Chefin an der Zeppelinschule – eine Ganztagsschule im Herzen von Echterdingen.

Zwei Tage in der Woche liegt ihr Arbeitsplatz in Musberg, zwei Tage in Echterdingen, am fünften Tag in der Woche ist sie dort anzutreffen, wo sie gerade am meisten gebraucht wird. Ab und an steht sie auch noch selbst im Klassenzimmer, unterrichtet Religion und bringt Grundschülern das Werken bei.

„Es gibt schon Zeiten, wo es heftig ist“, sagt die Doppel-Schulleiterin. Also wenn an beiden Schulen dringende Entscheidungen getroffen werden müssen, sich Abendtermine häufen. Ihre Überstunden zählt sie nicht. „Anfangs habe ich überschätzt, wie viel Kraft und Energie das kostet“, sagt sie.

Inzwischen ist die Tür zum Rektorat oft geschlossen

Die Tür zu dem Musberger Rektorat, das sonst immer und für jeden offenstand, ist nun an manchen Tagen verschlossen. Die Rektorin ist nicht mehr ständig präsent an ihrer Schule. „Man merkt deutlich, dass sie nicht mehr immer da sind“, hat ihr vor Kurzem ein Vater an den Kopf geworfen. Sie nimmt die Kritik sportlich. Und sagt: „Ich finde, dass man das auch merken muss.“ Sonst würde sie sich als Schulleiterin überflüssig vorkommen. „Super Unterstützung“ erfährt Fritsch-Höschele im Kollegium an beiden Schulen. Daniel Ilic, den Echterdinger Konrektor hält sie für einen „fähigen Mann“. Dennoch mussten Aufgaben neu verteilt werden. „Anders würde es nicht gehen“, sagt sie. Gemeldet hat sich Barbara Fritsch-Höschele für diese Doppelbelastung freilich nicht, sie wurde vielmehr als Dienstälteste Schulleiterin in L.-E. gefragt, ob sie in eine Lücke springt. Sie hat zugesagt. Denn: „Wenn Not am Mann ist, ist es selbstverständlich, dass man aushilft“, sagt sie. So wurde die Frau, die aus Freiburg stammt und gerne Dinge selbst gestaltet, erzogen.

Ellen Heimsch, langjährige Schulleiterin der Zeppelinschule, ist im Sommer vor einem Jahr in den Ruhestand gegangen. Obwohl ihre Stelle frühzeitig ausgeschrieben wurde und auch derzeit – und damit zum dritten Mal – auf der Homepage des Staatlichen Schulamtes als vakant gemeldet ist, hat sich bisher kein einziger Bewerber gefunden. Das hat zunächst mit dem Lehrermangel zu tun. Zudem arbeiten gerade an Grundschulen viele Frauen, erklärt Fritsch-Höschele. „In Teilzeit, und das ganz bewusst, weil sie Familie und Beruf unter einen Hut bringen wollen.“ In Teilzeit aber könne man eine Schule nicht leiten. Mehr Frauen in Führungsfunktionen, das werde zwar immer wieder gefordert. Man müsse aber auch darauf achten, dass sich die Frauen nicht aufreiben.

Im kommenden Jahr will sie wieder mehr unterrichten

Sie selbst habe einen Mann an ihrer Seite, der jeweils ein Jahr zuhause geblieben ist, als ihre beiden Kinder zur Welt kamen. Später sind beide arbeiten gegangen. Ein Gehalt brauchten sie, um die engagierte Kinderfrau zu bezahlen. „Es braucht aber auch zwei Omas im Hintergrund, die einspringen können“, sagt sie. Denn als Schulleiterin könne man nicht wegspringen, weil die Kinder mit Fieber im Bett liegen.

Unabhängig davon müsse man als Leiter einer Schule viel Ärger aushalten, sitze oft zwischen zwei Stühlen. „Das muss man aushalten können“, sagt sie.

Das Ziel von Barbara Fritsch-Höschele ist es, dass möglichst wenige darunter leiden, dass zwei Schulen eine Leiterin haben. Aber: „Die Schüler sehe ich nicht mehr so oft“, sagt sie. „Die Lehrer in Musberg haben das Gefühl, sie haben was verloren. Jene in Echterdingen dagegen sagen, sie habe etwas gewonnen.“

Im kommenden Schuljahr will sie sich wieder mehr auf ihre eigentlichen Aufgaben in Musberg konzentrieren, dort auch wieder mehr selbst im Klassenzimmer stehen. Daniel Ilic, Konrektor der Zeppelinschule, wird mehr Leitungsaufgaben übernehmen müssen. Dennoch: Die Kinder, Lehrer und Eltern beider Schulen werden ein weiteres Jahr mit einem Kompromiss leben müssen. Denn noch immer ist die Stelle von Ellen Heimsch nicht neu besetzt.

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