Ein illegaler Böller aus Polen, bei dem schon die Hülle gefährliche Risse hat, ist im Unternehmen des staatlich geprüften Feuerwerkers von Teller aus Frankfurt (Oder) (Brandenburg) zu sehen. In Deutschland sind Silvesterknaller und Feuerwerk ohne das Prüfsiegel der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) illegal. Foto: dpa/Patrick Pleul

Illegale Silvesterknaller, sogenannte Polenböller, sind bei Pyrotechnik-Fans beliebt und bei Polizei und Feuerwehr gefürchtet. Wir erklären, woher die explosive Ware stammt und was sie so brandgefährlich macht.

Horstwalde - Knapp vier Wochen vor Silvester warnen Experten vor den Gefahren illegaler Silvesterknaller. Diese reagierten häufig viel heftiger als offiziell in Deutschland zugelassene Feuerwerkskörper, sagt Martin Dümmel von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM). „Wenn es nie geprüft wurde, kann alles passieren.“

Demnach könne etwa die nötige Verzögerungszeit nach dem Anzünden nicht gegeben sein oder der Knaller unvorhergesehen stark reagieren. Der klassische illegale Silvesterknaller sei der Blitzknallkörper, der aus dem europäischen Ausland importiert werde. Umgangssprachlich ist er auch als Polenböller bekannt.

„Made in Germany“ – „in vertrauenswürdigen Läden

Nach Aussage von Christian Lohrer von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) in Berlin enthalten sie häufig einen Blitzknallsatz, der wegen seiner chemischen Zusammensetzung sehr viel stärker als herkömmliches Feuerwerk reagiert.

Damit gehen höhere Temperaturen und ein heller Lichtblitz einher. Explodiert so ein Knaller in der Hand, drohen schwere Verletzungen wie der Verlust von Fingern. Pyrotechnik-Experte Lohrer rät deshalb zum Kauf von Feuerwerk „Made in Germany“ – „in vertrauenswürdigen Läden“ und nicht etwa aus Kofferräumen an dunklen Autobahnparkplätzen.

133 Millionen Euro für Knallerei

Nach Angaben des Verbandes der pyrotechnischen Industrie (VPI) liegen die Silvesterumsätze 2019 mit rund 133 Millionen Euro auf dem Niveau des Vorjahres. Gerade zum Jahresende stellt der Zoll häufig illegale Pyrotechnik sicher. „Besonders die Monate November und Dezember sind die Hochphase“, erklärt der stellvertretende Sprecher des Zolls, André Lenz. 2018 fanden die Beamten rund 370 000 Stück illegale Feuerwerkskörper, 2017 waren es noch rund 150 000 Stück.

Die meisten Funde machen die Fahnder den Angaben zufolge entlang der östlichen Grenzen, schwerpunktmäßig entlang der deutsch-polnischen Grenze.

Immer mehr illegale Pyrotechnik im Netz

Nach Aussage von Ruth Haliti, Sprecherin für den Zollfahndungsdienst, stammt das explosive Material vor allem aus China. Es wird aber auch in Polen, der Tschechischen Republik und Italien hergestellt und überwiegend an der deutsch-polnischen Grenze sowie über das Internet verkauft.

In Brandenburg werden den Angaben zufolge die meisten der illegalen Böller aus Polen beim Hauptzollamt Frankfurt (Oder) sichergestellt. Im vergangenen Jahr fanden die Fahnder bei ihren Kontrollen entlang der polnischen Grenze 6,4 Tonnen illegales Silvester-Feuerwerk. „Wir gehen davon aus, dass wir diese Zahl auch in diesem Jahr erreichen werden“, sagt Sprecherin Astrid Pinz.

Erst vor rund einer Woche machten die Beamten des Zolls einen großen Fund: Bei der Kontrolle eines Kleintransporters auf der A12 in Frankfurt (Oder) fanden sie 1,1 Tonnen Pyrotechnik.

Aufgrund der leichten Verfügbarkeit und der medialen Präsenz im Netz sei es auch für Minderjährige sehr leicht, an illegales Feuerwerk zu kommen, so Ruth Haliti. Die heiße Ware werde per Paketdienst an die Käufer geliefert, ohne dass jemand davon etwas mitbekommt.

Nur Feuerwerk der Kategorie F1 und F2 ist erlaubt

Den Ermittlern zufolge geht vor allem von den sprengkräftigen Böllern der Kategorie F3 und F4 eine große Gefahr aus. Die als Polen- und Tschechenböller bekannten Kracher sind bei Pyrotechnik-Fans ebenso beliebt wie bei Polizei, Zoll und Feuerwehr gefürchtet.

Organisierte Kriminelle setzen beim Vertrieb zunehmend auf den Internethandel. Über die Zusammenarbeit mit Postfirmen sei die Zollfahndung auch an diesem Phänomen dran. Schwieriger sei es hingegen, kleine Internet-Bestellungen von Privatleuten im EU-Ausland zu verhindern, erklärt Ruth Haliti.

Illegale Pyrotechnik enthält deutlich mehr Sprengstoff als die zugelassenen maximal drei Gramm Schwarzpulver in handelsüblichen Böllern. Die aus einem Blitzknallsatz (brandfördernde Substanzen, sogenannte Oxidatoren), Kaliumperchlorat und Aluminiumpulver zusammengesetzten Explosivkörper können jederzeit vorzeitig hochgehen. Dabei detonieren sie mit einem lauten Knall und hellem Lichtblitz.

Erhebliche Verletzungen bei Explosionen

Die Bundesanstalt für Materialforschung warnt: „Diese Pyrotechnikartikel können zu erheblichen Verletzungen führen.“ Die Zündschnüre würden nicht überprüft und könnten extrem schnell abbrennen, so dass kaum noch Zeit bleibt, sich schnell in Sicherheit zu bringen.

Auf polnischen Märkten sind selbst Profiböller der Klasse 3 und 4 problemlos zu haben, die in Deutschland nur für ausgebildete Pyrotechniker zugelassen sind. Mit Rohrbomben und Knaller-Batterien, die es locker auf 20 Kilogramm bringen, können ganze Autos in die Luft gejagt werden.

In Deutschland dürfen Feuerwerkskörper der Kategorie 1 (Knallerbsen, Wunderkerzen, Partyknaller) das ganze Jahr über auch an Zwölfjährige an verkauft werden. Pyrotechnik der Kategorie 2 (Raketen, Batterien, Knallkörper) ist ab 18 Jahren vom 28. bis 31. Dezember erlaubt – in Polen hingegen das ganze Jahr über.

Bis zu drei Jahren Haft

Wichtig ist, nur geprüfte Ware mit CE-Zeichen, der Registriernummer (die über Stelle informiert, welche die Pyrotechnik geprüft hat), und deutscher Gebrauchsanweisung zu kaufen. In Deutschland ist die Bundesanstalt für Materialforschung für die Zertifizierung zuständig.

Wer illegale Feuerwerks- und Knallkörper nach Deutschland schmuggelt, kann hart bestraft werden. So sind nach dem Gesetz über explosionsgefährliche Stoffe bis zu zu drei Jahre Gefängnis möglich. Außerdem müssen Schmuggler für die fachgerechte Entsorgung durch Sprengstoffexperten aufkommen, was teuer werden kann.

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