Mit der neuen Sortiermaschine kann der Landwirt Heinrich Hiller (rechts) pro Stunde rund 12 000 Eier durchleuchten, sortieren und verpacken. Foto: factum

Auf dem Geflügelhof Hiller in Bondorf werden täglich etwa 10 000 Eier produziert, die sortiert, verpackt und vermarktet werden müssen. Bei einem Blick hinter die Kulissen zeigt sich: Die Landwirte wollen den Kunden perfekte Ware anbieten.

Bondorf - Auf dem Geflügelhof Hiller in Bondorf (Kreis Böblingen) herrscht aufgeregtes Gegacker. Die Hälfte der Hühner wird gerade in Käfigen auf einen Lastwagen geladen – es geht zum Schlachthof. „Das fällt schon immer schwer“, gibt der 23-jährige Heinrich Hiller zu, der im vergangenen Jahr in den landwirtschaftlichen Betrieb seiner Eltern Herman und Magda Hiller mit eingestiegen ist. Doch dann fügt er hinzu: „Wir sorgen aber dafür, dass es den Hühnern, so lange sie bei uns sind, gut geht.“ Mit der BSE-Krise Ende der neunziger Jahre hat der landwirtschaftliche Betrieb von Rindern auf Hühner umgestellt. Außerdem betreiben die Hillers noch Ackerbau, produzieren Spargel, betreiben einen Hofladen und bieten Nudeln aus eigener Herstellung an, für die sie größtenteils die Eier ihrer eigenen Hühner verarbeiten.

Seit 2007 werden die Legehennen in Bodenhaltung mit überdachtem Auslauf gehalten. Die Jungtiere kommen im Alter von 17 Wochen auf den Hof. Dann bekommen sie zunächst eine gewisse Eingewöhnungszeit. „Mit 21 Wochen fängt ein Huhn an, Eier zu legen. Das ist eine kritische Phase, weil sie dann aggressiv sein können“, erklärt Heinrich Hiller. Überhaupt sind die Tiere empfindlich – Veränderungen mögen sie gar nicht. Deswegen müssen die Landwirte sie immer von derselben Seite füttern und dabei Kleidung in derselben Farbe tragen. Rund ein Jahr bleiben die Tiere – dann lässt die Qualität der Eier nach und der Moment für den Abtransport ist unweigerlich gekommen.

Kein Markt für Bruderhahn

Doch auch wenn dieser Kreislauf zum Arbeitsalltag gehört, macht sich der junge Landwirt Gedanken über das Wohlergehen der Tiere. Seit über das Töten von männlichen Küken diskutiert wird, hat er erwogen, beim sogenannten Bruderhahn-Projekt mitzumachen, bei dem auch Hähne aufgezogen werden. „Aber der Markt ist nicht da. Die Supermärkte, die wir beliefern, haben daran kein Interesse“, sagt Heinrich Hiller.

Gemeinsam mit seinem Vater Herman ist Heinrich Hiller für den Geflügelhof zuständig. 8000 Legehennen haben sie hier, und noch einmal 4000 auf dem Heuberger Hof in Seebronn (Kreis Tübingen). Alle Eier werden aber auf dem Hof in Bondorf kontrolliert, sortiert, verpackt und vermarktet. Dafür haben sich die Hillers nun eine moderne Eiersortieranlage zugelegt. Die Anlage, in die der Betrieb einen Betrag im unteren sechsstelligen Bereich investiert hat, sortiert pro Stunde rund 12 000 Eier. Die Eier werden aus dem Stall per Fließband in die Halle gebracht. Doch ganz automatisch läuft es nicht ab: Um die Anlage zu überwachen, sind mindestens zwei bis drei Arbeitskräfte nötig.

Herman Hiller zeigt, wie es geht: Zuerst saugt er 30 Eier mit einer Art Staubsauger an und legt sie in die Maschine. Per Hand sortiert er die Eier aus, die für den Verkauf zu schmutzig sind. Diese landen geradewegs im Mülleimer. Ebenso wie die Eier, die bei der Durchleuchtung wegen Haarrissen oder anderen Beschädigungen aussortiert werden. Von 8000 Eiern fallen rund 120 durch das Raster, vermutet Hiller. Anschließend werden die Eier gestempelt, gewogen und in Schachteln einsortiert.

Für nicht perfekte Eier hat der Landwirt keine Verwendung

„Die Kunden werden immer anspruchsvoller. B-Ware gibt es heute kaum mehr, sie wird einfach nicht gekauft“, erklärt Herman Hiller. Für die nicht perfekten Eier hat der Landwirt keine Verwendung, denn das Risiko, das mit dem Aufschlagen und Weiterverarbeiten von rohen Eiern einhergeht, will er nicht eingehen, zudem bräuchte er dafür eine EU-Zulassung. Die Eier, die Hiller für seine Nudeln braucht, kommen zu einer Firma nach Villingen-Schwenningen, die die Eier pasteurisiert wieder zurückliefert.

Wissenswertes über die Eier-Produktion:

Legehennenbetriebe: Im Kreis Böblingen gibt es neun Betriebe, die 1000 Legehennen oder mehr halten – darunter der Geflügelhof Hiller, aber auch Haugs Hof in Weil der Stadt oder das Hofgut Mauren in Ehningen.

Eierkonsum:
In Deutschland wurden 2017 pro Kopf 230 Eier konsumiert. Junghennen legen kleine Eier, doch je älter das Huhn ist, desto größer werden die Eier.

Haltbarkeit:
Hühnereier dürfen die ersten 18 Tage ab Legedatum ungekühlt gelagert werden, da sie über einen eigenen Immunschutz auf der Schale und im Inneren in Form von Enzymen verfügen. Sie sollten daher nicht mit Wasser gewaschen werden. Als Mindesthaltbarkeitsdatum ist der 28. Tag ab Legetag definiert. Der Code auf den Eiern gibt Auskunft über die Art der Haltung, das Herkunftsland und den Herstellungsbetrieb. Die Ziffer 0 steht für Bio-Eier, 1 für Freilandhaltung, 2 für Bodenhaltung und 3 für Kleingruppenhaltung in Legebatterien oder in einem Käfig.

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