Experten sehen den Abwärtstrend bei der Verzinsung gestoppt. Foto: dpa

Deutschlands Marktführer zahlt 2019 eine unveränderte Überschussbeteiligung von 2,8 Prozent auf klassische Lebensversicherungen – und setzt damit einen Trend. Denn die Konkurrenz orientiert sich an der Allianz.

München - Die Allianz Leben zahlt 2019 eine unveränderte Überschussbeteiligung von 2,8 Prozent auf klassische Leben-Policen. Mit dem Schlussüberschuss und dem Sockel an Bewertungsreserven ergibt sich eine Gesamtverzinsung von 3,4 Prozent. Bei Deutschlands größtem Lebensversicherer liegt sie nun im dritten Jahr in Folge auf diesem Niveau. Kunden mit einer garantiereduzierten und damit risikoreicheren Versicherung erhalten 2019 auf ihre Sparanteile 3,7 Prozent. Mehr bekommt nur, wer einen Altvertrag aus Hochzinsphasen besitzt. Hier sind bis zu vier Prozent Rendite garantiert. „Wir erwirtschaften eine stabil hohe Verzinsung aus unseren Kapitalanlagen“, sagte der Chef der in Stuttgart ansässigen Allianz Leben, Markus Faulhaber.

Verzinsung stabil

Konkurrenten wie Axa und Alte Leipziger halten die Verzinsung ebenfalls stabil. Viele andere dürften sich am Marktführer orientieren. Lars Heermann von der Ratingagentur Assekurata geht für die Lebensversicherer in Deutschland von einer durchschnittlichen Überschussbeteiligung von 2,4 (2018: 2,47) Prozent aus. „Wir haben Hoffnung, dass das Tal der Tränen an den Kapitalmärkten durchschritten ist. Der Abwärtsdruck ist weg“, sagte er.

Die Branche profitiert von einer neuen Berechnungsmethode für einen Risikopuffer, der negative Folgen der Dauerniedrigzinsen an den Finanzmärkten abfedern soll. Für dieses Instrument namens Zinszusatzreserve (ZZR) müsse die Branche 2018 wohl zwei Drittel weniger zurücklegen, schätzt die deutsche Finanzaufsicht Bafin. Ohne die Neuberechnung wären rund 22 Milliarden Euro an Belastungen auf die Lebensversicherer zugekommen, heißt es bei Assekurata. In diesem Fall hätten viele Lebensversicherer ihre Überschüsse nochmals deutlich senken müssen, sagt Lars Gatschke vom Verbraucherzentrale Bundesverband.

Versicherungen lassen Geschäft mangels Profit auslaufen

Welchen Effekt die ZZR-Neuberechnung für die Allianz gehabt hat, will Produktvorstand Volker Priebe nicht herausrechnen. Er verweist auf die eigene Anlageexpertise und Finanzstärke. So würde ein Viertel der Allianz-Anlagegelder in alternativen Investments wie erneuerbaren Energien oder Infrastrukturprojekten stecken. „3,7 Prozent Gesamtverzinsung sind ein starkes Signal“, sagt Priebe. Für Versicherte, die 2019 in Rente gehen und sich ihre Police nicht in einem Einmalbeitrag, sondern monatlich gestaffelt auszahlen lassen, erhöht die Allianz die Gesamtverzinsung sogar um 0,2 Prozentpunkte.

In Zeiten, in denen immer mehr Finanzkonzerne das Geschäft mit Lebenspolicen wegen mangelnden Profits auslaufen lassen oder Altbestände sogar verkaufen, ist die Allianz der Gewinner. Allein in den ersten zehn Monaten dieses Jahres hat der Konzern gut 130 000 Kunden neu hinzugewonnen und nun erstmals über zehn Millionen Lebensversicherungen im Bestand. Damit hält statistisch jeder achte Deutsche eine Allianz-Lebenspolice.

Keine weitere Trennung von Altverträgen geplant

Bei der Allianz finden neuartige Policen immer mehr Zuspruch, die im Gegensatz zu früheren klassischen Lebenspolicen stark abgespeckte Garantien bieten, aber unter dem Strich seit Jahren höhere – wenn auch nicht garantierte – Renditen erwirtschaften. 95 Prozent aller 2018 von der Allianz verkauften Lebens- und Rentenpolicen seien derartige Produkte, erklärt Priebe. Mehr als jede dritte in Deutschland neu verkaufte Lebenspolice stamme aus dem eigenen Haus. Im Bestand, der noch von klassischen Policen dominiert wird, liege der Marktanteil bei einem Viertel. Dort schlummern Altverträge aus früheren Jahren, die Kunden teils bis zu vier Prozent Rendite garantieren. Der Anteil daran liegt bei der Allianz bei etwa elf Prozent.

Anders als etwa Ex-Konkurrent Generali will sich die Allianz nicht weiter von Altverträgen trennen. „Wir stehen zu unseren Kunden ohne Wenn und Aber“, betont Allianz-Leben-Chef Faulhaber. Eine Deckelung der Provisionen bei Vertragsabschluss einer Police könnte es der Branche erleichtern, attraktivere Renditen für die Kunden zu erwirtschaften. Dies wird von Verbraucherschützern gefordert und in der Bundesregierung diskutiert, die dazu im ersten Quartal 2019 eine Entscheidung verkünden will. Dann könnten die Zinsen für Lebenspolicen auf Sicht sogar wieder steigen, wobei erst einmal jüngere Verträge mit niedrigen Garantiezinsen betroffen wären. Derzeit zahlen Deutschlands Lebensversicherer auf Kosten ihrer Kunden nach Branchendaten jährlich immer noch rund 6,5 Milliarden Euro Provisionen.

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