Einige Besucher nutzten den Samstag für den Einkauf von Weihnachtsgeschenken. Foto: Lichtgut/Ferdinando Iannone

Die lange Einkaufsnacht in Stuttgart lockte am Samstagabend viele in die Innenstadt. Einkaufen bis Mitternacht war aber nicht überall möglich.

Stuttgart - Es ist ein fast magischer Moment: Einen kurzen Augenblick lang bestrahlen die weihnachtlichen Lichtinstallationen von unten einen Schwarm Tauben, der über den Schlossplatz fliegt, und heben die weiß leuchtenden Vögel vom nachtschwarzen Himmel ab. Es geht ein leises Raunen über den Platz. Dann ist der Schwarm wieder verschwunden.

Die meisten, die am Samstagabend die lange Einkaufsnacht genutzt haben, um Weihnachtseinkäufe zu erledigen, haben dieses „Glanzlicht“ im Gedränge vermutlich gar nicht bemerkt. Die Königstraße ist am späten Abend noch proppenvoll. Die Selfiefrequenz enorm: Bei den Nachtschwärmern kommen die „Glanzlichter Stuttgart“, die Lichtinstallationen auf dem Platz, als Hintergrund für ein Erinnerungsfoto ziemlich gut an. Paul Ziegler aus Pforzheim, der mit Freundin die Gelegenheit der langen Öffnungszeiten genutzt hat, gefällt die Lichterkulisse: „Es ist vielleicht ein bisschen kitschig, aber auf alle Fälle stimmungsvoll.“

Beileibe nicht alle, die sich durch die Innenstadt drängen, sind an diesem Samstag vor dem dritten Advent aber zum großen Weihnachtseinkauf in die Stadt gekommen. „Wir schauen uns alles an und gehen auf den Weihnachtsmarkt“, sagt Stefanie Fiedler aus Calw. Tatsächlich sind es, bei genauer Betrachtung, auffällig wenige, die mit großen Einkaufstüten durch die City ziehen. „Ich kaufe generell relativ wenige, eher kleine Geschenke ein“, sagt die junge Frau. „Und wenn, dann weiß ich schon meistens ziemlich genau, was ich suche.“

Christoph Achenbach zeigt sich zufrieden

Solche Kunden kennt der Geschäftsführer von Lederwaren Acker im Königsbau sehr gut: „Die Leute sind vorinformierter als früher“, sagt Christoph Achenbach. Soll heißen: Viele kommen schon mit festen Vorstellungen, „ändern dann aber häufig durch unsere Beratung ihre Kaufentscheidung“. Achenbach, der auch Mitglied der City-Initiative Stuttgart (CIS) ist, die für die langen Einkaufsnächte verantwortlich zeichnet, zeigt sich am Abend zufrieden. „Wir hatten gut zu tun.“ Aktionen, wie „Stuttgart City weihnachtet“, so das Motto dieser letzten langen Einkaufsnacht 2019, lenke die Aufmerksamkeit auf die Innenstadt. „Und das brauchen wir auch.“ Viele Geschäfte begleiteten die Aktion mit besonderen Aktivitäten. So konnten sich Kunden bei Lederwaren Acker Geldbörsen und anderes mit Initialen versehen lassen. „Das kam sehr gut an“, sagt Achenbach.

Doch der Geschäftsführer macht auch auf ein Problem aufmerksam: Denn wer die Ankündigung beim Wort nahm, bis Mitternacht einkaufen zu können, und erst um 22 Uhr seine Einkaufstour gestartet hat, stand bei vielen Geschäften vor geschlossenen Ladentüren. „Wir haben leider einen Flickenteppich an Öffnungszeiten“, sagt das CIS-Mitglied.

City-Manager Sven Hahn ist sich des Problems bewusst. „Wir können da nicht in die einzelnen Häuser reinregieren“, sagt er. „Das ist auch eine Frage der Betriebsvereinbarungen.“ Ein Erfolg sei die lange Einkaufsnacht am Samstag in jeden Fall gewesen: Rund 140 000 Menschen haben die Lichtschranken passiert, mit denen die Zählung erfolgt. Normalerweise flacht an Samstagen die Kundenfrequenz gegen 15 bis 16 Uhr ab“, erklärt Hahn das Erfolgsprinzip der langen Einkaufsnächte. An Tagen mit verlängerter Öffnungszeit und besonderen Aktionen sei das deutlich später. Außerdem kämen, so Hahn, tatsächlich mehr Leute in die Stadt. „Und die bringen auch nachweislich mehr Umsatz.“ In diesem Jahr rund fünf Prozent mehr als im Vorjahr, sagt der City-Manager.

Weihnachtseinkäufe zunehmend später

Dass die dritte und letzte lange Einkaufsnacht 2019 vor den dritten Advent gelegt wurde, kommt dem Einkaufsverhalten der Konsumenten entgegen. Der Handelsverband Baden-Württemberg (HBW) hat festgestellt, dass die Weihnachtseinkäufe zunehmend später erfolgen: „Inzwischen kaufen 26 Prozent aller Konsumenten ihre Geschenke erst in der Woche vor Heiligabend“, sagt HBW-Hauptgeschäftsführerin Sabine Hagmann. „Auch wir stellen fest, dass die Kunden noch bewusster und gezielter einkaufen.“ In einer Umfrage hat der HBW unter anderem auch ermittelt, wer weihnachtliches Ambiente wie die „Glanzlichter“ auf den Schlossplatz besonders schätzt: Demnach haben über 70 Prozent der befragten Frauen gesagt, dass ihnen ein besonderes Ambiente beim Einkauf wichtig sei.

Das und vor allem ein Ort der Ruhe mitten im Einkaufstrubel fanden viele am Samstagabend übrigens nicht auf, sondern neben der Königstraße. Die Domkirche St. Eberhard war unter dem Motto „Nightfever“ bis zum späten Abend geöffnet und zog mit leiser Musik und Kerzenschein viele Menschen an, die bei Weihnachten nicht nur ans Einkaufen denken.

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